Ärger bei der Feuerwehr Mehr Geld für Fehlalarme

Einsätze wegen echter Brände sind selten. Auch auf diesem Bild ist nur eine Übung zu sehen, welche die Freiwillige Feuerwehr Karlsfeld organisiert hatte. Schläuche, Schutzanzüge und Atemschutzgeräte sind immer dabei - werden aber oft nicht gebraucht. Die Verursacher zahlen 400 Euro pro Einsatz.

(Foto: Feuerwehr Karlsfeld)

58 Mal musste die Karlsfelder Feuerwehr 2018 umsonst ausrücken, weil Rauchmelder wegen Lappalien auslösten. Nun fordern die Freiwilligen höhere Gebühren. Oft müssten die Geräte nur besser eingestellt werden

Von Christiane Bracht, Karlsfeld/Dachau

Die Feuerwehr Karlsfeld ist entnervt. 60 Mal wurden die Freiwilligen im vergangenen Jahr alarmiert, weil eine Brandmeldeanlage bei der Leitstelle in Fürstenfeldbruck anschlug. In 58 Fällen war es ein Fehlalarm. Hinzukamen 39 Einsätze dieser Art in Dachau, davon allein zehn Fehlalarme im Krankenhaus. Zehnmal piepste bei Privatleuten der Rauchmelder. Immer rückten die Karlsfelder in voller Montur aus, fast jedes Mal umsonst.

"Das ist frustrierend", sagt Kommandant Michael Peschke. Besonders wenn es so laufe, wie neulich nachts: 20 Helfer springen um zwei Uhr aus den Betten in den Löschzug. Dann sei man durch die Straßen geirrt, weil man den Einsatzort nicht finden konnte. "Auf einem Balkon haben wir dann einen piepsenden Rauchmelder entdeckt", berichtet Peschke. Der durchdringende Ton habe den Besitzer beim Schlafen gestört, deshalb verbannte er ihn einfach nach draußen. Der Nachbar rief schließlich die Feuerwehr. "Da kann man sich vorstellen, wie das bei der Truppe ankommt", sagt Peschke.

Aber es sind nicht nur Privatleute, welche die Feuerwehrler aufregen. "Es gibt auch Betriebe, bei denen um Punkt 15 Uhr die Sonne blöd reinblendet, sodass Alarm ausgelöst wird", klagt der Kommandant. "Ein Umbau würde viel Geld kosten, da ist die Feuerwehr billiger", schimpft er. Damit die Firmen ihre Brandmeldeanlagen nicht mehr stiefmütterlich behandeln, hat er nun eine höhere Aufwandsentschädigung gefordert. Doch die Gemeinderäte hatten Hemmungen, besonders von Privatleuten noch mehr Geld zu verlangen. Derzeit kostet ein Einsatz mit Löschzug und Drehleiter beim ersten Fehlalarm 400 Euro, beim zweiten 600. Die Verwaltung schlägt nun 800 Euro vor. Es ist das Maximum, was der Gemeindetag für eine Kommune von Karlsfelds Größe empfiehlt. "Wir wollten eigentlich 1000 Euro haben", sagt Peschke. Die vielen Fehlalarme rüttelten an der Motivation der Truppe. Die ersten überlegten schon, ob sie ihren Arbeitsplatz überhaupt noch verlassen. Dabei sei die Personaldecke untertags ohnehin schon dünn. Dachau und Karlsfeld haben sich bereits zusammengeschlossen, um im Notfall gut gerüstet zu sein. In Dachau werden nun auch Hauptamtliche eingesetzt, damit die Feuerwache rund um die Uhr besetzt ist.

