Theaterstück über Adele Spitzeder "Es macht riesigen Spaß, in diese Welt einzutauchen"

Können diese Augen lügen? Veronika Müller spielt eine Frau, die weiß, wie man andere charmant und äußerst gewinnbringend um den Finger wickelt.

(Foto: Privat)

Veronika Holzmüller schlüpft in der neuen Produktion der Theatergruppe Altomünster in die Rolle der Adele Spitzeder

Interview von Dorothea Friedrich, Altomünster

Adele Spitzeder war eine Zockerin, wie sie im Buch steht. Auf ihre Betrugsmasche fielen im 19. Jahrhundert nicht nur unbedarfte kleine Leute herein, auch die Großkopferten standen Schlange, um an den per Schneeballsystem finanzierten vorgeblichen Riesengewinnen zu partizipieren. Schließlich hatte Adele Spitzeder den Anlegern bei der von ihr gegründeten Dachauer Bank zehn Prozent Zinsen pro Monat versprochen. Wolfgang Henkel, Autor und Regisseur der Theatergruppe Altomünster, hat die Gier nach Geld, Ansehen und Macht zum Thema seines jüngsten Stücks gemacht: "Diridari - Ein Spiel ums Geld" heißt es. Am kommenden Samstag, 22. Juni, ist Premiere auf dem Gelände neben dem Kapplerbräusaal. Die Rolle der Adele Spitzeder spielt Veronika Holzmüller.

Frau Holzmüller, was bedeutet es für Sie, in die Rolle der berüchtigten Hochstaplerin zu schlüpfen?

Veronika Holzmüller: Adele Spitzeders Lebensstil war extrem ausschweifend. Sie trieb es sehr bunt in allerlei Hinsicht. Dafür brauchte sie viel Geld. Mit ihren Auftritten als Sängerin und Schauspielerin verdiente sie aber nicht viel. Als sie dann völlig pleite war, hatte sie die Idee, zehn Prozent Zinsen pro Monat an jeden zu zahlen, der Geld bei ihrer Bank anlegte. Mit ihrem Charme und ihren koketten Auftritten wickelte sie alle um den Finger. Aber ihr Motiv war immer die Geldgier. Persönlich kann ich mit dieser Einstellung nicht viel anfangen.

Es fiel Ihnen also schwer, sich mit Ihrer Rolle zu identifizieren?

Ja und nein. Adeles Persönlichkeit ist sehr konträr zu meiner. Mit der Falschheit und dem Betrügen kann ich nur schwer umgehen. Das Kokettieren, jemanden um den Finger zu wickeln, macht aber richtig Spaß. Und das auf der Bühne auszuleben, ist wunderbar.

Ist Gier ein fester Bestandteil des Lebens?

Es hängt, glaube ich, davon ab, wie wir das Leben sehen. Wenn jemand nur Geld in den Fokus rückt, wie es viele Menschen tun, würde ich sagen: ja. Insofern ist die Gier immer und überall zu finden.

Beeinflussen diese Überlegungen Ihren Auftritt als Adele Spitzeder, und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Diese Überlegungen sind sehr wichtig. Sie helfen mir dabei, die Gefühle auf die Bühne zu bringen. Es ist natürlich viel Text, und ich bin sehr dankbar für den Rückhalt in der Familie. Mein Mann fragt beispielsweise den Text ab. Ohne diese Hilfe wäre es sehr schwer. Außerdem ist der Zusammenhalt in der Theatergruppe so groß, dass ich viel Sicherheit und Freiheit für das Schauspielen herausziehen kann.

Haben Sie Lampenfieber?

Der Trick ist, die Nervosität jeden Moment in Spielfreude umzuwandeln. Es ist ja nicht das erste Mal auf der Bühne für mich, aber trotzdem ist es jedes Mal wieder aufregend. Diese Aufgeregtheit spornt mich einfach zusätzlich an, das hilft immens.

Warum sollte man sich "Diridari - Ein Spiel ums Geld" anschauen?

Wir entführen die Zuschauer in die Gründerzeit, in die Spitzeder'sche Welt von Lug und Betrug. Es macht riesigen Spaß, in diese Welt einzutauchen und zuzusehen, wie Adele alle um den Finger wickelt. Zwei weitere Handlungsstränge zeigen das Oberthema Gier von einer ganz anderen Seite. Und natürlich ist die Atmosphäre des Freilichttheaters etwas ganz Besonderes, auch wegen unserer Bewirtung. Das darf man einfach nicht verpassen. Wer einmal da war, der kommt immer wieder.

Premiere am Samstag, 22. Juni. Weitere Vorstellungen am Sonntag 23. Juni, Freitag / Samstag / Sonntag 28. / 29. / 30. Juni, Freitag, 5. Juli, Sonntag, 7. Juli und am Samstag, 30. Juli. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, Einlass von 18.30 Uhr an.