Altomünster Kloster soll bis Jahresende aufgelöst werden

Rom drängt auf ein zügiges Verfahren. Unterdessen brodelt die Gerüchteküche, wie es mit dem Kloster weitergeht.

Von Wolfgang Eitler, Altomünster

Die apostolische Beauftragte des Vatikans, die Franziskanerin Gabriele Konrad aus Schönbrunn, rechnet fest damit, dass das Kloster der Birgitten in Altomünster bis Ende des Jahres aufgelöst sein wird. Wie die Generalvikarin der SZ berichtet, drängt die zuständige Kongregation in Rom darauf, das Verfahren sehr zügig zu beenden. Der Birgittenorden ist direkt Rom unterstellt und nicht der Erzdiözese München und Freising.

Haltlose Gerüchte

Schwester Gabriele Konrad will die Inventur des Klosters von den Immobilien bis zu den Kunstschätzen in den nächsten Monaten abschließen. Sie setzt diese Ankündigung gezielt gegen neue Gerüchte aus dem Umfeld der Kritiker der Vatikan-Pläne. Zuletzt wurde kolportiert, dass Brüdermönche der Birgitten aus den Vereinigten Staaten in dem Kloster einziehen wollten. Außerdem sei bereits ein Nachfolger für Schwester Gabriele gefunden worden. Ihm sei die Aufgabe übertragen worden, das Kloster zu leiten und als Ordensstandort zu bewahren.

Die Franziskanerin aus Schönbrunn atmet am Telefon erst mal tief durch und sagt dann: "Ständig erreichen mich solche Gerüchte, die mir die Arbeit erschweren." Sie beteuert: "An ihnen ist nichts dran." Seit dem Auflösungsbeschluss des Vatikans vom Dezember vergangenen Jahres werde sie mit Schreiben konfrontiert, in denen angebliche Unterstützer der früheren Priorin des Klosters gegen Rom und auch gegen ihre Person protestieren. Solche Brandbriefe erreichten sehr viele Würdenträger der katholischen Kirche.

Kloster und Kirche prägen Altomünster. Deshalb wird es entscheidend sein, wem der Vatikan den barocken Gebäudekomplex überträgt.

(Foto: privat)

Anscheinend hören die verzweifelten Versuche nicht auf, das örtliche Kloster zu retten, das seit dem 15. Jahrhundert den kontemplativen Orden der Heiligen Birgitta aus Schweden beherbergt. Der Niedergang des einstmals glanzvollen Klosters war seit langem absehbar. Der Orden hatte keine neuen Eintritte mehr, in den Altomünsterer Mauern lebt nur noch eine einzige Nonne. Anfang Dezember vergangenen Jahres erreichte das Kloster ein Dekret des Vatikans, in dem die Auflösung des Klosters unmissverständlich angeordnet wurde. Gleichzeitig wurde Schwester Gabriele Konrad zur apostolischen Beauftragten ernannt.

Den Personenkreis ihrer Kritiker will sie nicht näher kennzeichnen. Es handle sich um eine Gruppe, die sich als mit Schwester Apollonia befreundet darstelle. Die Nonne ist die letzte Vertreterin des Ordens der Birgitten in Altomünster. Wie Schwester Gabriele weiter betont, komme die Gruppe nicht aus der Gemeinde Altomünster selbst, sondern von außerhalb. Einige von ihnen hätten der Gruppierung "Fratres et Sorores ab extra" (der Brüder und Schwestern von außerhalb) angehört. Diese Vereinigung hatte versucht, das Kloster zu erhalten. Sie war aber Personen aufgesessen, die sich zur Leitung des Klosters aufgeschwungen hatten. Tatsächlich hätten sie es in den Ruin geführt. Die Denkmalschutzbehörde des Dachauer Landratsamts hatte beispielsweise vor rechtlich unzulässigen Eingriffen in die Bausubstanz gewarnt. Darauf reagierte der Vatikan mit seinem Dekret, um das Kloster vor dem "Zugriff Dritter" zu schützen.

Seit Dezember 2015 leitet Schwester Gabriele Konrad das Kloster. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die laufenden Geschäfte abzuwickeln. Gleichzeitig hat sie sich um die ehemalige Priorin Apollonia zu kümmern. Schließlich muss sie gewährleisten, dass das komplette Kloster inventarisiert wird: von den Gebäude, dem Vermögen bis zu der klösterlichen Bibliothek und den sakralen Kunstschätzen. Noch im vergangenen Januar rechnete sie damit, die Aufgabe bis zum Frühjahr bewältigen zu können. Jetzt ist die Leitung in Altomünster mittlerweile ihre Hauptaufgabe geworden. Gleichzeitig verwaltet sie als Generalvikarin den Orden der Franziskanerinnen in Schönbrunn.

Die Apostolische Beauftragte des Vatikans für das Kloster Altomünster: Schwester Gabriele Konrad.

(Foto: Thomas Klinger)

Wie aber schätzt sie die Atmosphäre in Altomünster selbst ein? "Die hat sich gewandelt", sagt sie. Kritische Stimmen seien kaum noch zu vernehmen. "In Bürgermeister Anton Kerle und Pfarrer Michael De Koninck habe ich eine große Hilfe." Die Gemeinde hat ein großes Interesse, in die maßgeblichen Entscheidungen über das Klostergebäude einbezogen zu werden. Denn das Kloster ist das prägende städtebauliche Element der gesamten Marktgemeinde.

Die Birgitten verfügen in ganz Europa nur noch über vier Klöster

Ist schon klar, was nach der Auflösung mit dem Klostergebäude geschehen wird? Konrad gibt sich zurückhaltend. Erst einmal müsse der Vatikan die anvisierte Auflösung vollziehen und in einem zweiten Schritt darlegen, in wessen Zuständigkeit das Kloster übertragen wird. Auch wegen der Altomünsterer Gerüchteküche hatte Reinhard Kardinal Marx von der Erzdiözese München und Freising schon zu Beginn des Jahres zugesagt, dass das Klostergebäude teilweise "im Sinn eines Orts einer geistigen Heimat" erhalten bleiben soll.

Der Ordenszweig der Birgitten, dessen Gründung auf das Jahr 1364 zurückgeht, verfügt nur noch über vier Klöster europaweit: die Abtei Pax Mariae in Vadstena in Schweden, dem Herkunftsland der Ordensgründerin, Maria Refugie in Uden und Maria Hart in Weert in den Niederlanden - und vermutlich nur noch bis Ende des Jahres: Altomünster.