Abitur 2021:"Anspruchsvoll aber nicht unfair"

Übergabe der Abiturzeugnisse

Grob gesagt, kann man zu guten Noten zwei Meinungen haben. Entweder: Ist doch toll, so verdient. Oder: Man gönnt es den jungen Leuten. Aber was ist eine Eins vor dem Komma noch wert, wenn fast jeder Zweite damit herumläuft?

(Foto: Martin Schutt/dpa)

Die Abiturjahrgänge im Landkreis schneiden heuer überdurchschnittlich gut ab. Geschenkt waren die Prüfungen keineswegs, da sind sich die Schulleiter einig. Dass die Mathe-Aufgaben zu schwer gewesen seien, weisen sie zurück

Von Julia Putzger, Dachau

Ein Abitur aus dem Jahr 2021 werde weniger Wert haben und als geschenktes Abitur wahrgenommen - diese Befürchtungen äußerten auch die Abiturienten im Landkreis schon vor den Prüfungen. Tatsächlich fällt der Notendurchschnitt heuer - wie in ganz Bayern - besonders gut aus. Trotzdem urteilen die Schulleiter der drei Gymnasien im Landkreis: Es waren faire Prüfungen aber sicher kein geschenktes Abi. Wenn sie den insgesamt knapp 400 Abiturienten am heutigen Freitag ihre Zeugnisse überreichen, werden sie ihre Schützlinge vor allem für deren Durchhaltevermögen in der Pandemie loben.

Gleich drei Schüler an jedem der drei Landkreisgymnasien haben jeweils ein "Einser-Abi", also einen Notenschnitt von 1,0 geschafft - eine neue Bestleistung zumindest am Ignaz-Taschner-Gymnasium (ITG) in Dachau und am Gymnasium Markt Indersdorf (GMI), wie die beiden Schulleiter Erwin Lenz und Thomas Höhenleitner versichern. Doch nicht nur diese einzelnen Bestleistungen ragen heraus, auch der gesamte Notenschnitt habe sich im Vergleich zu den Vorjahren verbessert, wissen die drei Rektoren. Ein Trend, der in ganz Bayern zu beobachten ist: Mit 2,14 gebe es 2021 den besten Notenschnitt seit jeher im Freistaat, berichtete der BR. Also doch ein "geschenktes Corona-Abi"? "Wir können nur spekulieren, an was es liegt" sagt GMI-Rektor Höhenleitner. Die Schüler seien jedoch besonders gut vorbereitet gewesen, "weil es ja auch kaum Ablenkungsmöglichkeiten vom Lernen gab". Auch Lenz vom ITG spricht von einer "regelrechten Aufmunitionierung" der Schüler, da die Lehrkräfte trotz erschwerter Bedingungen alles gegeben hätten. Peter Mareis, Schulleiter des Josef-Effner-Gymnasiums (JEG) Dachau erklärt: "So ein Abitur wird über Jahre hinweg kontinuierlich von Fachleuten in Kommissionen erstellt. Die machen nicht einfach mal ein leichteres Abi." Was die Gesamtnote betrifft, hätten die Schüler aber von ein paar Corona-Erleichterungen profitiert, ergänzt Höhenleiter.

Die Abiturienten selbst empfanden zumindest die Aufgabenstellungen im Mathe-Abitur als zu schwer. Wie schon in den letzten beiden Jahren starteten bayerische Schüler eine Petition mit der Forderung, den Notenschlüssel anzupassen. Mehr als 38 000 Menschen unterschrieben, auch Schüler aus dem Landkreis: "Ich selbst fand die Aufgaben nicht ganz so schwer, aber ich glaube, ich habe aus Solidarität unterschrieben", sagt Leonard Lerchl, Abiturient am GMI. Sein Kollege Quirin Strauß, ebenfalls Abiturient am GMI, sieht die Sache kritischer: "Gefühlt gab es schon eine Petition, bevor das Mathe-Abi überhaupt geschrieben wurde." JEG-Rektor Mareis hat zwar Verständnis für die Schüler, die mit hohen Erwartungen an sich selbst in die Prüfungen gehen und diese dann nicht erfüllt sehen, sagt aber auch: "Der Maßstab für mich sind die Mathematiklehrer und die haben mir gesagt, dass es zwar ein anspruchsvolles, aber kein unfaires Abitur war." Gut findet er die Petition insofern, da die Schüler so die Möglichkeiten der Demokratie kennenlernten.

Nachdem sich die Aufregung um Prüfungen und Ergebnisse gelegt hat, haben viele Abiturienten in den vergangenen Wochen schon ihre Freizeit genossen. Entgegen allen Erwartungen fuhren manche von ihnen sogar auf Abifahrt: "Wir hatten unsere Reise schon vor Corona, also im Dezember 2019, gebucht. Wir sind dann zwar stark davon ausgegangen, dass sie ausfallen würde, haben aber nicht storniert und weiter daran geglaubt", erzählt JEG-Abiturientin Diana Unger. So seien letztlich 119 JEG-Schüler ihres Jahrgangs und etwa 30 weitere vom ITG gemeinsam nach Kroatien gefahren, wo sie sich dann dank Tests in einer "coronafreien Bubble" aufhielten. Derweil organisieren die Stufensprecher des GMI momentan eine Party zumindest für Schüler und Lehrer, um ihren Abschluss doch noch gebührend feiern zu können, eine Abizeitung wurde ebenfalls noch auf die Beine gestellt. Auch am ITG wurden keine Mühen gescheut, wie Abiturientin Mara Sadlowski erzählt: "Glücklicherweise haben wir ein paar sehr engagierte Mitschüler, die es jetzt tatsächlich noch geschafft haben, einen Abiball sowie auch eine Abizeitung zu organisieren, sodass wir das Ende unserer Schulzeit schlussendlich doch noch gemeinsam feiern und Revue passieren lassen können."

Die Zeugnisvergabe findet an allen drei Gymnasien am heutigen Freitag in mehreren Gruppen statt, um die Infektionsschutzregeln einzuhalten. "Es ist zwar schade, dass wir die Gruppen halbieren, aber ich bin froh, dass es überhaupt so eine Verleihung gibt", sagt Abiturient Lerchl. Anders als im letzten Jahr sind heuer wieder mehr Programmpunkte wie zum Beispiel Musikstücke möglich. "Bedauerlicherweise gibt es keinen Abitur-Gottesdienst wie sonst am Petersberg, aber wir haben einen sehr würdigen Rahmen gefunden. Ich freu mich drauf", schickt Höhenleitner voraus.

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