Altomünster Kardinal Marx will Kloster Altomünster beistehen

Schwester Apollonia vor den ehemaligen Klosterzellen im Altomünsterer Kloster des Birgittinnen-Ordens.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Nach der Auflösung soll es "im Sinne eines Orts der geistigen Begegnung" neu entstehen.

Von Wolfgang Eitler, Altomünster

Die Erzdiözese München-Freising lässt Altomünster nicht im Stich. Nach der Auflösung soll das Kloster der Heiligen Birgitta "im Sinne eines geistigen Orts der Begegnung" neu entstehen. Diese Vereinbarung haben Kardinal Reinhard Marx und der oberbayerische Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) am Wochenende am Rande einer Veranstaltung der Diözese mündlich getroffen. Mederer sagte der SZ am Montag: "Der Kardinal ist über die Entwicklung in Altomünster sehr erleichtert."

Die Gefühlslage hängt in diesem Fall allein von der Perspektive auf Altomünster ab. Tatsache ist, dass der Orden der Heiligen Birgitta mit einer einzigen Schwester, Priorin Apollonia, nicht mehr existenzfähig ist. Es hätte gelingen müssen, Nachwuchs für den Orden zu gewinnen. Die Voraussetzung für die Aufnahme von Novizinnen wäre eine Gemeinschaft von mindestens drei Schwestern. Vor zwei Jahren bildete sich deswegen eine Gruppe von neun Honoratioren in Altomünster, die sich dem Kloster eng verbunden fühlen; sie nennen sich "Fratres et Sorores ab extra" (Brüder und Schwestern von außerhalb).

Franziskanerin aus Schönbrunn soll Kloster abwickeln

Gemeinsam mit Direktor Jörg Johannes Fehlner versuchten sie, das Kloster neu zu gestalten und beispielsweise für ein Burn-out-Zentrum zu öffnen. Fehlner scheiterte an den Umbaumaßnahmen, für die er über keinerlei Genehmigungen verfügte. Vor zwei Wochen erreichte ihn und Priorin Apollonia ein Dekret des Vatikans, das die Auflösung des Klosters verkündete. Seitdem ist die Franziskanerschwester Gabriele Konrad aus Schönbrunn als Priorin eingesetzt. Sie soll das Kloster per Dekret im Auftrag des Vatikans abwickeln. Der Orden ist direkt Rom unterstellt.

Apotheker Peter Schultes ist einer der Initiatoren der weltlichen Unterstützergruppe der Birgitten. Er sieht keinen Grund, sich von Fehlner zu distanzieren. "Er hat doch nur im Kloster aufgeräumt." Außerdem hätte er sich vom Vatikan die Großzügigkeit gewünscht, den Fratres et Sorores, Priorin Apollonia und Fehlner "drei Jahre Zeit zu geben". Vielleicht, sagt Schultes, "hätten wir es geschafft". Also, doch noch Nachwuchs zu rekrutieren und eine neue Nutzung anzubieten. "Es war kein falscher Weg."

Schultes' vorsichtige Zuversicht, unter Fehlner das Kloster erfolgreich neu zu gestalten, teilt Altbürgermeister Konrad Wagner als Frater nicht mehr. Er sieht sich und die Gemeinschaft vom Klosterdirektor hinters Licht geführt. "Es war schon so, dass wir Fehlner gefragt haben, ob seine Umbauten mit dem Landratsamt abgestimmt sind. Er hat uns dies bestätigt." Tatsächlich aber war das dafür maßgebliche Landesamt für Denkmalpflege nicht einbezogen. Wagner: "Dass da ein Baustopp verhängt wurde, hatten wir nicht gewusst." Das Interview der SZ mit Bezirkstagspräsident Mederer, wonach das Kloster Altomünster gerade im Stil eines Schwarzbaus verändert wird, hatte die Stimmung in der Gemeinde kippen lassen. Noch als die apostolische Kommissarin Gabriele Konrad das Hausrecht ausübte und eine Versammlung in den Räumen des Klosters untersagte, waren viele Altomünsterer empört. Jetzt sagt Wagner: "Das würde ich jetzt nicht mehr so sehen. Nein."

Angeblicher Privatsekretär des Bischofs

Nach dem Eklat in Altomünster erreichten die SZ E-Mails, wonach der Vatikan das Kloster nur schließen wolle, weil Direktor Fehlner angeblich Privatsekretär des seines Bischofsamts in Augsburg enthobenen Walter Mixa gewesen sei. Josef Mederer zitiert aus seinen Notizen vom 7. April 2014. Es war die erste Sitzung, an der er offiziell als Frater teilgenommen hatte. Damals habe Fehlner angekündigt, "dass er sich auf die Priesterweihe vorbereitet". Außerdem arbeite er an einer Studie über den Orden der Heiligen Birgitta. Mederer bezeichnet sich als kritischen Begleiter der Altomünsterer Gemeinschaft und sagt: "Jetzt muss es manchem wie Schuppen von den Augen fallen." Auf die Frage, wie er Fehlners Vorgehensweise einschätzt, sagte er: "Eher in die Richtung, dass wir von ihm missbraucht wurden." Mit "wir" meint er die Laienorganisation.

Mederer hofft nun auf die Diözese und auf die Zusage des Kardinals Reinhard Marx, an einem neuen Konzept für das Klostergebäude mitarbeiten zu wollen. Wagner ist skeptisch, wie es mit der Gemeinschaft der Fratres et Sorores weitergeht. Das maßgebliche Mitglied Peter Schultes hofft darauf, dass die Diözese nach der vollzogenen Auflösung die Bürger in Altomünster einbezieht, die am Kloster hängen: "Die Heilige Birgitta war eine Wegbereiterin der europäischen Idee." Seit dem 15. Jahrhundert beherbergte das Klostergebäude den Orden. Aber er gibt sich als Warner: "Wenn das Kloster geschlossen wird, verliert Altomünster seine Identität. Traurig."