Crowdfunding-Kampagne Lastenrad zum Leihen

Zum Einkauf mit dem Lastenfahrrad: Viele Familien setzen bereits auf diese Form der Mobilität. Der ADFC möchte, dass es noch mehr werden.

(Foto: Florian Peljak)

Über eine Spendenkampagne haben Thomas Schmidt und Raphael Draeger Geld für fünf Lastenräder eingesammelt. Die stellen sie Münchnern nun kostenlos zur Verfügung - für Einkäufe oder andere Besorgungen.

Von Marco Völklein

Thomas Schmidt sagt, er sei "überwältigt und sehr dankbar". Sein ursprüngliches Ziel, per Crowdfunding 18 500 Euro einzusammeln, um damit zehn kostenlose Lastenräder zum Verleih zur Verfügung zu stellen - dieses Ziel haben er und sein Mitstreiter Raphael Draeger zwar nicht erreicht. Mit fast 11 000 Euro, die nun zusammenkamen, sind die beiden aber auch schon zufrieden. Davon sollen nun "mindestens fünf" Lastenfahrräder beschafft und auf diverse Stadtviertel verteilt werden, sagt Schmidt.

11 000 Euro für fünf Lastenräder

Die Idee der beiden Initiatoren ist recht simpel: Wie wäre es, wenn wir mehrere Lastenräder anschaffen - und diese dann den Münchnern kostenlos zur Verfügung stellen? Damit diese damit ihre Einkäufe am Wochenende erledigen oder auch mal größere Besorgungen tätigen können. Vielleicht, so die Hoffnung von Draeger und Schmidt, würde der eine oder andere merken, wie praktisch so ein Lastenfahrrad ist. Und aufs Auto verzichten.

Vor vier Wochen haben Schmidt und Draeger, die sich beide beim Radfahrerverband ADFC engagieren, dann ihre Crowdfunding-Kampagne gestartet; am Mittwoch lief die Kampagne aus. 11 000 Euro kamen so von privaten Spendern, aber auch von diversen Unternehmen zusammen. Nun geht es darum, die Sache ins Rollen zu bringen. Eine Reservierungs- und Buchungsplattform im Internet muss programmiert werden. "Das haben wir bereits in Auftrag gegeben", sagt Schmidt. Außerdem müssen die beiden nun noch die fünf Lastenfahrräder bestellen. Die Lieferzeit beträgt sechs bis acht Wochen, sagt Schmidt. "Ich hoffe, dass wir dann im August damit starten können."

Wo die Lastenräder stehen sollen

Erste Standorte seien auch bereits vereinbart worden. So soll eines der Lastenräder im Büro des Umweltschutzvereins Green City an der Poccistraße stationiert werden, ein weiteres bei der Studentenvertretung der Ludwig-Maximilians-Universität an der Leopoldstraße. Auch der Nachbarschaftstreff Obergiesing am Walchenseeplatz will nach Auskunft von Schmidt mitmachen. Die Stationen werden sich ehrenamtlich um die Fahrräder kümmern.

Wer ein Lastenrad ausleihen will, muss sich auf der Internetseite, die gerade programmiert wird, zunächst registrieren und dann über eine entsprechende Funktion das Rad reservieren und buchen. Zurückgeben muss er es in der jeweiligen Station. Schmidt und Draeger setzen darauf, dass alles ehrenamtlich und kooperativ verläuft - und allein schon deshalb die Leute mit den Lastenrädern sorgsam umgehen werden. Vor gut einem Jahr hatte der ADFC schon ein ähnliches Projekt gestartet unter dem Namen: "Daniel - dein Lastenfahrrad". Es war das erste "freie Lastenrad" für München - und kam sehr gut an. Das Nutzfahrrad ist meist über Wochen im Voraus ausgebucht. "Es existiert eine rege Nachfrage", sagt Draeger. Auch Vandalismus sei bei Daniel kein Thema.

Eine Alternative zum Auto

Mit ihrem Leihsystem wollen Draeger und Schmidt "Lust machen, einfach mal ein Lastenrad auszuprobieren und zu fahren". Schon jetzt gebe es stadtweit 250 000 Haushalte ohne Auto, sagt Schmidt. Das könnten mehr werden, hoffen die Radl-Aktivisten und fordern "einen Wechsel zu einer urbanen Verkehrspolitik". Und statt auf Initiativen aus dem Rathaus zu warten, stellen sie nun selbst etwas auf die Beine.

Ihr Ansatz findet offenbar weitere Anhänger, berichten Schmidt und Draeger. So hätten sich während der Crowdfunding-Kampagne auch Nachbarschaftsinitiativen gemeldet, die für ihr Wohnhaus ein Gemeinschafts-Lastenrad anschaffen - und dieses dann gemeinsam nutzen wollen. In Köln gibt es so etwas bereits, "wir bringen dieses Modell jetzt nach München", kündigt Schmidt an. "Die Menschen teilen sich so ein Lastenrad und haben es auch noch direkt vor ihrer Haustür." Damit lasse sich "eine praktikable Alternative zum Auto" schaffen.