In großen Lettern steht „Transformation“ auf einem Plakat mit der Ankündigung für ein Wochenende der besonderen Art im alten Metzgerhof in der Dachauer Burgfriedenstraße. Dass sich dort einiges tut, ist aber auch ohne Plakat unübersehbar. Zur Straßenseite hin ist die Hausfassade in eher sanften Tönen auffällig unauffällig bemalt. Im idyllischen Innenhof mit seinem leicht morbiden Charme zieht dagegen eine farbstrotzende Wand alle Blicke auf sich. Adrian Till und einige Kollegen vom Kunstverein Outer Circle sind hier seit Wochen am Werk. Till ist in der Stadt längst kein Unbekannter mehr. Er hat in Dachau schon etlichen Fassaden und einigen Unterführungen ein neues Farb-Outfit verpasst – und damit die sogenannte Kunst am Bau zeitgemäß umgesetzt.
Doch warum widmet er sich dem Alten Metzgerhof? Dieser ist bekanntlich aus Brandschutz- und Sicherheitsgründen derzeit nur noch eingeschränkt nutzbar. „Wir wollen zeigen, dass der Metzgerhof lebt“, sagt Sabine Seeholzer, Vorsitzende des Vereins „Jetzt“, mit hörbarem Nachdruck. „Bis es zu Lösungen kommt, bleiben wir total aktiv.“ Das heißt konkret: Es gibt weiterhin Lesungen, kleine Konzerte, Kunstausstellungen oder gemeinsame Aktionen mit Kooperationspartnern. Aus den Räumen der kleinen Altstadtgalerie sind „Ateliers auf Zeit“ und eine „Galerie auf Zeit“ geworden, in denen der Fokus auf experimenteller Kunst liegt.
Großartige – und unvergessliche – Vernissagen gibt es nicht mehr. Denn die Bestimmungen lauten: maximal 25 Besucherinnen und Besucher. „Da zählen wir nun bei Finissagen halt mit dem Klicker, wie viele Leute in den ersten Stock gehen“, sagt Seeholzer. Gut möglich, dass das Zählgerät auch am kommenden Wochenende zum Einsatz kommt, wenn die spannenden Fassaden-Farbwelten und die „Galerie auf Zeit“ zeigen, wie Transformation geht.
Am kommenden Sonntag gibt es dort neue Arbeiten von Mitgliedern des Künstlerkollektivs Outer Circle zu sehen. Wer gerade auf Einlass warten sollte, kann sich in aller Ruhe die jüngste ausdrucksstarke Fassadenmalerei ansehen. Oder hoffen, dass das schon viel zu lange geschlossene „Gramsci“ zu einer neuen einladenden Lokalität transformiert wird. Doch Sabine Seeholzer und Till sind erst einmal glücklich, dass die Umgestaltung der Straßenfront auch den Nachbarn gefällt. „Wir haben nur positive Reaktionen“, sagt die Jetzt-Vorsitzende. Was auch daran liegt, dass Till die Farben der Nachbargebäude aufgegriffen und in seine eigene Arbeit integriert hat.

Aber warum eine neue Schauseite, wenn doch immer mal wieder Gerüchte von einem möglichen Ende des Metzgerhofs durch die Altstadt wabern? Seeholzer wird energisch: „Wir sind gemeinsam mit der Stadt auf Lösungssuche“, sagt sie mit Betonung auf „gemeinsam“. Wie eine Lösung aussehen könnte, will sie noch nicht sagen. Auch mögliche Alternativ-Standorte kommentiert sie nicht. So bleibt zumindest die Hoffnung, dass dieser Kulturtreffpunkt noch eine ganze Weile bestehen bleibt.
Die Idee zur neuen Straßenfassade kam übrigens während eines Mosaikkurses auf, erzählen Seeholzer und Till. Und, wie beim kooperationsaffinen Verein „Jetzt“ üblich, ging es schnell die Planung. Vor der Umsetzung musste das Gemeinschaftsprojekt jedoch angesichts der aktuellen Beschränkungen im Metzgerhof vom Denkmalschutz genehmigt werden. Ein Maler- und ein Maurermeister hätten die doch ziemlich derangierte Fassade geprüft – und einen Trass-Kalk-Putz vorgegeben, sagen die beiden. Die Vorgaben setzten die Beteiligten vorschriftsmäßig um.
Und die Kosten? „Haben wir aus der Vereinskasse bezahlt“, sagt Seehofer lakonisch. Für Till sind solche Gemeinschaftsaktionen essenziell. Sie schaffen Freiräume, „und dort passiert Kreativität“, sagt er. „Deshalb braucht es diese Zwischenräume, in denen was wachsen kann.“

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Für die Jetzt-Aktiven ist Kreativität unabdingbar. „Schon in unserer Satzung steht, dass wir Kunst, Kultur und Musik fördern und mit anderen Initiativen zusammenarbeiten“, sagt Seehofer. Schließlich sei der Verein aus der „Kult-Tradition“, dem legendären Kultur- und Zeltfestival heraus, von Anfang an diesen Weg gegangen. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal.“ Die Vernetzung mit vielen genre- und generationenübergreifenden Initiativen soll auch weiterhin das bestimmende Element von Jetzt bleiben. „Wer woher kommt, welche Kultur er mitbringt, spielt keine Rolle. Wichtig ist, herauszufinden, wie man miteinander verwachsen kann. Denn Freiheit funktioniert nur im Miteinander“ sagt Till. „Wir machen keine Unterschiede, wir machen Projekte“, fügt Seeholzer hinzu.
„Transformation“, Samstag und Sonntag, 28. und 29. September, im alten Metzgerhof, Burgfriedenstraße 3, in Dachau. Die Vernissage für die neue Fassadengestaltung am Samstag beginnt um 17 Uhr, um 19.30 Uhr ist ein Live Act mit dem Duo Duende geplant. Am Sonntag gibt es von 16 Uhr an in der „Galerie auf Zeit“ eine Ausstellung mit Werken der Outer Circle-Künstler und Musik mit DJ.

