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350 Weggefährten nehmen Abschied:"Vergelt's Gott"

Diakon Markus Nappert erinnert in Sankt Johannes in Röhrmoos an die Hilfsbereitschaft von Dieter Schneider. Eine Fahnenabordnung repräsentiert den TSV 1860 München, dessen Vorsitzender er war.

(Foto: Toni Heigl)

Auf der Trauerfeier in Sankt Johannes in Röhrmoos wird Dieter Schneider als sozial engagierter Mäzen und Vertreter der bayerischen Wirtschaft gewürdigt

15 Vertreter des öffentlichen Lebens aus ganz Bayern hätten auf der Trauerfreier in der Sankt-Johannes-Kirche in Röhrmoos reden wollen, um Dieter Schneider zu gedenken, der am vergangenen Freitag im Alter von 70 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben ist. Aber die Familie um Ehefrau Gipsy Schneider sah sich außer Stande, einen solchen Redemarathon durchzustehen. Sie bat den Bürgermeister ihrer Heimatgemeinde Röhrmoos, Dieter Kugler, den Unternehmer, Politiker, Vertreter zahlreicher Wirtschaftsverbände, ehrenamtlichen Richter und sozial eingestellten Mäzen vor mehr als 350 Trauergästen am vergangenen Donnerstag zu würdigen.

Unter ihnen der Vorstand des TSV 1860 München, zahlreiche Weggefährten beim Industrieverein Dachau oder bei der Industrie- und Handelskammer Oberbayern, CSU-Politiker aus dem Landkreis wie seine Weggefährten Altlandrat Hansjörg Christmann und der Dachauer Rechtsanwalt Ernst Burgmair. Dazu die Altbürgermeister aus Röhrmoos, Josef Westermayr, Hans Lingl und sehr viele Freunde. Aus Österreich, dem Heimatland von Gipsy Schneider, war eine Abordnung der Bundesmusikkapelle Vorderthiersee angereist, bei der Dieter Schneider Ehrenmitglied war.

Dessen vielfältiges Engagement rückte der Röhrmooser Bürgermeister Dieter Kugler in den Mittelpunkt der Trauerrede. Noch kürzlich auf der Feier zum 70. Geburtstag sei er als Vertreter von Röhrmoos und CSU-Parteifreund gemeinsam mit dem 1860-Fanclub aus Vierkirchen zuversichtlich gewesen, dass sich Dieter Schneider von einem fünfmonatigen Klinikaufenthalt erholen könnte und wieder einigermaßen gesund werden würde. Es falle ihm sehr schwer, vor die Trauergemeinde zu treten, aber er verstehe die Aufgabe als "Freundschaftsdienst", sagte Kugler. Wenn man den Einsatz beispielsweise für 1860 München, für die Kommunalpolitik in Landkreis und Gemeinde Röhrmoos, seine jahrzehntelange Tätigkeit für Wirtschaftsverbände zusammennehme, so sei nur eine Schlussfolgerung möglich: "Wir trauern um einen großen Bürger Bayerns."

Bereits Diakon Markus Nappert hatte den sozialen und mäzenatischen Anspruch Dieter Schneiders gewürdigt. So sei es ihm zu verdanken, dass die Kirche Sankt Johannes, die mehr als 1000 Jahre alt ist, prächtig saniert und restauriert worden sei. Schneider habe im Stillen gewirkt und vielen Menschen in Notlagen geholfen. Nappert sagte: "So ein Mann der Tat und der Wahrheit war er." Kugler bezeichnete ihn als sein Vorbild: "Dieter Schneider war eine Persönlichkeit, aber er bildete sich nichts darauf ein." Und an die Familie gewandt, zitierte der Röhrmooser Bürgermeister den evangelischen Geistlichen Dietrich Bonhoeffer, der die Trauer um einen lieben Menschen als große Last darlegte. Aber die Erinnerung an ihn verwandle sich bald "in ein kostbares Geschenk". Es war Kirchenpfleger Gerhard Schmidbauer vorbehalten, die Trauerfreier abzuschließen. Weil Dieter Schneider ihm stets den Rücken für die Kirche gestärkte habe, bleibe ihm nichts anders zu sagen, als Danke. "Auf Boarisch: Vergelt's Gott."

Dieter Schneider wurde am 20. Mai 1947 geboren und wuchs in Olching im Landkreis Fürstenfeldbruck auf. Er hatte sich in Wirtschaftskreisen einen Namen als erfolgreicher Sanierer gemacht und erhielt dafür 2010 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Schneider war Geschäftsführender Gesellschafter der DSH Holding, Besitzer des Kunststofftechnikherstellers Liedtke in Markt Indersdorf und Betreiber eines Autohauses in Dachau. Im Februar 2011 wurde er Präsident des TSV 1860 München. Nach Ablauf seiner zweijährigen Amtszeit, in der er die Insolvenz der Profiabteilung von 1860 durch den Verkauf von 60 Prozent der Aktien an den jordanischen Investor Hasan Ismaik abwendete, trat er im Frühjahr 2013 nicht mehr zur Wahl an. Sechs Jahre lang war er Mitglied der CSU-Fraktion im Kreistag.

© SZ vom 28.07.2017
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