Zivilkräfte der Münchner Polizei haben am Dienstag vergangener Woche in Nymphenburg einen 22 Jahre alten Mann festgenommen, der gerade dabei war, für eine Bande von Cyberbetrügern 12 000 Euro von einem mehr als 80 Jahre alten Münchner einzusammeln. Der Abholer, ein Ukrainer ohne festen Wohnsitz in Deutschland, sitzt nun in Untersuchungshaft.
Das für Wirtschaftsdelikte zuständige Kommissariat 72 ermittelt und fahndet nach Hinterleuten. Die säßen bei Betrügereien im Kontext von Cybertrading meist in Osteuropa oder Asien, wie der Leiter des K72, Andreas Wübert, am Donnerstag im Rahmen einer Medienrunde erklärte. Von dortigen Callcentern aus steuerten die Kriminellen ihre Geschäfte.
Seit Anfang 2025 registriert die Münchner Polizei einen Anstieg von Betrugsdelikten in der digitalen Welt, die meist auf dem Handel von Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum beruhen. Dabei gaukeln die Täter ihren Opfern vor, deren Geld in digitale Währungen zu investieren und damit hohe Renditen zu erwirtschaften. Gewinne machen am Ende aber nur die Gangster: Deren Beute schätzte Wübert allein in München für das Jahr 2025 auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.
Im Fall des festgenommenen Ukrainers war der Geschädigte im vorigen November im Internet auf die gefälschte Webseite einer Krypto-Börse gestoßen, die ihm überdurchschnittliche Gewinne versprach. Der Münchner überwies nach und nach 20 000 Euro auf ein Konto; als das ab Mitte Dezember nicht mehr ging, überredeten ihn die Täter zur Barzahlung bei einem Abholer. Dabei händigte der Senior insgesamt 60 000 Euro aus. Als sein Sohn auf die Finanzgeschäfte aufmerksam wurde, verständigte er die Polizei, die bei nächster Gelegenheit den Abholer festnahm.
Wie der Ermittler Maximilian Süß berichtete, nutzten die kriminellen Netzwerke Werbeanzeigen im Internet für die Kontaktaufnahme mit ihren Opfern. Häufig manipulierten sie bekannte TV-Sendungen mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) und erweckten so den Eindruck, prominente Talkshow-Gäste würden Geheimtipps verraten.
Über einen Link werden die Opfer dann auf eine täuschend echt eingerichtete Online-Plattform geführt mit Login, vermeintlichen Einzahlungsbelegen und sogar Charts der angeblichen Vermögensentwicklung. Oft schalte sich auch ein angeblicher Broker per Telefon ein, der die Geschädigten zu weiteren Investitionen ermuntere. Spätestens wenn ein Opfer seinen erhofften Gewinn abheben wolle, breche der Kontakt ab.
Nach Angaben von Wübert seien viele Banken inzwischen sensibilisiert und sprächen ihre Kunden bei hohen Überweisungen an oder stoppten diese Geldtransfers sogar. Das seien die Situationen, in denen die Kriminellen auf Bargeldforderungen umstiegen. Generell warnt Wübert vor allzu hohen Gewinnversprechen: Wenn ein Einsatz innerhalb von zwei Wochen verdoppelt werden soll, sei Vorsicht geboten.