Mit der höheren Aufwandsentschädigung hoffen die Feuerwehrler, vor allem Firmeninhaber zu motivieren, ihre Anlagen zu optimieren oder im Falle von Bauarbeiten, sich besser zu organisieren. "Wir sind vergangenes Jahr mindestens fünfmal ins Krankenhaus gefahren, weil Staub den Alarm ausgelöst hat", sagt Peschke. Dabei wäre es leicht gewesen, die Brandmeldeanlagen bei Bauarbeiten abzuschalten. Besonders ärgerlich ist, dass für Krankenhäuser, Altenheime und Hotels jeweils zwei Drehleitern, zwei Löschzüge und zwei Führungsfahrzeuge anrücken müssen - also die doppelte Mannschaft.

"Ja, da kochen die Emotionen hoch", sagt der Dachauer Kommandant Thomas Hüller. Auch seine Truppe ist im vergangenen Jahr 120 Mal wegen eines Brandalarms ausgerückt. Nur zwei große Feuer mussten sie bekämpfen, eines in einem Entsorgungsbetrieb und einen Zimmerbrand im Altenheim. "Die Zahl der Alarme steigt, weil immer mehr Anlagen da sind", erklärt Maximilian Reimoser, Sprecher der Kreisbrandinspektion. "Aber das ist auch gut so", sagt Hüller. Meistens lösten die Anlagen zurecht ein Signal aus, technische Defekte wegen mangelnder Wartung seien eher selten. Oft sei es Wasserdampf aus der Dusche, angebranntes Essen oder Staub. Man müsse in Kauf nehmen, dass man ein paar mal umsonst fahre.

Es gebe schließlich Fälle, in denen der Rauchmelder Schlimmeres verhindert habe. Etwa bei einem Kellerbrand, den das Gerät im Treppenhaus aufspürte, bevor irgendjemand etwas bemerkt hatte. Oder die alte Frau, die das Essen anbrennen ließ, weil sie eingeschlafen war. "Rauchmelder haben bisher mehr geholfen, als geschadet." Davon ist Hüller überzeugt. "Gerade nachts, wenn die Wahrnehmung der Geruchszellen nicht so ist wie untertags. Wir wachen nicht auf, wenn es verbrannt riecht." Auch Reimoser sagt: "Der Brandschutz hat große Vorteile, gerade um große Schäden zu verhindern." Hüller sieht es als eine seiner wichtigsten Aufgaben als Kommandant an, seine Mannschaft trotz der vielen Fehlalarme immer wieder zu motivieren. "Wir werden diese Entwicklung nicht aufhalten können, denn wir werden immer städtischer", sagt er.

Von 2500 Feuerwehreinsätzen im Landkreis geschehen mehr als 500 allein in Dachau. Vor allem die Brandalarme werden offenbar fast alle in Dachau und Karlsfeld ausgelöst. Nur 16 Mal wurden die Markt Indersdorfer Feuerwehrler 2018 zu einem derartigen Einsatz gerufen. "Wir sind immer dabei, wenn es im nördlichen Landkreis brennt", sagt Kommandant Thomas Burgmair. Auch die Feldgedinger Wehr musste etwa 15 Mal ausrücken. "Am Anfang, als die Brandmeldeanlagen neu waren, war es schlimm", berichtet Kommandant Tobias Westenrieder. Seine Wehr ist für das Gewerbegebiet Gada zuständig. Bei einigen Firmen hätten sie "andauernd" vorbeifahren müssen, etwa weil der Brandmelder in der Küche montiert war oder falsche Kontakte führten zum Fehlalarm. Doch inzwischen habe sich das eingependelt, sagt Westenrieder.

In Dachau zahlen die Verursacher von Fehlalarmen derzeit genauso viel wie in Karlsfeld. Die Markt Indersdorfer fordern 500 Euro, in Bergkirchen bekommt jede Truppe 300 Euro. Auf dem Land summiert sich der Einsatz allerdings, denn dort rücken immer mehrere Feuerwehren aus.

Ob in Karlsfeld die Aufwandsentschädigung angehoben wird, soll nun der Gemeinderat entscheiden. Man will sich erkundigen, ob unterschiedliche Preise verlangt werden dürfen, je nach dem ob Private oder Firmen den Alarm ausgelöst haben.