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Allacher Tunnel:Karlsfeld droht der Dauerstau

Schon jetzt merken es die Karlsfelder, wenn die Autobahn überlastet ist, Umleitungen führen immer durch die Gemeinde.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Vom kommenden Jahr an soll der Allacher Tunnel an der A 99 saniert werden, nachts drohen gar Totalsperrungen. Der gesamte Verkehr würde dann durch Karlsfeld fließen. Bürgermeister Stefan Kolbe fürchtet einen "Super-GAU".

Von Christiane Bracht und Anita Naujokat, Karlsfeld

Dauerstau auf der Münchner Straße und nachts Schwerlastverkehr, der durch Karlsfeld donnert auf dem Weg zur Autobahn - für die Anwohner wäre dies ein Horrorszenario. Doch so fern scheint dies nicht zu sein: Vom kommenden Jahr an soll der Allacher Tunnel an der A 99 saniert werden. Während der Bauarbeiten wird er laut Autobahn GmbH des Bundes, Niederlassung Südbayern, nur einseitig befahrbar sein. Nachts soll es auch Totalsperrungen geben. "Das ist der Super-GAU", sagt Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU). Er ist "entsetzt" und aufgebracht. Die Gemeinde habe keinerlei Informationen erhalten, klagt er. Dabei sei sie direkt Betroffene. "Das wundert mich schon."

Die Karlsfelder fürchten, dass die Ausweichrouten über die B 471 und den Mittleren Ring in München, die die Autobahn GmbH im jüngsten Bezirksausschuss in Allach benannt hatten, keineswegs ausreichen, dass sich der Verkehr vielmehr seinen Weg über die B 304 bahnen wird, also die Münchner Straße in Karlsfeld. "Das merken wir schon jetzt, wenn die Autobahn überlastet ist", sagt Kolbe. Auch Verkehrsreferent Bernd Wanka (CSU) ist alarmiert. "Die Umleitungsempfehlung im Navi führt durch Karlsfeld. Denn es sucht den Weg des geringsten Widerstands", so Wanka. In Oberschleißheim gebe es eine Ampel, die den Verkehr herunterregeln soll und lange rot zeige. Dort staue sich der Verkehr schon jetzt oft, erklärt Wanka. In Karlsfeld gebe es dieses Hindernis nicht, deshalb sei dies die schnellere Route. Dass man mit den Betreibern von Navigationssystemen Kulanz aushandeln könne, sei unwahrscheinlich, deshalb sei es um so wichtiger rechtzeitig ein akzeptables Verkehrsleitsystem zu haben. "Es ist wichtig, dass wir unsere Position klar machen", sagt Wanka. Seit er von den Plänen der Autobahn GmbH erfahren hat, hat er alle Hebel in Bewegung gesetzt. "Ich möchte vor der Feinplanung einen Fuß drin haben", sagt er. Denn wenn diese erst abgeschlossen ist, werde sicher nichts mehr verändert, nur weil Karlsfeld damit nicht einverstanden sei.

Im Rathaus ist man nun dabei, Kontakt zu den entsprechenden Behörden aufzunehmen, um im nächsten Umweltausschuss mehr Informationen liefern zu können. Noch wisse man nicht, wie viele Totalsperrungen es nachts geben wird, sagt Wanka. "Es macht ja einen Unterschied, ob es nur eine Hand voll sind, oder ob fünf Jahre lang jede Woche nachts der Schwerlastverkehr durch Karlsfeld fährt." Ihm sei auch nicht klar, warum die Sanierung so "exorbitant lange" dauern soll - "länger als den Farchanter Tunnel neu zu bauen." Dass die Sanierung nötig ist, will der Verkehrsreferent nicht in Abrede stellen. Chloride haben dem mehr als 20 Jahre alten Bauwerk zugesetzt. Im Zuge der Instandsetzung werden die Betriebstechnik erneuert, die Entwässerungsanlagen im Tunnel umgebaut und modernisiert. Die Kabeltrasse müsse aus dem Tunnel heraus oberirdisch auf die Tunneldecke verlegt werden, erklärte Michael Witt von der Autobahn GmbH im Bezirksausschuss in Allach. Dazu brauche es eine Kabelbrücke über die Würm nebst sechs Kabelhäuschen. Auch Die Führung der Beschleunigungsstreifen zum Auffahren müsste geändert werden. Acht Jahre soll die Bauzeit insgesamt betragen. Das Planfeststellungsverfahren läuft bereits. Bis zum 15. März können Einwendungen erhoben werden. Diese Frist will die Gemeinde Karlsfeld auf keinen Fall verpassen. "Wir müssen einen Verkehrsplaner hinzuziehen und sehen, was er uns rät", sagt Wanka. Schließlich rollen jetzt schon jeden Tag 45 000 Fahrzeuge durch die Münchner Straße. Die Verkehrsbelastung der A 99 im Bereich des Allacher Tunnels liegt laut Autobahn GmbH bei durchschnittlich 132 000 Fahrzeugen pro Tag. "Da kann einem nur Himmelangst werden", sagt Kolbe angesichts des Baubeginns im nächsten Jahr.

Eine Bürgerinitiative hat sich auch schon gebildet. Sie fordert ein gemeinsames Konzept für Karlsfeld und Allach; sie nennt sich kurz GKAK. "Die verkehrliche Belastung im nördlichen Allach und westlichen Karlsfeld ist schon jetzt untragbar", sagt Sprecher Lukas Hainer. "Einfach alles ist eng und schwierig." Vor allem für Familien mit Kindern und Senioren sei die Situation sehr problematisch. Es habe auch schon Unfälle gegeben. "Da noch mehr Verkehr durch zu pumpen, ist Wahnsinn", sagt Hainer. Er und seine Mitstreiter fürchten das Schlimmste, wenn zwei Großbauprojekte gleichzeitig in Angriff genommen werden, die nur wenige 100 Meter auseinanderliegen: die Sanierung des Allacher Tunnels und der Bau von circa 230 Wohnungen in der Hirmerei nahe dem Karlsfelder S-Bahnhof. Niemandem sei geholfen, wenn man beides über Jahre aufschieben würde, so Hainer. Aber es müsse eben ein Konzept her, damit der Verkehr nicht alles "platt walzt". Die Initiative sucht unter www.gkak.de nicht nur Mitstreiter, sie will sich auch aktiv um Lösungen bemühen.

© SZ vom 16.02.2021/van
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