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Coronavirus in München:Mit Mundschutz attraktiv wie nie zuvor

Kabinettssitzung Bayern

Markus Söder mit der Bayernmaske Typ "Landgasthof".

(Foto: dpa)

Die Corona-Krise wird irgendwann überwunden sein, die Mund-Nase-Maske aber könnte der Stadt noch lange erhalten bleiben.

Ob in der Zeit nach Corona ehedem unvorstellbare Phänomene wie Geisterspiele, hausgemachte Haarschnitte oder mehrmals täglich Händewaschen bleiben werden, ist ungewiss. Eines aber ist sicher: Die Mund-Nasen-Maske wird überleben. Für die Dame von Welt und den Gentleman von Rang, deren exquisiteste Erscheinungsformen ausschließlich in München zu Hause sind, wird es in Zukunft undenkbar sein, im Kleiderschrank nicht eine größere Kollektion modischer Corona-Masken aus den Häusern Dior, Versace oder Trigema zu haben. Dies jedenfalls ist die Erkenntnis, zu welcher zumindest der gereifte Mensch gelangt, wenn er morgens in den Spiegel blickt.

Die Mundwinkel hängen herunter, die Lippen sind spröde und von Falten umsäumt, und das Kinn war auch schon mal straffer. Nö, sagt man sich, mit dem Kerl will ich nichts zu tun haben. Kaum aber hat man den Mund-Nasen-Schutz angelegt, ist der Luschi im Spiegel wie verwandelt. Feurig funkeln die Augen in die Welt, wohingegen die unvorteilhaften Partien von der Nase abwärts mit einem schwarzen Tuch bedeckt sind, das vor Corona zum Schuhpolieren diente. Genau so einen Mundschutz pflegten die Cowboys im Wilden Westen bei Wirbelstürmen oder Banküberfällen zu tragen. Und was soll man sagen: Im Grunde genommen sieht man jetzt aus wie Charles Bronson oder Clint Eastwood. Auf alle Fälle verwegen und unwiderstehlich.

Noch wirkungsvoller sind die offiziellen Corona-Masken aus der Apotheke mit dem medizinischen Türkisgrün auf der Vorderseite. Männer, die so eine Maske tragen, umgibt sofort die Aura des Chefarztes, die unumstrittene Autorität eines Halbgottes in Weiß. Bei Rendezvous mit Damen entfaltet die Chefarzt-Maske eine umwerfende Wirkung, weshalb auch nach der Corona-Zeit kein Mann auf sie verzichten wird. Frauen wiederum verleiht der Mund-Nasen-Schutz etwas Geheimnisvolles. Es ist, als wären sie eine dieser zauberhaften Traumwesen aus Tausendundeinernacht, die alle Mysterien des Orients verkörpern.

Nicht zuletzt deshalb halten Verschwörungsschwurbler die Maskenpflicht für eine Zwangsmaßnahme zur Islamisierung des Abendlands. Vernünftige Leute aber sehen im Mund-Nasen-Lappen nur Vorteile. Der Mensch spart sich Lippenstift oder Rasur und ist dennoch so attraktiv wie nie zuvor. Und so ein modisches Accessoire muss nicht teuer sein. Söder zum Beispiel hat eine weiß-blaue Serviette als Virenschutz, Modell Landgasthof - und vermutlich dort mitgenommen.

© SZ vom 25.05.2020/vewo
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