Operette „Die Csárdásfürstin“ in der Pasinger Fabrik„Wer mich liebt, gibt mir ein Glas Champagner!“

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Edwin gespielt von Kaspar Fischer-Mylenbusch, hält seine Sylva (Alessia Broch) im Arm.
Edwin gespielt von Kaspar Fischer-Mylenbusch, hält seine Sylva (Alessia Broch) im Arm. Annette Hempfling

Münchens kleinstes Opernhaus stürzt sich trotz schwieriger Finanzlage mit riesigem Elan auf Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“.  Was das Publikum erwartet.

Von Paul Schäufele

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Liebestoll jubeln, eifersüchtig schmollen und sich dann doch wieder in den Armen liegen. Und das alles quasi im Minutentakt. Emmerich Kálmáns Operetten drehen emotionale Loopings wie wenige Stücke. Ein perfektes Match also mit der Oper in der Pasinger Fabrik. Münchens kleinstes Opernhaus stürzt sich mit Begeisterung auf Werke, die mit musikalischem Schwung menschliche Gefühlsabgründe ausleuchten. Von Freitag, 26. Juni, bis Sonntag, 16. August, ist Kálmáns „Die Csárdásfürstin“ zu sehen.

„Wer mich liebt, gibt mir ein Glas Champagner!“ Solche schönen Sätze fallen in der Operettenwelt. Die Sängerin Sylva Varescu sagt ihn, um die Stimmung zu heben. Denn Sylva ist schon fast auf dem Weg in die USA, und alle im Varieté sind traurig, keiner aber trauriger als Edwin. Der junge Fürstensohn ist verliebt (unsterblich) und möchte seine Freundin von der Reise abhalten. Am besten also, man heiratet.

So einfach ist das aber nicht, weil die Operette zu einer Zeit geschrieben wurde, als Ehen zwischen Wiener Adligen und Chansonetten noch als unanständig galten. Daraus ergibt sich allerlei Potenzial für Maskerade, Streitereien und allmähliches Zusammenfinden – vor allem aber für erstklassige Musik. „Kompositorisch ist das ein gigantisches Stück!“, sagt Andreas Heinzmann, der musikalische Leiter der Produktion. „Walzerseligkeit trifft auf ungarischen Pfeffer.“

Heinzmann hat für seine Pasinger Oper wie jedes Jahr die Partitur kreativ arrangieren müssen. Das Ergebnis lässt sich hören. Tiefe Streicher steuern ein warmes Fundament bei, die Solovioline hat Stehgeigerschmelz, und aus dem recht umfangreichen Schlagwerk glitzert hin und wieder das Glockenspiel. Sechs Musizierende hat das Orchester, damit ist es noch ein bisschen kleiner als im vergangenen Jahr. Künstlerisch fällt das nicht ins Gewicht, aber es zeigt, wie sehr insbesondere die freie Musikszene unter Druck steht. Für ein größeres Ensemble fehlt schlicht das Budget. „Jeder kämpft mit dem Geld“, sagt Geschäftsführer Frank Przybilla. Dass dieses Jahr überhaupt wieder eine Produktion möglich ist, liege vor allem am Förderverein und den ehrenamtlichen Unterstützern.

Trotz der schwierigen Bedingungen verfolgt das Haus weiter seinen besonderen Ansatz. Den beschreibt die Regisseurin Franziska Reng, die nach „Fräulein Luna“ im Corona-Jahr 2021 nun zum zweiten Mal in der Pasinger Fabrik inszeniert, so: „Wir möchten hier die Hemmschwelle nehmen für Leute, die sonst nicht in die Oper gehen“, sagt Reng. „Kommt, wie ihr seid! Ihr müsst euch nicht schick machen. Hier wird einfach gesprochen, gespielt, gesungen.“ Diese Freiheit der Operette, sich aus unterschiedlichen Genres und Stillagen zu bedienen und damit ein großes Publikum anzusprechen, macht sie für Reng besonders attraktiv. „Mein Herz schlägt für die Operette“, sagt sie.

Und das, obwohl „Die Csárdásfürstin“ neben dicht getakteten Ohrwürmern auch Sätze enthält, die einen heute zumindest stutzen lassen. „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht!“, heißt zum Beispiel einer der größten Hits im Stück. Den Text deshalb zu retuschieren, kam für die Regisseurin aber nicht infrage. Schließlich hätten sich Autor und Komponist etwas dabei gedacht. „Ich maße mir nicht an, da etwas zu ändern. Man muss es nur inszenieren.“ Das Werk sei ein Produkt seiner Zeit, entstanden 1914. Auch, dass der Kanonendonner des Ersten Weltkriegs im Hintergrund hörbar wurde, ignoriert Reng nicht.

Zu diesem historischen Blick gehört für Reng auch die Frage, wie das Milieu der Figuren aussah. Für ihre Version des Operetten-Klassikers hat sie ausgiebig recherchiert und herausgefunden: Die Varietédamen, die auf der eigens installierten kleinen Operettenbühne der Pasinger Fabrik die schimmernden Röcke schwenken, waren keine halbseidenen Möchtegernkünstlerinnen. „Das Varieté war kein Puff, und die Sängerinnen keine Prostituierten. Das waren die Pop-Stars ihrer Zeit!“, sagt Reng. Diese Zeit wird im Sommer in Pasing und in den Freilichtvorstellungen in der Blutenburg gefeiert, mit Musik, so berauschend und so prickelnd wie Champagner.

Die Csárdásfürstin, Premiere, Freitag, 26. Juni, 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen bis zum 16. August, Wagenhalle der Pasinger Fabrik, August-Exter-Straße 1, Infos unter www.pasinger-fabrik.de

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