Altomünster:Klimaschutz spart Geld

Lesezeit: 2 min

Der Architekt Stefan Gailer rät zur Sanierung statt zum Neubau

Von Horst Kramer, Altomünster

Manchmal müssen Praktiker ran. Auch und gerade, wenn es um Klimaschutz geht. Dieser Eindruck drängte sich zumindest den Teilnehmenden einer Online-Veranstaltung auf, die den Titel trägt: "Energetische Sanierung von Wohngebäuden - Chancen und Möglichkeiten beim Bauen im Bestand". Organisiert wurden Referat wir Diskussion von der Altomünsterer Nachhaltigkeitsgruppe Plan A und der VHS Altomünster.

Die Rolle des Praktikers übernahm der Architekt, Holzbau-Fachingenieur und Energie-Effizienzexperte Stefan Gailer, der sich zudem im Altomünsterer Gemeinderat kommunalpolitisch engagiert. Seine These lautet: Klimaschutz spart Geld. Er zitierte eine aktuelle Studie der bundeseigene Deutsche Energie-Agentur (Dena). Danach lag im Jahr 2019 der Endenergieverbrauch in Deutschland bei 2514 Terawattstunden. Auf den Verkehr entfielen 31 Prozent, auf die Industrie 28 Prozent, dicht gefolgt von den Privathaushalten mit 27 Prozent. Die restlichen 15 Prozent beanspruchten Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Allein 571 Terawattstunden wurden dabei für Wohngebäude aufgewendet, der weitaus größte Teil mit 454 Terawattstunde für die Raumwärme. Erschreckend sei, dass 70 Prozent der Heizungsanlagen laut Dena nicht dem Stand der Technik entsprechen. 65 Prozent der Wohngebäude-Fassaden sind weiterhin ungedämmt, 20 Prozent sind mit veralteten Methoden unzureichend gedämmt. Daran sähe man schon das gewaltige Energie-Einsparpotenzial, das die Sanierung von Wohngebäuden eröffne, so Gailer.

"Die beste Kilowattstunde ist eine nicht verbrauchte", heißt eine alte Klimaschutzregel, "denn sie trägt nicht zum CO₂-Fußabdruck und damit zur Klimaerwärmung bei." Gailer erweiterte die Regel um den Satz: "Sanierung ist besser als Neubau", denn dabei werde die "graue Energie", also diejenige Energie, die schon in den Altbau gesteckt wurde, weiter genutzt. Er räumte mit einigen "Sanierungsirrtümern" auf. Etwa, dass gedämmte Häuser "nicht atmen" könnten. Der Architekt klärte auf: "Wände atmen nicht, weder mit noch ohne Dämmung." Wände trügen auch nichts zum Luftaustausch in Gebäuden bei. Ein zweites Fehlurteil laute: "Sanierungsmaßnahmen fördern Schimmelbildung." Gailer antwortete differenziert: Entscheidend sei eine qualifizierte Planung, sonst könnte es zu Bauschäden kommen; etwa auch beim Einbau von Fenstern, was dann tatsächlich Schimmel befördern kann. Zudem müsse man sein Lüftungsverhalten anpassen, so Gailer. Oder besser noch, eine Lüftungsanlage einbauen. Womit der Bauexperte bei einem weiteren Sanierungsvorurteil gelandet war: "Lüftungsanlagen sind unnütz und unhygienisch." Er rechnete vor: "Ein Drei-Personen-Haushalt verdunstet etwa sechs bis acht Liter Wasser pro Tag." Einen entsprechenden Luftaustausch allein durch Lüften zu organisieren, sei jedoch schwierig, gerade in den kalten und nassen Jahreszeiten. Eine präzise dimensionierte Lüftungsanlage sorge hingegen für ausreichenden Luftaustausch, so Gailer weiter. Wärmerückgewinnungssysteme verringerten sogar den Energieverbrauch.

Energie-Effizienzexperte Gailer kam zum Ende seines Vortrags auch er auf die Vorteile und Nachteile verschiedener Dämmmaterialien zu sprechen. Er erklärte die Fördermöglichkeiten durch die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und das Bundesamt für Wirtschaft und Aufbau. Seine wichtigste Botschaft dabei lautete: "Jede Maßnahme kann im Prinzip einzeln angegangen werden und gefördert werden." Allerdings sei es klug, vorab mit einem Fachmann einen Sanierungsplan zu erstellen, damit man nicht später, eine verputzte Wand neu aufreißen müsse. Der Einsatz eines Energie-Effizienz-Berater wird von der KfW mit einem Fixbetrag unterstützt.

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