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Ampertaler des Monats Januar:Blinder Passagier

Gemeine Teichmuschel

Ihre Bestände gehen stark zurück: Die Gemeine Teichmuschel ist im Flussboden der Amper zu finden.

(Foto: Sebastian Böhm)

Die Gemeine Teichmuschel ist fürs Ökosystem der Amper wichtig

Die Gebietsbetreuung des Ampertals bei den Landschaftspflegeverbänden Dachau und Fürstenfeldbruck (gefördert vom Bayerischen Naturschutzfonds und dem Bezirk Oberbayern) stellt jeden Monat den "Ampertaler" vor. Dabei handelt es sich um einen echten Ureinwohner der Region. Der Ampertaler des Monats Januar ist die Gemeine Teichmuschel. Sie findet sich versteckt in ruhigeren Abschnitten der Amper und in manchen Alt- und Nebenarmen. Mit bis zu 15 Zentimetern Länge kann sie durchaus zu stattlichen Dimensionen heranwachsen. Davon ist jedoch meist nicht viel zu sehen, denn zu einem Großteil gräbt sich die Muschel in weichen, sandigen oder schlammigen Boden ein.

Die Gemeine Teichmuschel, oft auch Entenmuschel genannt, kam früher so massenhaft in den heimischen Gewässern vor, dass sie gesammelt und als billiges Schweinefutter verwendet wurde. Diese Zeiten sind schon lange vorbei, denn mittlerweile sind auch die Bestände dieser Art auf einen Bruchteil der einstigen Größe zusammengeschrumpft. Die Ursachen sind noch nicht vollkommen klar. Man vermutet aber, dass diverse Stoffeinträge in die Gewässer eine Rolle spielen. Örtlich kann auch der Fraßdruck durch den Bisam, ein ursprünglich in Nordamerika beheimatetes Nagetier, zu hohen Verlusten führen. Wie alle Großmuscheln filtert sie Schwebstoffe aus dem Wasser, um damit ihren Nahrungsbedarf zu decken. Da hierbei jedes Tier bis zu drei Liter Wasser pro Stunde reinigt, erfüllt die Entenmuschel eine wichtige Funktion im Ökosystem der heimischen Gewässer.

Als eher immobile Art greift die Teichmuschel auf einen speziellen Trick zurück, um sich zu vermehren und verbreiten. Zunächst geben die Männchen ihren Samen direkt ins Wasser ab, wo er von den Weibchen herausgefiltert wird. Im Inneren der Muschel wachsen die befruchteten Eier zu sogenannten Glochidien heran, die schließlich die schützende Schale der Mutter verlassen und sich an einen vorbeischwimmenden Fisch anheften. So reisen sie als blinder Passagier mit, bis sie nach einigen Wochen zu Boden fallen und eine neue Muschelpopulation begründen. Damit diese Strategie klappt, müssen natürlich genügend Fische vorhanden sein, zumal unter diesen auch nur spezielle Arten wie etwa Bachforelle oder Aitel geeignet sind. Außerdem braucht es durchgängige Gewässer, die in ihrem Lauf auch unterschiedliche Strukturen und somit passende Biotope für die Muschel bieten. Diese Voraussetzungen sind meist nur noch bedingt gegeben. Deshalb gilt es, zum Schutz dieser Art die Bemühungen um den Erhalt der heimischen Gewässerlebensräume zu verstärken.

© SZ vom 20.01.2020 / SZ
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