Amperauen Es bleibt beim Minimalkonsens

Das Landschaftsschutzgebiet zwischen Dachau und Karlsfeld wird erweitert, aber nicht in dem Umfang, wie es der Bund Naturschutz fordert. Weitere Areale sollen die Kommunen im Flächennutzungsplan ausweisen

Von Petra Schafflik, Dachau

Lange war kontrovers diskutiert worden, wie das Landschaftsschutzgebiet zwischen Dachau und Karlsfeld erweitert werden soll. Nachdem der Kreistag im Dezember einen Minimalkompromiss verabschiedet hat, kommt das formale "Inschutznahmeverfahren" nun zügig voran. Zwar haben neun Organisationen und eine Bürgerin schriftlich noch Einwendungen vorgebracht. Anlass für Änderungen haben die Kreisräte im Umwelt- und Kreisausschuss aber nicht gesehen. Schon im Herbst werden voraussichtlich das dem Schwarzhölzl vorgelagerte Krenmoos in Karlsfeld sowie zwei Flächen im Hebertshausener Moos auf Dachauer Flur neu unter Schutz gestellt werden. Im Gegenzug wird ein anderes Teilstück im Hebertshausener Moos herausgenommen. Mit der Erweiterung bekommt das Landschaftsschutzgebiet auch einen neuen Namen und heißt künftig "Amperauen mit Hebertshauser Moos, Inhauser Moos und Krenmoos".

Überraschungen brachte das Anhörungsverfahren nicht. Wie zu erwarten kam Kritik vom Bund Naturschutz (BN), der sich seit Jahren für einen deutlich großzügigeren Grüngürtel zwischen Dachau und Karlsfeld einsetzt und diese Forderung Ende 2017 noch einmal mit einer Petition gestützt hatte. Auch die Gemeinde Karlsfeld und eine Bürgerin fordern, das Schutzgebiet weiter zu fassen. Die Gemeinde wünscht, drei von ihr vorgeschlagene Teilflächen zwischen Tiefem Graben und Krenmoos mit ins neue Landschaftsschutzgebiet einzubeziehen. Allerdings habe der Kreistag entschieden, zunächst die "unkritischen Teile unter Schutz zu stellen", erinnerte Landrat Stefan Löwl (CSU). Die Karlsfelder Flächen sollen erst per Flächennutzungsplan der Gemeinde als Schutzzone ausgewiesen werden. Auch Dachau, das ebenfalls weitere Areale geschützt sehen will, dies aber nicht erneut als Einwendung formuliert hat, soll analog verfahren. Für all diese Gebiete "können wir dann ein zweites Verfahren starten", sagte der Landrat. Genauso sieht es auch eine Mehrheit im Umwelt- und Kreisausschuss. Gegen dieses Votum stimmte unter anderem Roderich Zauscher (Grüne): "Der Kreistag schränkt sich dadurch selbst ein", sagte er. Der Bund Naturschutz kritisiert nicht nur die Größe des Schutzgebiets. Moniert wird auch, dass eine bisher noch geschützte Fläche im Hebertshausener Moos nun herausgenommen wird. "Dies führt zu einer Verschlechterung der Luftreinhaltung", sagte Zauscher, der als Kreisvorsitzender dem BN vorsteht. Das fragliche Areal liegt westlich der künftigen Dachauer Ostumgehung und gilt in der Stadt als potenzieller Standort für ein weiteres Gewerbegebiet. Entgegen dem Rat des Naturschutzbeirats stimmte eine Mehrheit der Kreisräte dafür, diese Fläche wie geplant aus dem Landschaftsschutzgebiet auszunehmen.

Zwischen Mückensee und Moosgraben prägen prächtige Bäume das Landschaftsschutzgebiet.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Erfolgreich konnte dagegen die Gemeinde Hebertshausen ihre Interessen durchsetzen. Denn die geplante Erweiterung der geschützten Flächen im Norden des Hebertshausener Mooses grenzt direkt an die geplante Trasse für eine Südumgehung der Ortschaft. Weil die Streckenführung dieser Umgehungsstraße noch nicht feststeht, soll nach dem Willen der Gemeinde der gesamte Trassenverlauf nicht hinein ins Landschaftsschutzgebiet. Dieser Forderung folgten die Kreisräte nicht. Allerdings wird in die Satzung ein Passus aufgenommen, der schon vorab die künftige Südumfahrung von Hebertshausen von den Schutzvorschriften ausnimmt. Diese Befreiung wurde mehrheitlich beschlossen, auch wenn der Naturschutzbeirat, der als Gremium von Experten die Kreisverwaltung berät, dies nicht befürwortet hatte. "Nun kann man die Trasse führen, wo man möchte", betonte Landrat Löwl.

Auch zu den neuen, strengeren Regeln, die in einigen der neuen Schutzzonen erstmals gelten sollen, gab es Rückmeldungen. So missfällt einer Interessensgemeinschaft von Modellfliegern und dem Luftsport-Verband Bayern, dass Modellfliegen im Krenmoos untersagt ist. Trotz der Kritik bleibt es beim Verbot. Bürger, die aktuell ihre Drohnen oder Modelle auf einem Bolzplatz am Feldmochinger Weg in Karlsfeld steigen lassen, könnten auf zugelassene Plätze wie den des Modellfliegerclubs Dachau ausweichen, finden die Kreisräte. Noch eine weitere neue Regelung wird eingeführt: In zwei Kernzonen im Krenmoos dürfen zur Vogelbrutzeit Hunde nicht frei laufen. Beide Regeln, das Verbot von Modellflugzeugen wie auch von frei laufenden Hunden von Anfang März bis Ende Juli sollten auf alle neuen Schutzgebiete ausgedehnt werden, fordert der Bund Naturschutz. Damit würden vor allem die überall vorkommenden Wiesenbrüter besser geschützt. Auch dieser Vorschlag wurde im Gremium abgelehnt. Der Artenschutz würde zwar profitieren, aber das neue Anleingebot allein in den beiden Kernzonen durchzusetzen, werde schwierig genug, erklärte Landrat Löwl. Denn leider würden sich nicht alle Bürger an Vorgaben halten, das zeige die Erfahrung am Karlsfelder See. "Wir müssen erst schauen, wie es klappt."

Das Krenmoos auf Karlsfelder Gemeindeflur gehört künftig zum neuen Landschaftsschutzgebiet. Hunde dürfen zur Vogelbrutzeit dort nicht frei laufen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Als einzige konkrete Änderung wurden je ein bereits bebautes Grundstück in Dachau und Karlsfeld auf Antrag der Eigentümer aus dem Landschaftsschutzgebiet ausgenommen. Die Entscheidungen von Umwelt- und Kreisausschuss muss der Kreistag noch bestätigen. Dann wird die notwendige Verordnung erlassen, um das erweiterte Landschaftsschutzgebiet unter Schutz zu stellen.