CSU will S-Bahn-Ring Besser als jeder Tieftunnel

Kritiker der zweiten Röhre fühlen sich bestätigt

"CSU will einen Bahnring um München" vom 23. März:

Querverbindungen nötig

Schön, dass die CSU jetzt auch zu der Erkenntnis gelangt, dass München leistungsfähige Querverbindungen im öffentlichen Nahverkehr braucht, und nicht alle Fahrgäste in München zum Marienplatz wollen. Lange Zeit hörte sich das total anders an. Da hatte die CSU unisono den Südring für den S-Bahn-Verkehr abgelehnt. Weil angeblich viel teurer als die mit 3,8 Milliarden Euro veranschlagte zweite S-Bahn-Röhre unter der City.

Und muss man jetzt verstehen, warum der Südring ausgerechnet für eine Ringbahn herhalten muss? Der Südring verläuft doch ein bis zwei Kilometer parallel zur Stammstrecke. Mehr noch: Der von der CSU von den Freien Wählern kopierte Vorschlag greift im Münchner Westen und Süden deutlich zu kurz. So gäbe es weiterhin keinerlei S- oder U-Bahn-Verbindung über die Isar südlich der citynahen Braunauer Brücke. Beispiel: Wer von Harlaching nach Fürstenried oder Großhadern will, fährt weiter über das Sendlinger Tor. Oder: Vom Frankfurter Ring nach Langwied geht es weiterhin über den Hauptbahnhof. Wolfram Liebscher, München

Pharaonen-Tieftunnel

Ein löbliches Unterfangen, diese CSU-Initiative für den S-Bahn-Ausbau der Münchner Bahnringe - nur kommt sie leider reichlich spät! Und sie setzt immer noch die falschen Prioritäten. Hätte man doch rechtzeitig auf die Warner (darunter auch CSU-Parteifreund Georg Kronawitter) gehört, dann hätten wir am 5. April 2017 keinen Spatenstich für einen nutzlosen, sinnfreien und superteuren Pharaonen-Tieftunnel, sondern vielleicht schon die Eröffnung des Nordrings für die S-Bahn - den Südring hatte man ja schon vor 30 Jahren geplant und man hätte ihn längst für einen Bruchteil der Kosten haben können.

Nun versuchen die CSU-Stadträte, aus der Not eine Tugend zu machen, Nord- und Südring zu verbinden und uns auf 2050 zu vertrösten, wenn wegen der geplünderten Nahverkehrs-Töpfe vielleicht mal wieder Geld für München da ist. Davon abgesehen: Wie kommt man dann aus der westlichen Region zum Nord- und Südring, wenn diese nicht mit Pasing verbunden sind? Wie soll man am Ostbahnhof aus der 40 Meter tiefen Bergwerks-Station in die Ringbahn und in die sonstigen Züge umsteigen?

Nein - anders wird ein Schuh daraus: sofortiger Tunnel-Stopp, Zehn-Minuten-Takt auf den Außenstrecken und statt Ringschluss Führung der zusätzlichen Züge über den Südring, später zusätzlich über den Nordring. Ausbau-Beginn sofort, Geld ist ja (anscheinend) genügend da. Das wäre ein Grund zum Feiern am 5. April!

Will man dann immer noch (2030? 2040?) den Münchner Nahverkehr vergolden, mag man auch noch einen Tunnel graben, aber bitte für Regionalzüge, denn das ist der einzige Sinn, den man diesem verkorksten Projekt überhaupt abgewinnen könnte. Prof. Dr. Wolfgang Hesse, München