Dachau Saddam-Fan verzichtet auf Kandidatur für Linke

Er hetzt gegen Israel, verherrlicht den Islamismus. Nun wird Chris Sedlmair doch nicht als Kandidat der Linken bei der Bundestagswahl antreten.

Von Wolfgang Krause

Der Dachauer Chris Sedlmair trat bereits zweimal als Direktkandidat für die PDS im Wahlkreis an. 2003 überwarf er sich mit der Partei. Grund war unter anderem, dass er den irakischen Diktator Saddam Hussein im Krieg gegen die USA zum Durchhalten aufforderte.

Umstritten: Saddam-Fan Chris Sedlmair.

(Foto: Foto: privat)

Heute bezeichnet der 31-Jährige die damaligen Auseinandersetzungen auf seiner Homepage als "alte Geschichten, die Jahre zurückliegen." An seiner Einstellung allerdings scheint sich wenig geändert zu haben. So fordert er unter dem Stichwort "Der Islam" unter anderem ein Ende der "Kriminalisierung von Hamas und Hiz'b'Allah in der EU". Israel bezeichnet er als "Staat, der existiert um Krieg zu führen", den Publizisten Henryk M. Broder nennt er "Zion-Zäpfchen" und "Volksverhetzer". Und ein Link führt zu einem Video mit dem Titel "Saddam? Missing You".

Die Landesvorsitzende der Linken, Eva Bulling-Schröter, erklärte, Sedlmairs Aussagen entsprächen nicht dem Parteiprogramm, das das "Existenzrecht Israels und Palästinas" betone, und seien "untragbar". Deshalb habe der geschäftsführende Landesvorstand sich am Dienstagabend darauf verständigt, Sedlmair zum Verzicht auf die Kandidatur aufzufordern. "Ich finde es gut, dass er zurückgetreten ist", sagte Bulling-Schröter. Damit mache er den Weg frei für einen neuen Kandidaten. Dass Sedlmair trotz der Vorgeschichte nominiert worden war, erklärte Bulling-Schröter damit, dass es in Dachau und Fürstenfeldbruck viele neue Mitglieder gebe. Diese hätten die Brisanz der Aussagen nicht erkannt.

Kein Grund für Reue

Sedlmair nannte allein private Gründe für seinen Rückzug. Er habe von einer Aufforderung des Landesvorstandes nichts gewusst. Die umstrittenen Aussagen nannte er auf Nachfrage "überspitzt", sieht aber keinen Grund, davon abzurücken. Von den Kreisverbänden Fürstenfeldbruck und Dachau waren am Mittwoch keine Stellungnahmen zu den Aussagen Sedlmairs zu erhalten. Der Sprecher des Brucker Kreisverbands, Fridolin Brandt aus Germering, berichtete lediglich, dass Sedlmair vor gut einer Woche in Dachau nominiert worden sei und in vier Wochen ein neuer Kandidat aufgestellt werde. Man habe auch bereits jemanden im Auge.

Das ehemalige Kreisvorstandsmitglied Franz Rockinger aus Eichenau zeigte sich entsetzt darüber, dass seine Parteifreunde Sedlmair gewählt hatten. "Die Lust, bei der Linken im Landkreis zu bleiben, ist gering", sagte er.