Altomünster:Gut ausgestattete Kinderspielplätze

Altomünster beschließt ein Pilotprojekt mit dem Zweckverband Jugendarbeit

Von Horst Kramer, Altomünster

Weniger ist mehr. So lautet die künftige Strategie der Marktgemeinde Altomünster in Sachen Kinderspielplätze. Wobei das "mehr" für "mehr Abenteuer" steht. Die Spielplatzexperten des Zweckverbands Jugendarbeit aus Haimhausen sollen dabei helfen. Es war Bürgermeister Michael Reiter (FWG), der bei dem sperrigen Tagesordnungspunkt "Ablöse für Kinderspielplätze" die Linie vorgab: "Lieber einige wenige, dafür gut ausgestattete Spielplätze, als viele, um die sich keiner kümmert."

In der neuen bayerischen Bauordnung findet sich ein Paragraf, nach der jeder Bauherr, der mehr als drei Wohneinheiten schafft, verpflichtet ist, einen ausreichend großen Kinderspielplatz anzulegen. Allerdings bietet die Bauordnung den Bauwilligen auch die Möglichkeit, sich mit einer Ausgleichszahlung von dieser Pflicht zu befreien. Für klamme Kommunen bieten die Kinderspielplatz-Gebühren eine durchaus verlockende neue Einnahmequelle: Michael Reiter sprach in der Gemeinderatssitzung zunächst von 6000 Euro Ablösegebühr, später schlug er 7500 Euro für Wohnungen vor, die weniger als 50 Quadratmeter Fläche umfassen, und 10 000 Euro für alle größeren Wohnungen. Bei drei 70-Quadratmeter-Wohnungen kämen auf diese Weise immerhin 30 000 Euro zusammen.

CSU-Fraktionschef Roland Schweiger, ein Bauunternehmer, zeigte sich skeptisch: "Einen guten Spielplatz zu bauen und zu unterhalten, kommt deutlich teurer." Ablösen von 15 000 oder 20 000 Euro wären durchaus gerechtfertigt, so Schweiger. Wenn auch nur theoretisch, praktisch wären solche Beträge "viel zu viel". Zumal sich die Bauherren ihre Ausgaben in der Regel zurückholten. Die Leidtragenden wären also die Käufer und Mieter der Wohnungen. Elisabeth Glas (FWG) bestand daher darauf, dass eine Ablöse nur in Ausnahmefällen zum Tragen kommt. Ähnlich sah es Susanne Köhler (FDP).

Auch der Bürgermeister betonte, dass eine Ablöse nur "in speziellen Situationen" gestattet werden dürfe. Er fügte hinzu: "Die Ablösevereinbarung ist keine Gelddruckmaschine." Doch tatsächlich ist in der Mustervereinbarung, die den Rätinnen und Räten vorlag, keinerlei Einschränkung genannt. Schlussendlich einigte sich das Gremium auf die von Bürgermeister Reiter vorgeschlagenen Beträge.

Zwanzig Minuten später machte der Bürgermeister unter dem Tagesordnungspunkt "Informationen" Nägel mit Köpfen und lieferte einige Inhalte zu seinem eingangs erwähnten "Mehr" nach. Wieder ging es um Spielplätze: Am Freitag dieser Woche fiel nämlich der Startschuss für ein Pilotprojekt, das auf einem idyllischen, gleichwohl vergessenen Spielplatz an der Simon-Hörmann-Straße umgesetzt werden soll. Rund 900 Quadratmeter Fläche umfasst das Areal. Dort stehen derzeit ein rostiges Klettergerüst und ein Schaukelgestänge (ohne Schaukel). Einige Reifen, wohl auch zum Klettern, sind halb in die Erde vergraben. In dem kleinen Sandkasten blühen gelbe Blümchen. Um 17 Uhr traf sich Reiter dort mit dem Haimhausener Zweckverband sowie Kindern und Eltern aus der Umgebung zu einem Vorort-Termin auf dem Spielplatz. Das Ziel: Gemeinsam soll die Anlage renoviert werden.

Der Verband ist in der Marktgemeinde bestens bekannt, er stellt seit rund zehn Jahren die Fachkräfte für die Jugendsozialarbeit an der Altomünsterer Grund- und Mittelschule. Doch auch in Sachen Abenteuerspielplätze kennen sich die Spezialisten des Zweckverband sehr aus. In ihrer Heimatgemeinde haben sie rund ein Dutzend Kinderspielstätten für unterschiedliche Altersgruppen gestaltet. Ihr Erfolgsgeheimnis: Die Kinder und ihre Eltern machen beim Design und der Umsetzung der Anlage mit.

Ein Konzept, das den Altomünsterer Rathauschef offenbar überzeugt hat. "Wir sollten das einfach mal ausprobieren", schlug er seinem Gemeinderat vor. Finanzielle Mittel könnten aus einem Neubaugebiet kommen, das in unmittelbarer Nähe geplant ist. Zudem hat das Rathaus eine Spende von 7000 Euro von einer Privatperson erhalten, die ausdrücklich für die kommunalen Spielplätze gedacht ist. Wenn das Pilotprojekt Erfolg hat, könnten weitere in Kooperation realisierte Spielplätze folgen.

© SZ vom 26.06.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB