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Aktion am Dachauer Klinikum:Mitten ins Herz

Etwa 300 Menschen informieren sich am "Tag der Wiederbelebung" im Helios Amper-Klinikum über Aufbau und Funktion des lebenswichtigen Organs. Die Ärzte versuchen, den Besuchern Berührungsängste zu nehmen, damit diese im Notfall wissen, wie sie Leben retten können

Ein weißer Raum. Im Halbdunkel stehen viele Personen dicht um moderne Untersuchungsgeräte gedrängt. Ihre Blicke richten sich auf einen Monitor, der jede Bewegung eines Katheters abbildet, den der Arzt am OP-Tisch durch Drehbewegungen immer weiter durch die Gefäße bis ins Herz hinein navigiert. Axel Strehle, Oberarzt der Kardiologie am Dachauer Helios Amper-Klinikum, operiert heute zu Vorführungszwecken an einer Plastikpuppe. Er zeigt den Zuschauern die modernen Bildgebungsverfahren und Behandlungsmethoden der Herzmedizin.

Helios Amper Klinik

Oberarzt Axel Strehle operiert zu Vorführungszwecken an einer Plastikpuppe.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die meisten Menschen sehen ein Herzkatheterlabor vermutlich nur von innen, wenn sie selbst gerade auf dem OP-Tisch liegen. Nicht so am Aktionstag rund um die Themen Herz und Wiederbelebung, zu dem das Helios Amper-Klinikum geladen hat. Dieser findet im Rahmen der bundesweiten Initiative "Woche der Wiederbelebung" statt. An diesem Tag erklären Experten den Besuchern die Grundlagen der Reanimation und beantworten alle Fragen rund ums Herz. "Wir wollen im Rahmen der Woche der Wiederbelebung das Herz zugänglicher für die Menschen machen," sagt Bernhard Witzenbichler, Chefarzt der Kardiologie und Pneumologie.

Zugänglich wird es im wahrsten Sinne des Wortes dank eines 2,05 Meter hohen, 2,32 Meter breiten und 3,68 Meter langen Herzmodells, das an diesem Tag im Foyer des Krankenhauses aufgestellt ist. Anhand dessen erklären Axel Strehle und seine Kardiologie-Kollegen, wie das menschliche Herz aufgebaut ist und funktioniert, aber auch, was passiert, wenn es aufhört zu schlagen.

Tritt bei einem Menschen ein Herzstillstand ein, muss diese Person unverzüglich reanimiert werden. Nur wenige Minuten entscheiden über Leben und Tod. Zehn Prozent des Gehirns würden pro Minute ohne Sauerstoff absterben, sagt René Körner. Er ist Gesundheits- und Krankenpfleger in der Nothilfe des Dachauer Klinikums und Rettungssanitäter beim Roten Kreuz. An diesem Vormittag bereitet er Besucher mithilfe von Übungspuppen darauf vor, im Notfall einfache Sofortmaßnahmen durchzuführen. "Viele Laien fürchten, etwas falsch zu machen, wenn sie Erste Hilfe leisten müssen", sagt Bernhard Witzenbichler. Deswegen sei es so wichtig, den Menschen im Rahmen eines solchen Aktionstags die Berührungsängste zu nehmen und sie in den Grundlagen der Reanimation zu schulen.

Helios Amper Klinik

Chefarzt Bernhard Witzenbichler erläutert im Herzmodell den Aufbau des Organs.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Besucher erfahren von Oberarzt Alexander von Freyburg, dem Leiter der Nothilfe, von Körner und den anderen Experten was zu tun ist, wenn beispielsweise in der S-Bahn jemand zusammenbricht: Stellt man fest, dass die Person bewusstlos ist, ruft man umgehend andere Personen, sofern sich welche in der Nähe befinden, zur Hilfe und kontaktiert den Rettungsdienst über die Leitstelle unter der Nummer 112. Wenn ein Herzstillstand vorliegt und reanimiert werden muss, bleibt der Disponent oft in der Leitung, um den Ersthelfer anzuleiten und erklärend zu unterstützen bis der Rettungsdienst eintrifft. "Telefonreanimation rettet viele Leben," sagt Körner.

Um eine Herzdruckmassage durchzuführen, erklärt er, setzt man mit beiden Händen in der Mitte des Brustkorbs am Brustbein an und drückt von oben im 90-Grad-Winkel mit einem Rhythmus von 100 bis 120 Schlägen pro Minute. Der Song "Stayin' Alive" von den Bee Gees gibt genau den richtigen Takt vor. Das üben die Besucher des Aktionstages - unter ihnen sind auch viele Schulklassen - gleich an den Übungspuppen.

Ist der Rettungsdienst bei einem Notfall eingetroffen, werden Patienten mit einem Herzinfarkt direkt ins Herzkatheterlabor eingeliefert. Dort wurden im Helios Amper-Klinikum Dachau im Jahr 2018 rund 400 Herzinfarkte behandelt. Strehle demonstriert, wie Ärzte bei entsprechender Diagnose zur Behebung einer Gefäßverengung im Herzen verfahren. Er zeigt ein Metallröhrchen, einen sogenannten Stent in die Runde: "Der Stent sitzt wie ein zusammengefalteter Maschendraht auf diesem Ballon," sagt Strehle. "Durch den Katheter können wir den Stent bis ins Herz schicken. Wenn der Stent an der richtigen Stelle angelangt ist, wird er aufgedrückt bis er an der Gefäßwand sitzt, wo er dann festwächst."

Rund 300 Besucher sind zum Tag der Wiederbelebung ins Amper-Klinikum gekommen. Das Interesse am Aktionstag sei sehr groß, so Witzenbichler, gerade weil koronale Herzerkrankungen, bei denen durch Verengung der Herzkranzgefäße Herzinfarkte entstehen können, eine Volkskrankheit seien. Mit bis zu 100 000 Fällen pro Jahr zählt der plötzliche Herztod zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Klinikgeschäftsführer Gerd Koslowski sagt: "Ich freue mich sehr, dass so viele Menschen gekommen sind, um sich über das Herz und das wichtige Thema Wiederbelebung zu informieren."

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