CSU-Plakatkampagne "Dumm und dreist. So kennen wir die CSU"

Mit einer Plakatkampagne versucht die CSU quasi über Nacht, die Verhältnisse umzudrehen und sich als Opfer von Hetze darzustellen. Unter den #ausgehetzt-Demonstranten sorgt der Versuch für Spott.

Von Heiner Effern und Wolfgang Görl

"Wir sollten lachend daran vorbeiziehen", sagt Thomas Lechner, einer der Organisatoren der #ausgehetzt-Demo, mit Blick auf die Plakate, welche die CSU über Nacht entlang der Demonstrationsroute geklebt hat. Auf blauem Hintergrund steht "Ja zum politischen Anstand! Nein zu ausgehetzt." Das Logo der Demonstration ist mit roter Farbe durchgestrichen. Nicht alle Demonstranten halten sich an Lechners Empfehlung.

Einige stellen sich davor, um ein Foto zu schießen, andere sagen: "Dumm und dreist. So kennen wir die CSU." Einzelne Plakate sind auch schon kreativ verändert worden. Irgendwer hat den CSU-Schriftzug in der unteren Plakatecke abgerissen und über das Wort "ausgehetzt" geklebt. Nun lautet der Text: "Nein zu CSU."

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Nicht nur auf Plakaten versuchte die CSU, quasi über Nacht die Verhältnisse umzudrehen und sich als Opfer von Hetze darzustellen. Am Rande der Demonstration war auch ein Klein-LKW zu sehen, der den entsprechenden Plakattext in Übergröße spazieren fuhr. Sogar Zeitungsanzeigen hatte die Partei am Samstag geschaltet. "Mit unserer Aktion wehren wir uns gegen die Hetzkampagne gegen die CSU. Meinungsfreiheit ist kein Privileg der Linken in unserem Land. Wir lassen uns von dieser Kampagne weder mundtot machen noch in die Ecke von Rassisten, Antidemokraten oder Nazis stellen, wie das bei "ausgehetzt" immer wieder geschehen ist", sagt CSU-Generalsekretär Markus Blume. Wer das mache, der hetze selbst und spalte damit die Gesellschaft. "Ich kann mich nur wundern, wie hier ganz selbstverständlich SPD und Grüne mit Antifa und Linksradialen gemeinsam marschieren. Solange es nur gegen die CSU geht, ist jedes Mittel recht."

In einem Video auf Facebook hatte Blume bereits erklärt, dass zumindest die 25 000 Demonstranten die politischen Botschaften der CSU in den vergangenen Wochen völlig falsch verstanden haben müssten. "Wir wollen Spaltung überwinden." Es seien CSU-Politiker, die diskreditiert und diffamiert würden. "Unsagbare" Dinge müssten diese ertragen. Sogar mit Flüchtlingen, die im Mittelmeer ihre Leben verloren haben, würde die CSU in Verbindung gebracht. "Das werden wir nicht akzeptieren", sagt Blume.

Unten auf dem Plakat heißt es übrigens: "Bayern lässt sich nicht verhetzen. Eine Initiative der CSU." Dass sich die Alleinregierungspartei in Bayern dazu genötigt sieht, können anfangs nicht einmal politische Gegner glauben.

Grünen-Stadtrat Dominik Krause dachte eher an eine Guerilla-Aktion im Stile von Jan Böhmermann, wie er auf Twitter schreibt. "Seit gestern wurde viel spekuliert, nun ist es gewiss: Die Plakate und Werbe-Trucks in München sind tatsächlich kein Fake von @janboehm, sondern eine ernst gemeinte Aktion der CSU". Kabarettist Urban Priol kommentierte die Plakataktion der CSU so: "Der Himmel weint vor Lachen Tränen, weil er heute Nacht die Plakataktion der CSU mitverfolgt hat"

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