Freizeit Soll der "Corso Leopold" größer werden?

Das "Streetlife Festival" und der "Corso Leopold" könnten noch größer werden.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die Organisatoren des "Corso Leopold" wollen das Straßenfest auf der Leopoldstraße nach Norden bis zum Parzivalplatz ausdehnen.
  • Die Lokalpolitiker im Bezirksausschuss Schwabing-Freimann finden das begrüßenswert - nicht so deren Nachbarn im Gremium der Maxvorstadt.
  • Das Straßenfest findet seit 2000 zwei Mal jährlich statt. Parallel läuft jeweils das Streetlife-Festival zwischen Siegestor und Odeonsplatz.
Von Stefan Mühleisen

Der Corso Leopold war von den Organisatoren einst als schlichte Flaniermeile zwischen Siegestor und Münchner Freiheit gedacht, damit Bürger auf der sonst für Autos reservierten Leopoldstraße bummeln können. Daraus entwickelte sich ein Großevent mit Tausenden Besuchern - und das ohnehin schon große Fest soll heuer noch größer ausfallen: Die Organisatoren wollen die Corso-Zone nach Norden bis zum Parzivalplatz ausdehnen.

Die Lokalpolitiker im Bezirksausschuss (BA) Schwabing-Freimann finden das begrüßenswert - nicht so deren südliche Nachbarn im Gremium der Maxvorstadt. Dort waren jetzt missvergnügte Töne über die Erweiterung zu vernehmen, als die Politiker sich mit dem Konzeptentwurf befassten. Das Ergebnis der Debatte: Der Maxvorstädter Bezirksausschuss stellt sich gegen die Corso-Norderweiterung und lehnt das Ansinnen rundweg ab.

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Das Straßenfest findet seit 2000 zwei Mal jährlich statt; parallel läuft jeweils das Streetlife-Festival zwischen Siegestor und Odeonsplatz - eine durchgehende Feierzone auf gut drei Kilometern Länge. Von Donnerstag, 23. Mai, bis Sonntag, 26. Mai 2019 soll der nördliche Abschnitt nach den Plänen der Veranstalter bis auf Höhe des Quartiers Schwabinger Tor ausgedehnt werden. An jenem Wochenende findet die Europa-Wahl statt, zudem jährt sich am 23. Mai 2019 der Erlass des Grundgesetzes zum 70. Mal - und die Akteure im Organisationskomitee, einem Verein, wollen auf der Extra-Fläche Platz bieten, um beide Ereignisse mit einem gesonderten Programm in Szene zu setzen.

Geplant sind Ausstellungen und Diskussionsrunden sowie Infostände, an denen sich Ländervertretungen präsentieren, auch eine "Verfassungsfeier" wird erwogen. Der Verein hat dazu eigenen Angaben zufolge den Bundespräsidenten als Gastredner angefragt. Der hinzugewonnene Platz soll zudem dazu dienen, innovative Mobilitätsformen zu zeigen, welche die Festbesucher auch ausprobieren können; angeblich sollen sogar Probeflüge mit Flugtaxis möglich sein.

Die Maxvorstädter Politiker wollen all dies jedoch nicht als Bereicherung sehen. "Das nimmt eine Dimension an, die nicht mehr angemessen ist", sagte der BA-Vorsitzende Christian Krimpmann (CSU). "Irgendwann hat das dann die Ausmaße des Oktoberfests." Er sprach überdies von einer "drastischen Kommerzialisierung des Events". Ferner befand er den Ansatz der stundenlangen autofreien Promenade als "Illusion". Der Verkehr fließe dann in die Parallelstraßen, "und dort herrscht dann völliges Chaos". Auch Daniel Fritsch (SPD) artikulierte seine Abneigung gegen die Ausweitung "Ich sehe da kein Bürgerfest mehr, das ist zu groß."

Das Negativvotum der Bürgervertreter ist unterdessen nur eine Empfehlung; entscheiden muss der Kreisverwaltungsausschuss des Stadtrates, dem das Kreisverwaltungsreferat (KVR) am 19. März mittels Beschlussvorschlag seinerseits eine Entscheidung empfehlen will. Nach derzeitigem Stand wird die ablehnende Haltung in der Behörde wohl nicht fruchten. "Grundsätzlich steht das Kreisverwaltungsreferat dem geplanten Vorhaben positiv gegenüber", sagt KVR-Sprecher Johannes Mayer. Das Konzept zur räumlich Ausweitung des Corso Leopold, insbesondere das Verkehrskonzept, werde derzeit von den betroffenen Fachdienststellen geprüft.

Wie Corso-Vereinsvorsitzender Ekkehard Pascoe berichtet, der auch für die Grünen im BA Schwabing-Freimann sitzt, haben dazu schon Besprechungen mit Vertretern der Referate sowie von Polizei und Feuerwehr stattgefunden. "Es gibt Bedenken, aber die Verwaltung ist sehr offen", sagt er . Das Konzept dürfte in der Tat eine Herausforderung sein: Zum einen fallen mit Herzog-/Feilitzschstraße und Rhein-/Potsdamer Straße Ost-West-Querungsachsen über die Leopoldstraße weg; zum anderen läge der Busbahnhof an der Münchner Freiheit und ein Teil der Tram-Trasse innerhalb des Festgeländes. "Ziel wird es daher sein, die verkehrlichen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten", sagt dazu KVR-Sprecher Mayer.