Süddeutsche Zeitung

Akkubrand im Landkreis Dachau:Kühlen, kühlen, kühlen

Akkubrände in Elektroautos stellen die Feuerwehren vor neue Herausforderungen. Denn Batterien entzünden sich auch nach dem Löschen wieder. Kreisbrandrat Bründler sieht die Einsatzkräfte aber gut vorbereitet

Grelle Flammen züngeln aus dem Inneren gen Himmel, dicker, schwarzer Rauch quillt unter der Motorhaube hervor: Während die meisten Bürger brennende Autos nur von der Leinwand kennen, werden die Einsatzkräfte der Feuerwehr auch im Landkreis immer wieder zum Löschen von Fahrzeugen gerufen. Normalerweise ist das Spektakel nach weniger als einer halben Stunde vorbei - nicht so aber, wenn das Fahrzeug einen Elektroantrieb hat, wie der Einsatz der Feuerwehr Hebertshausen Ende Januar zeigte. Rund eineinhalb Stunden dauerten die Löscharbeiten an.

Das Löschen von E-Autos oder Hybridfahrzeugen ist für die Feuerwehren im Landkreis eine neue, bisher unbekannte Herausforderung. Der Einsatz in Hebertshausen, bei dem ein nachts an eine Ladesäule angeschlossenes Hybridfahrzeug vermutlich durch einen technischen Defekt in Flammen aufging, war der bisher erste Brand eines elektronisch betriebenen Fahrzeugs im Landkreis. Dabei gibt es einige Besonderheiten zu beachten: Anders als bei Autos mit Verbrennungsmotoren, bei denen im Normalfall der gesamte Treibstoff auf einmal verbrennt, gibt es zwischen den einzelnen Zellen im Inneren der Akkus der Elektrofahrzeuge Kettenreaktionen. Diese führen dann dazu, dass der Brand über viele Stunden andauern kann. "Es kann eigentlich nicht gelöscht werden, sondern nur gekühlt", weiß der erste Kommandant der Feuerwehr Hebertshausen, Matthias Reinhart. Die Kühlung verhindere dann ein weiteres Durchzünden.

In extremen Fällen kann es sogar nötig sein, dass komplette Fahrzeug in eine Art Wasserbad zu stellen, um Kühlung zu gewährleisten - auch wenn nach außen hin eigentlich kein Brand mehr sichtbar ist. So berichtet Reinhart, dass in Hebertshausen bei jenem Einsatz auch die Werksfeuerwehr von BMW zur Stelle war - nicht um zu löschen, sondern um vorsorglich einen solchen Wasserbehälter zur Verfügung zu stellen. Dieser wurde dann aber lediglich zum Abtransport des ausgebrannten Fahrzeugs verwendet, dass nun auf die Brandursache untersucht wird.

Erschwerend kommt beim Brand von E-Autos hinzu, dass die Akkus meist sehr tief im Fahrzeug verbaut sind, um bei einem Unfall nicht beschädigt zu werden. Im Brandfall hat das allerdings den Nachteil, dass sie sehr schwer zugänglich sind. "Hier können wir nicht einfach die Motorhaube oder den Kofferraum aufmachen", erklärt Wolfgang Reichelt, Sprecher der Feuerwehr Dachau. Um den Brand eines E-Autos zu löschen, brauche man also sehr viel Wasser, während bei anderen Fahrzeugbränden ein spezieller Löschschaum verwendet wird, der dem Feuer den Sauerstoff entzieht.

Ob der neuen Herausforderung sieht Kreisbrandrat und Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Franz Bründler die Einsatzkräfte im Landkreis gut vorbereitet: Alle hätten die Möglichkeit bekommen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen zum Beispiel bei Tagesseminaren in den Landesfeuerwehrschulen. Reichelt von der Dachauer Feuerwehr bestätigt, dass man "theoretisch bestens vorbereitet" sei, gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass es wohlbekannt einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis gebe. Generell glaubt er aber, dass auch ein solcher Löscheinsatz nicht weiter besonders sei und jedenfalls kein Grund zur Sorge bestehe. Auch Kommandant Reinhart aus Hebertshausen ist zufrieden mit seiner Truppe, die den ersten Einsatz dieser Art gut geschafft habe. Zwar sei die Situation ungewohnt und "gefühlstechnisch schon anders" gewesen, das sei aber vor allem der Einsatzdauer geschuldet gewesen.

Dass der Brand eines Elektroautos gefährlicher sei oder häufiger vorkomme, ist laut allen drei Experten nicht richtig. Durch die steigenden Zulassungszahlen sei es aber natürlich rein statistisch bedingt, dass Fahrzeuge - also auch E-Autos - häufiger brennen. So waren vor 20 Jahren im Landkreis noch 87 000 Fahrzeuge zugelassen, heute sind es etwas mehr als 131 000. In Relation dazu sei die Zahl der Fahrzeugbrände in etwa gleichbleibend, erklärt Reichelt.

Unabhängig davon, ob nun ein Auto mit Verbrennungsmotor oder elektrischem Antrieb in Flammen aufgeht, sei die Intensität eines Fahrzeugbrands generell gestiegen, sagt Kreisbrandrat Bründler. Das liege vor allem daran, dass in modernen Autos durch die großen Mengen von verbautem Plastik und anderen synthetischen Stoffen viel mehr Energie freigesetzt werden könne als in den älteren, schlichter ausgestatteten Modellen. Das weiß auch Reichelt, der seit rund 30 Jahren selbst als Feuerwehrmann im Einsatz ist: "Die ganze Isolierung, Dämmung und Polsterung entfacht das Feuer zusätzlich und es gibt viel mehr Rauch."

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SZ vom 13.02.2020
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