CSU-Affäre Graber gibt auf

Der Münchner JU-Chef Rasso Graber hat sich dem Druck der CSU-Spitze gebeugt: Er lässt sein Amt ruhen, solange in der Affäre um gekaufte Mitglieder gegen ihn ermittelt wird. Unklar ist, ob dies auch seine anderen Ämter innerhalb der CSU betrifft.

Von Von Berthold Neff

Die neue Münchner CSU-Chefin Monika Hohlmeier hatte ihn von ihrem Urlaubsort in Spanien aus ultimativ aufgefordert, sein Amt so lange ruhen zu lassen, bis die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts der Urkundenfälschung abgeschlossen sind.

Der 29 Jahre alte promovierte Jurist Graber betonte am Freitag in einer Erklärung, sein Schritt sei "kein Schuldeingeständnis", sondern diene lediglich dazu, "Schaden von der CSU abzuwenden". Andernfalls hätte durch die öffentliche Diskussion die Gefahr bestanden, "dass der Neustart der Münchner CSU unter der neuen Bezirksvorsitzenden" behindert werde.

Für Verwunderung sorgte in Teilen der Partei, dass Rasso Grabers Erklärung nur für sein JU-Amt, nicht aber für seine Funktionen in der CSU gilt. Er bleibt also nach wie vor Mitglied im Ortsvorstand Waldtrudering, im Kreisvorstand sowie im Bezirksvorstand.

Dem Vernehmen nach soll Graber allerdings nicht bei den Sitzungen des Bezirksvorstandes erscheinen, solange die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt. Diese Regelung müsste allerdings auch für seine Position im Kreisvorstand gelten, denn dort begann die Affäre um gekaufte Mitglieder und gefälschte Aufnahmeanträge, in die einigen E-Mails zufolge auch der CSU-Stadtrat (und neue Kreisvorsitzende) Christian Baretti und der CSU-Landtagsabgeordnete Joachim Haedke verwickelt sind. Haedke sagte am Freitag auf Anfrage nur: "Kein Kommentar."

Kultusministerin Monika Hohlmeier begrüßte hingegen Grabers Entscheidung und sprach davon, dass er "seine Ämter" ruhen lasse, was darauf hindeutet, dass damit auch Grabers CSU-Funktionen gemeint sind.

Grabers Amt wird nun kommissarisch von seinem Stellvertreter Alexander Dietrich übernommen. Der 28 Jahre alte Rechtsanwalt erklärte, die JU werde ihren Teil dazu beitragen, "die Affäre möglichst schnell aufzuklären".