21. Kinderkunstraum  Zu Besuch in Spukhausen

Ein Blick in den Schuhkarton, wo das kleine Gespenst wohnt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der "Kinderkunstraum" widmet sich in diesem Jahr dem Thema Gespenster. Eine Woche lang werden die Werke ausgestellt

Von Dajana Kollig, Dachau

Durch ein kleines Loch an der Seite des Schuhkartons kann der Betrachter einen Blick in die schaurige Welt des Gespenstes erhaschen, das Hanna erschaffen hat. Es flattert über den Feldweg, an der verlassenen Scheune aus Karton und den Wattebauschbäumen vorbei - wie von Geisterhand gesteuert. Schon zum wiederholten Mal nimmt die zwölfjährige Hanna Christoph an der Veranstaltung der Dachauer Museen, dem "Kinderkunstraum", teil. Es mache jedes Mal großen Spaß, außerdem werde einem in den Ferien sowieso schnell langweilig, sagt sie.

Das Kunstprojekt findet dieses Jahr zum 21. Mal statt und es wird gruselig. Unter dem Motto "Kettenklirren und Zähneklappern - Gespenster und ihre Freunde" erschaffen die kleinen Künstler Fantasiewelten rund um die Spukwesen. "Letztes Jahr hatten wir das Thema 1001 Nacht, da wollten wir dieses Jahr einen ästhetischen Gegensatz dazu bieten, etwas, das weniger schön, dafür mehr gruselig ist", sagt Elisabeth Boser, eine der Organisatorinnen vom Zweckverband Dachauer Museen.

Grundidee der Veranstaltung war, Kinder und Jugendliche an Museen heranzuführen, die Abläufe bis zur Fertigstellung eines Projektes mitzuerleben, und schließlich zu lernen, das Kunstwerk zu präsentieren. Die Nachwuchskünstler wirken nach der Woche des Bastelns bereits als Kuratoren für ihre eigene Ausstellung.

Das Projekt kommt gut an, jedes Jahr gibt es mehr Bewerber als die zur Verfügung stehenden 56 Plätze. Bei der Anmeldung müssen die Eltern schnell sein, "wer zuerst kommt, malt auch zuerst - im wahrsten Sinne des Wortes", wie Michael Nauderer feststellt. Der Gruppenleiter hat sich für seine Gruppe im Bezirksmuseum das Projekt der Miniatur-Geisterwelten im Schuhkarton überlegt. Durch einen Magneten an der Decke können die Kinder ihre Gespenster durch die kleine Welt im Schuhkarton schweben lassen. Es freue ihn zu sehen, wie die Kinder ihre Kreativität ausleben. Währenddessen werden in der Galerie der Künstlervereinigung Dachau unter der Leitung von Monika Humm und Astrid Draeger Bilderbuchburgen und Filzgespenster zum Leben erweckt. In anderen Projekten steht das Basteln von Monsterschmuck und das Weben von Geistermasken aus Stoffstreifen auf dem Plan.

Die Künstlerin und Architektin Geraldine Frisch hat sich für ihre Gruppe etwas Multimediales ausgedacht. Die Kinder konstruieren Burgen aus Klebestreifen, Karton und Zweigen. Die Behausungen für die Geister und der damit verbundene Schaffensprozess werden filmisch festgehalten und zu einer Geschichte zusammengeschnitten, einer Art Hintergrundfilm. Die Kinder sollen durch das Bauen der Burgen lernen, die Grundprinzipien von Statik und Stabilität zu kennen, außerdem, Fantasiewelten aus dem Nichts zu erschaffen, so Frisch. Der Film über die Gruselstadt Spukhausen wird neben den Burgen in der Ausstellung zu sehen sein. Bei den Dreharbeiten hat auch Nadine mitgeholfen. Sie hat sich selbst beigebracht, mit ihrem iPad Fotos zu machen und wendet diese Fertigkeit jetzt bei der Dokumentation der Kunstwerke fleißig an.

Die Geisterwelten der jungen Künstler sind vom 21. bis zum 28. April in der Neuen Galerie in Dachau zu besichtigen. Nach der Finissage am letzten Ausstellungstag darf dann auch Hanna ihr Gespenst im Schuhkarton mit nach Hause nehmen. Darauf freut sie sich schon.