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Akzeptable Lösung:Nadelöhr umgangen

Bislang nur Stückwerk ist der Radweg nach Glonnbercha. Das soll sich nun ändern.

(Foto: Toni Heigl)

Fußweg für Glonnbercha soll von Radweg abgekoppelt werden

Von Horst Kramer, Petershausen

Dem Petershausener Gemeinderat könnte auf seiner jüngsten Sitzung die sprichwörtliche Quadratur des Kreises gelungen sein. Nur dass der Kreis in diesem Fall eigentlich ein Nadelöhr ist: die Durchgangsstraße durch den Ortsteil Glonnbercha, der dringend eine Gehweg- und Radweg-Anbindung zum Hauptort benötigt. Es war Hans Scherer (FW), der die entscheidende Idee in die Diskussion einbrachte: "Ist es nicht möglich, aus dem Gehweg und Radweg zwei Vorhaben zu machen?" Eine Gehweg könnte dann entlang der Freisinger Straße mitten durch den Ort führen, ein separater Radweg Glonnbercha im Nordwesten an Petershausen anbinden. Eine clevere Lösung für eines der Grundprobleme der Ortsdurchfahrt: Die Freisinger Straße ist mit 4,70 Meter sehr eng, einige Gebäude stehen zudem schon jetzt sehr nah am Straßenrand - ein Nadelöhr.

Das klingt zunächst nach einem rein lokalen Problem, doch tatsächlich betrifft es zahlreiche Verkehrsteilnehmer aus dem nördlichen und westlichen Landkreis. Denn bei der Durchgangsstraße durch Glonnbercha handelt es sich um die Staatsstraße 2054, eine Hauptverbindungsader zur A9-Autobahnauffahrt bei Allershausen. Die Problematik der Staatsstraße ist seit vielen Jahren bekannt: Sie ist eng, kurvig, wellig und gefährlich. Für Autofahrer, und ganz besonders für Radfahrer, aber vor allem für die Einwohner von Glonnbercha. Es grenzte im vergangenen Jahr schon an ein Wunder, dass eine lokale Bürgerinitiative den Freistaat (mit politischer Unterstützung) dazu bewegen konnte, die Sanierung der Staatsstraße in ihre Planungen aufzunehmen und mit einem Geh- und Radweg auszustatten.

Die Rollenverteilung bei derartigen Projekten ist klar: Der Staat finanziert den Bau der Straße sowie des Geh- und Radwegs, die Kommune muss sich um eventuell nötige Flächen kümmern. Für den Abschnitt zwischen Petershausen und Glonnbercha verliefen die Gespräche von Bürgermeister Marcel Fath (FW) mit den Eigentümern bisher wohl erfolgreich. Doch innerhalb von Glonnbercha lehnten drei Anlieger den Verkauf eines Grundstückstreifens ab, was wenig überraschend ist angesichts der schmalen Straße. Die Sollbreite einer Staatsstraße liegt laut Fath bei 6,50 Meter. Die Straßenverkehrsordnung schreibt für einen gemeinsamen Geh- und Radweg eine Mindestbreite von 2,50 Meter innerhalb eines Ortes vor; bei Gehwegen zeigt sich der Gesetzgeber flexibler. In der Fachliteratur finden sich Empfehlungen von rund zwei Metern, je nach der örtlichen Situation.

Die Petershausener Rätinnen und Räte zerbrachen sich fast eine Stunde ihre Köpfe über eine akzeptable Lösung für Glonnbercha. Wolfgang Stadler (SPD) und Ernst Nold (FW) erinnerten an verschiedene Ortstermine für eine "Radler-Nordumfahrung". Günter Fuchs (CSU) kritisierte den Ansatz: "Eine Umfahrung bringt Nullkommanull Sicherheit im Ort." Jürgen Junghans (FDP) brachte eine Brücke über die Glonn auf Höhe der Kläranlage ins Spiel - der Fuß- und Radweg in den Ort oder auch zur Sportanlage könnte auf diese Weise kürzer ausfallen.

Fath, Fuchs und Hildegard Weßner (CSU) plädierten für weitere Gespräche mit der Dorfgemeinschaft, die Diskussion drehte sich im Kreis. Bis sich Scherer zu Wort meldete und für eine Trennung der Projekte Gehweg und Radweg warb. Den Charme seiner Idee überzeugte nicht alle auf Anhieb. Zumal auch für einen Bürgersteig Flächen benötigt werden.

Zu guter Letzt beauftragte das Gremium die Verwaltung einstimmig, drei konkrete Umsetzungsmöglichkeiten weiter zu prüfen: zum einen eine reine Gehweg-Lösung für Glonnbercha, zum zweiten eine Geh- und Radweg-Verbindung nach Petershausen mittels einer Brücke beim Klärwerk und zum dritten einen optionalen "Radring" rund um Glonnbercha. Denn das eigentliche Ziel der Petershausener Politiker wie der Einwohner Glonnberchas lautet: eine durchgängige Rad- und Gehweg von Petershausen bis nach Hohenkammer.

© SZ vom 31.10.2020
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