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Altomünster 1919:Revolution im Dachauer Land

Der "Kulturspiegel Altoland" beleuchtet die Zeit nach 1918

Die neueste Ausgabe des Kulturspiegels Altoland (Ausgabe 52) vereint Beiträge, die auf den ersten Blick nicht zusammenzugehören scheinen. So würdigt zum Beispiel Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler das Schaffen und Wirken des Bezirkstagspräsidenten Josef Mederer - ein gebürtiger Altomünsterer - in einer ausführlichen Laudatio. Professor Wilhelm Liebhart wiederum geht in einem spannenden Aufsatz auf die dramatischen Ereignisse der bayerischen Revolution nach dem Ersten Weltkrieg ein samt ihren Auswirkungen im Dachauer Land. So wurde am 25. November - zwei Wochen nach der Ausrufung des "Freistaats Bayern" in München - in Dachau ein "Arbeiter-, Bauern- und Bürgerrat" ausgerufen, initiiert überraschenderweise vom konservativen christlichen Bauernverein. Der Markt Altomünster mit seinen 1400 Einwohnern zählte damals zum Bezirksamt Aichach. Mangels Arbeitern fehlte in Altomünster die "soziale Basis für eine Revolution", zitiert Liebhart seinen Historiker-Kollegen Paul Hoser. Mehr noch: Der Herausgeber der Altomünsterer Zeitung Die Landpost, Albert Vogler, griff den neuen Ministerpräsidenten Kurt Eisner (der am 21. Februar 1919 von einem Adeligen ermordet wurde) und den bekannten Schriftsteller Erich Mühsam (der 1934 im KZ Oranienburg ums Leben kam) mit antisemitischen Beleidigungen an. Am 25. Februar reiste eine 30 Mann starke Gruppe des Dachauer Soldatenrates nach Altomünster, um im Maierbräu einen neuen Bauern- und Arbeiterrat von der Bevölkerung wählen zu lassen. Anschließend machte sich die Soldaten auf die Suche nach Vogler, fanden und verprügelten ihn. Am 7. April rückte eine Dachauer "Rote Armee" nach Altomünster aus und bestimmte den Maurer und Sozialdemokraten Georg Strobl zum neuen Bürgermeister. Eine gute Woche später kam es zur "Schlacht um Dachau" zwischen Regierungstruppen und der "Roten Armee". Die "Roten" siegten, wurden aber schon wenige Tage später von einem Freikorps-Panzerzug im Namen der Berliner Regierung vertrieben. Es folgten die Straßenkämpfe in München, bei der mehr als 1000 Menschen das Leben ließen. Die Revolution fand ihr blutiges Ende.

Weitere Beiträge beschäftigen sich mit 150 Jahren Freiwillige Feuerwehr Altomünster (Anton Mayr) und 100 Jahre Krieger- und Veteranenverein Oberzeitlbach (Robert Butz). Peter Stadler steuert eine schön bebilderte Lebensskizze des bekannten Dachauer Malers Hermann Stockmann (1867 bis 1938) bei. Die Texte werfen Schlaglichter auf die Vergangenheit der Region, die helfen, manche Ereignisse der Gegenwart besser zu verstehen.

Der "Kulturspiegel Altoland" ist im Informationsbüro des Altomünsterer Rathauses kostenlos erhältlich.

© SZ vom 30.01.2019 / kram

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