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Altomünster:Mutter stirbt, Sohn überlebt

Ein 33-jähriger Kolonnenspringer rast in den Gegenverkehr und kollidiert frontal mit dem Wagen einer 44-Jährigen. Die Frau aus Tandern wird im Autowrack eingeklemmt. Der Zwölfjährige kann sich schwer verletzt befreien.

Der zwölfjährige Junge, der am Mittwochabend bei einem Verkehrsunfall zwischen Altomünster und Pipinsried schwer verletzt worden ist, ist außer Lebensgefahr. Das hat der Pressesprecher der Dachauer Polizei, Werner Kretz, am Donnerstagvormittag mitgeteilt. Genauere Angaben zum Gesundheitszustand des Jungen konnte er allerdings nicht machen. Die 44-jährige Mutter, die am Steuer gesessen hatte, war bei der Kollision mit einem Kolonnenspringer tödlich verletzt worden. Die Frau aus Tandern hinterlässt drei Kinder und ihren Ehemann.

Der Unfall ereignete sich gegen 17.30 Uhr auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Altomünster und Pipinsried. Nach Angaben der Polizei wollte ein 33-jähriger Autofahrer von Pipinsried kommend in einer lang gezogenen Rechtskurve zwei Fahrzeuge überholen. Dabei übersah er den entgegenkommenden Wagen der Mutter. Die Autos stießen frontal zusammen und wurden durch den Aufprall in den Straßengraben geschleudert. Der zwölfjährige Junge schaffte es noch, aus dem Auto zu kriechen. Seine schwer verletzte Mutter wurde eingeklemmt und konnte trotz intensiver Bemühungen der Feuerwehr nicht aus dem Autowrack befreit werden. Nach Auskunft von Kreisbrandmeister Maximilian Reimoser erlag sie etwa eine Stunde nach dem Unfall ihren schweren inneren Verletzungen. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte sei die 44-Jährige schon nicht mehr bei Bewusstsein gewesen.

Altomünster

Nur die Reifenspuren und die Kreidemarkierungen zeugen noch von dem schweren Verkehrsunfall, der sich zwischen Pipinsried und Altomünster ereignet hat.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Die Feuerwehr versuchte laut Reimoser, die Mutter mit hydraulischem Rettungsgerät zu befreien. Das stellte sich jedoch als äußerst schwierig heraus. Da das Auto im Frontbereich extrem eingedrückt war, habe es für das hydraulische Rettungsgerät kaum noch Ansatzpunkte gegeben. Die Frau starb bevor sie geborgen werden konnte. Ihr Sohn, der sich aus eigener Kraft aus dem völlig demolierten Auto befreien konnte, wurde schwerst verletzt vom Rettungswagen in eine Münchner Klinik gebracht. Der Unfallverursacher, ein 33-jähriger Mann aus Altomünster, zog sich mittelschwere Verletzungen zu. Auch er wurde in ein Krankenhaus gebracht. Um zu klären, wie es zu dem verheerenden Unfall kommen konnte, wurde ein Gutachter beauftragt.

Erst gegen Mitternacht ziehen die Rettungskräfte ab

Am Unfallort waren neben dem Rettungsdienst die Feuerwehren Altomünster, Hilgertshausen, Pipinsried und Schiltberg im Einsatz sowie ein Kriseninterventionsteam und ein Seelsorger der Feuerwehr. Sie kümmerten sich um die Familie der Verunglückten und sprachen mit den Einsatzkräften. Da aus den beiden stark beschädigten Unfallfahrzeugen Betriebsstoffe in den Boden gelangt waren, wurde auch das Technische Hilfswerk (THW) an die Einsatzstelle beordert. Sie trugen das verunreinigte Erdreich ab. Während der Aufräumarbeiten war die Straße mehrere Stunden lang für den Verkehr gesperrt. Die letzten Einsatzkräfte verließen den Unfallort erst gegen Mitternacht.

Die Feuerwehr versuchte vergeblich, die schwer verletzte Frau aus dem völlig demolierten Autowrack zu befreien.

(Foto: oh)

Polizeisprecher Werner Kretz betonte am Donnerstag, dass das Überholen an der Unfallstelle "eigentlich nicht möglich" sei. Das Kolonnenspringen - also das Überholen mehrerer Fahrzeuge - sei zudem brandgefährlich und könne, wie im vorliegenden Fall, tödlich enden. Mit solchen gefährlichen Überholmanövern lasse sich auch kaum Zeit sparen, mahnt Kretz. "Die ganze Kolonne kann man in der Regel sowieso nicht überholen."

© SZ vom 20.11.2015/gsl
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