Markt Indersdorf:Mit der Kutsche zum Löscheinsatz

Vor 150 Jahren wurde die Freiwillige Feuerwehr Markt Indersdorf als Verein der "opferwilligen Männer" gegründet. Die Ausrüstung war armselig, zeitweise mussten Einsatzkräfte zwangsverpflichtet werden. Heute hat die Feuerwehr moderne Ausrüstung und zieht auch viele junge Leute an.

Von Johannes Rockstuhl, Markt Indersdorf

"Opferwillige Männer" sollen sich zusammenfinden, um "eine flüchtig organisierte freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen". So heißt in einem Aufruf des Bürgermeisters Mathias Hudler aus dem Markt Indersdorf am 30. August 1871. Der Grund: Allerorts entstehen derzeit Freiwillige Feuerwehren, "welche berufen sind, Leben und Eigenthum der Mitbürger gegen Feuersgefahren zu schirmen und zu schützen". 150 Jahre später spricht Peter Doll, aktueller Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Markt Indersdorf, von einer Feuerwehr, die nicht mehr "flüchtig organisiert" sei. Es finden sich jedoch noch immer "opferwillige Männer" sowie Frauen, die in der Gemeinde im Fall eines Brandes bereit sind, für ihre Mitbürger zum Einsatz auszurücken.

Begonnen hat der organisierte Schutz gegen Brände im Markt Indersdorf bereits 1818. Eine sogenannte "Feuerspritze" auf einer Kutsche wurde von Helfern bei einem Brand in der Gemeinde benutzt. "Vermutlich eilten bei einem Brand, soweit möglich, auch alle Nachbarn und Ortsbewohner zur Hilfe herbei", so Georg Mair, langjähriges Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Zum 150-jährigen Jubiläum stellt er zusammen mit seinem Freund und Kollegen Jim Moser historische Materialien, alte Schläuche, Funkmelder sowie Schriften aus 150 Jahren Feuerwehr Markt Indersdorf zusammen, die nächstes Jahr von April bis September im Augustiner Chorherrenmuseum ausgestellt werden sollen.

150 Jahre Feuerwehr Indersdorf

Der erste Aufruf zu einer Feuerwehrgemeinschaft in Markt Indersdorf stammt aus dem Jahr 1871.

(Foto: FW Indersdorf)

Der 23. September 1871 datiert schließlich das offizielle Gründungsdatum der Feuerwehr. Wie der Aufruf des Bürgermeisters bereits durchblicken lässt: Nur Männer durften mitmachen. Dies änderte sich lange Zeit nicht, bis im Zweiten Weltkrieg Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in den Wehrdienst einberufen wurden und wegen akuten Personalmangels eine Pflichtfeuerwehr eingerichtet wurde, in dessen Dienst neben Frauen auch Jugendliche und Senioren treten mussten. Große Löscheinsätze leisteten sie hierbei nicht nur nach den vielen Bombenangriffen auf München. Auch viele brennende Häuser des Marktes Indersdorf mussten sie nach Fliegerangriffen löschen. Bis das erste offizielle weibliche Mitglied jedoch länger als nur zu Krisenzeit blieben durfte, vergingen noch mehrere Jahre. Vor etwa zehn Jahren trat die erste Frau der Freiwilligen Feuerwehr Markt Indersdorf bei.

Peter Doll hebt einen Einsatz besonders hervor, der nun bereits 50 Jahre her ist. Die Bäckermeister Josef Kreitmair und Hans Pest sehen auf dem Weg zu ihrer Arbeit in den frühen Morgenstunden Rauchwolken aus dem gegenüberliegenden Kloster aufsteigen. Sofort setzen sie einen Notruf ab. Die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr treffen ein und müssen eine Klosterschwester aus dem brennenden Haus befreien. Das Problem: Die Freiwillige Feuerwehr hat zu der Zeit noch keinerlei Atemschutzgeräte und muss mit Tüchern vor dem Mund in das in Flammen stehende Kloster gehen. Seitdem ist viel passiert. Atemschutzgeräte sind nicht mehr Mangelware. Auch über zu wenig Nachwuchsfeuerwehrleute kann sich Peter Doll nicht beschweren. Für die ungefähr 120 Einsätze pro Jahr habe er unter den 125 Mitgliedern eine starke Jugend mit mehr als 20 Mädchen und Jungs. So sah es einige Jahre nach der Gründung nicht aus. Nach einem kurzen, euphorischen Start erlosch das Interesse der Indersdorfer Bevölkerung, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr zu werden. Die anfängliche Mitgliederzahl von 75 Mann habe sich rasch verringert, so Mair, sodass sich die Ortspolizei genötigt sah, am 10. August 1873 eine organisierte Pflichtfeuerwehr ins Leben zu rufen. Diese war der Freiwilligen Feuerwehr bei Einsätzen jedoch stets untergeordnet, sodass sich die Pflichtfeuerwehr einige Jahre später auflöste. Genaue Aufzeichnungen hierzu gibt es nicht. Georg Mair vermutet, dass diese Doppelstruktur sich in der Praxis doch als überflüssig erwies. Eine große Jubiläumsfeier zum 150. Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Markt Indersdorf bleibe jedoch aus, meint Doll. Es werde nur eine kleine interne Feier stattfinden und das große Fest "vielleicht ja dann zum 155-jährigen Jubiläum" nachgeholt, so Doll.

© SZ vom 22.09.2021
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