Vor LandtagswahlenGedenkstättendirektor kritisiert AfD scharf

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Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten, wirft der AfD vor, „die dunklen Seiten unserer Geschichte“ zu relativieren.
Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten, wirft der AfD vor, „die dunklen Seiten unserer Geschichte“ zu relativieren.
Foto: Catherina Hess

Die AfD fordert eine neue deutsche Erinnerungskultur und spricht vom „Schuldkomplex“. Gedenkstätten und Erinnerungsorte halten dagegen – mit einer Kampagne in den sozialen Medien.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

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Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, der AfD vorgeworfen, mit ihrer Geschichtspolitik den Terror des Nationalsozialismus kleinzureden. Die AfD-Fraktion im Bundestag hatte in einem Antrag eine Neuausrichtung der deutschen Erinnerungskultur gefordert. Die Gedenkstättenkonzeption des Bundes richtet den Blick nach Ansicht der AfD zu stark auf die Zeit des Nationalsozialismus und der DDR. Stattdessen sollten „wieder die vielen guten Seiten der deutschen Geschichte, von Otto dem Großen bis zur Wiedervereinigung, in den Vordergrund“ rücken, heißt es in dem Antrag.

Freller kritisiert die AfD scharf: Sie relativiere „die dunklen Seiten unserer Geschichte“ und wolle die Erinnerungskultur schwächen. Gerade vor dem Hintergrund aktueller politischer Entwicklungen und des Erstarkens demokratiefeindlicher Kräfte im Land sei „die Auseinandersetzung mit Diktatur, Ausgrenzung, Verfolgung und Massenmord von besonderer Bedeutung“, so Freller. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Arbeit der KZ-Gedenkstätten. Sie seien ein wichtiger Bestandteil einer offenen und demokratischen Gesellschaft.

Unterdessen haben rund 100 Gedenkstätten, Erinnerungsorte, Museen und Dokumentationszentren mit Beiträgen in sozialen Medien vor der Gefahr rechtsextremer Geschichtserzählungen gewarnt. Auch die KZ-Gedenkstätte Dachau beteiligt sich an der Kampagne. Damit reagieren die Einrichtungen auf ihre Beobachtung, „dass die Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen zunehmend infrage gestellt wird“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. „Nationalistische Geschichtsmythen und völkische Ideologien verbreiten sich schnell, nicht zuletzt unter Jugendlichen.“

Dem entgegen wirken wollen die Gedenkstätten vor den anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin mit Beiträgen auf Instagram, Facebook und Bluesky unter dem Hashtag „#demokratierelevant“. Die sprachlich zugespitzten Posts sollen die Bedeutung einer kritisch-reflektieren Erinnerungskultur sowie die Arbeit der Gedenkstätten verdeutlichen. „Kritische Erinnerung ist gefährlich ... “, heißt es in einem Beitrag, „ ... für alle, die an einen Schuldkomplex glauben. Gedenkstätten dokumentieren, was geschehen ist. Mit Quellen, Orten und Biografien“.

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Initiiert haben die Kampagne die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und das Netzwerk Digital History und Memory. Rechtsextreme Gegner der Erinnerungskultur seien in den sozialen Medien „unglaublich aktiv und präsent“, so Arne Jost und Nicole Steng, die Sprecher des Netzwerkes. Daher gehe man mit der Kampagne genau dorthin, „um für unsere Arbeit einzustehen“.

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