Nachruf:Zwei weitere wertvolle Stimmen sind verstummt

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Die KZ-Gedenkstätte Dachau trauert um die KZ-Überlebenden Max Volpert und Miroslav Kubik.

Von Eva Waltl, Dachau

Die KZ-Gedenkstätte Dachau trauert um die KZ-Überlebenden Max Volpert und Miroslav Kubik. Es gibt immer weniger Zeitzeugen, die von den Grauen des Nationalsozialismus berichten können. Nun sind zwei weitere wertvolle Stimmen verstummt.

Max Volpert

Max Volpert ist im Alter von 90 Jahren in Israel gestorben.

(Foto: privat)

Max Volpert überlebte das Ghetto Kaunas, den Außenlagerkomplex des KZ Dachaus Kaufering und als 13-Jähriger den Todesmarsch. Der in Litauen geborene Volpert war noch nicht einmal zehn Jahre alt, als er mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester in das Ghetto Kaunas übersiedeln musste. Von da an wurde die gutbürgerliche, jüdische Familie zerrissen. Die Mutter und Schwester wurden im Juli 1944 in Auschwitz ermordet, er selbst gemeinsam mit seinem Vater nach Kaufering gebracht, wo sein Vater infolge der grauenhaften Haftbedingungen starb. Kurz vor Kriegsende wurde das Lager geräumt und alle noch lebenden Häftlinge wurden in Richtung Dachau getrieben. Max Volpert war 13 Jahre alt, als er nach dem Todesmarsch bei Waakirchen am 2. Mai 1945 von den Amerikanern befreit wurde. Er hatte das Grauen überstanden und dabei seine Familie verloren.

Nachruf: Miroslav Kubik ist am 25. Oktober 2021 in seinem Heimatort Roudnice nad Labem gestorben.

Miroslav Kubik ist am 25. Oktober 2021 in seinem Heimatort Roudnice nad Labem gestorben.

(Foto: Foto: KZ Gedenkstätte Dachau)

Auch Miroslav Kubiks Heimat, die damalige Tschechoslowakei, wurde im März 1939 von den Deutschen besetzt. Kubik war gerade 14 Jahre alt. Als im Juni 1942 eine gesamte Gymnasialklasse wegen "illegaler Tätigkeit" in die kleine Festung Theresienstadt verschleppt wurde, war darunter auch Kubik. Er kam von dort nach Auschwitz und 1943 schließlich nach Dachau.

Beiden Überlebenden war gemein, dass sie sich unentwegt für das Erinnern der Schicksale aller Opfer des Nationalsozialismus einsetzten. Volpe nahm seit 1963 regelmäßig an der Gedenkwoche in Kaufering und an der Befreiungsfeier in Dachau teil. Der Überlebende führte Gespräche mit Schülergruppen und Interviews, vor allem mit der Jugend suchte er die Begegnung. Auch Kubik engagierte sich nach seiner Befreiung weiterhin für seine politischen Überzeugungen. Er nahm 1989 an der sogenannten Samtenen Revolution teil, die letztendlich zum Sturz des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei geführt hat. Kubik war Mitglied des Comité International de Dachau und der letzte tschechische Vertreter in der Häftlingsvertretung.

Zum 76. Jahrestag der Befreiung des Dachauer Konzentrationslagers im April dieses Jahres schickten Volpert und Kubik Videobotschaften, in denen sie auf die Unabdingbarkeit des Erinnerns aufmerksam machten. "Die Vergangenheit hat gezeigt, wie unglaublich bösartige Ideologien das Denken der Menschen beeinflussen können, dass sie Handlungen begehen, die allen Prinzipien widersprechen", warnt Kubik. Volpert erinnerte an seine ermordete Familien und an alle ermordeten Juden. "Meine Kindheit ist nicht mehr da, die ist verloren", sagte er. Nun hat auch die Erinnerungsarbeit zwei kämpferische Mahner gegen das Vergessen verloren. Max Volpert ist im Alter von 90 Jahren in Israel am 20. Oktober 2021 verstorben, Miroslav Kubik am 25. Oktober 2021 in seinem Heimatort Roudnice nad Labem.

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