Schwabing Der Corso Leopold wird doch nicht größer

Im Pulk schieben sich die Besucher des Corso Leopold dahin. Eine Ausdehnung bis zum Schwabinger Tor könnte auch das Gedränge entzerren.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die Stadtverwaltung sperrt sich gegen eine Ausweitung des Corso Leopold nach Norden.
  • Das Fest auf der Leopoldstraße sollte im Mai versuchshalber größer ausfallen.
  • Polizei und Kreisverwaltungsreferat lehnen die Ausdehnung aus Sicherheitsgründen ab.
Von Stefan Mühleisen

Die ohnehin schon mächtige Großveranstaltung Corso Leopold sollte zum Termin im Mai versuchshalber noch größer ausfallen - doch nun sperrt sich die Stadtverwaltung gegen eine Ausweitung des alljährlichen Spektakels. Polizei und Kreisverwaltungsreferat (KVR) haben erhebliche Bedenken, vor allem was die Sicherheit angeht. Die Behörde wird deshalb den Rathauspolitikern nahelegen, eine Corso-Nordausdehnung abzulehnen. Dies geht aus einem Beschlussentwurf für die Sitzung des Kreisverwaltungsausschusses hervor.

Das Straßenfest zwischen Siegestor und Münchner Freiheit findet zweimal jährlich statt; parallel läuft jeweils das Streetlife-Festival, sodass Tausende Besucher eine durchgängige Feierzone bis zum Odeonsplatz vorfinden. Während des Frühjahrstermins zwischen Donnerstag, 23. Mai, und Sonntag, 26. Mai 2019, findet die Europawahl statt, zudem jährt sich der Erlass des Grundgesetzes zum 70. Mal - beides sehen die Corso-Organisatoren als Anlass, das Festgelände noch weiter wachsen zu lassen. Sie stellen sich vor, die autofreie Zone auf der Leopoldstraße nach Norden bis zum Parzivalplatz auszudehnen.

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Dadurch soll das für viele noch nicht vertraute neue Stadtquartier Schwabinger Tor integriert und den Besuchern auf der Extra-Fläche ein spezielles Programm geboten werden. Das Grundgesetz-Jubiläum und die Europawahl sollen ihren Niederschlag in Ausstellungen und Diskussionsrunden finden. Der Corso-Verein will den Besuchern zudem innovative Mobilitätskonzepte nahebringen; angeblich sollen sogar Probeflüge mit Flugtaxis möglich sein.

In mehreren Besprechungsrunden haben Vertreter der städtischen Behörden sowie von Polizei, Feuerwehr und der Münchner Verkehrsbetriebe (MVG) allerdings bereits ihre Bedenken deutlich gemacht - und die haben sich nun in der Summe zu erheblichen Bauchschmerzen ausgewachsen, in den Worten der Stadtverwaltung: "Aufgrund der vorliegenden Stellungnahmen kann das Kreisverwaltungsreferat keine Ausweitung der Veranstaltungsfläche aufgrund der unverhältnismäßigen Auswirkungen und sicherheitsrechtlichen Bedenken in Aussicht stellen."

Der Hauptknackpunkt: Der Trambahnbetrieb soll weiterlaufen, die Zügen mitten durch die Feierzone fahren. Die Münchner Verkehrsbetriebe (MVG) sehen ausweislich des Beschlusspapiers kein Problem, wenn die Trasse "nicht Bestandteil der Veranstaltungsfläche ist" und die Züge nur mit Tempo 20 fahren. Drei der neun Buslinien müssten umgeleitet werden. Maßgeblich für das KVR ist aber die Einschätzung des Polizeipräsidiums München, das es als "unumgänglich" ansieht, den Tramverkehr einzustellen.

Die Beamten sehen die Sicherheit der Besucher nicht garantiert. Es werden mögliche Unfälle im Bereich der Strom-Oberleitungen genannt, etwa durch Luftballons; ferner sieht die Polizei die Gefahr, dass Besucher ungeachtet der Absperrungen die Gleise queren, mithin die Züge im Festtrubel kaum hörbar seien. Kritisch wird auch angemerkt, dass an den Kreuzungen, wo das Queren möglich wäre, Ordner jedes Mal den Besucherstrom unterbrechen müssten, wenn eine Tram naht.

Hinzu kommt: Auf der Ostseite läge die Polizeiinspektion 13 im Corso-Bereich, deren Einsatzfähigkeit eingeschränkt wäre, wie die Polizei schreibt; auch Rettungsdienst und Feuerwehr müssten Umwege fahren, etwa zum Schwabinger Krankenhaus, wie das Kreisverwaltungsreferat selbst ergänzt, das es insgesamt für "nur schwer vorstellbar" hält, die Tram-Trasse aus dem Geschehen herauszutrennen.

In einer ersten Stellungnahme zeigt der Corso-Verein zwar Verständnis für die skeptische Haltung. "Im Ergebnis bleiben wir der Auffassung, dass die Erweiterung des Corso Leopold machbar (...) ist", schreibt die Vereinsführung an die Stadt. Die Einschränkungen würden durch attraktive Angebote aufgewogen; das Vorhaben sei "zum Nutzen des Gemeinwesens".