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Corona-Krise:Tafel verteilt weiter an Bedürftige

Tafeln denken über Lieferdienste nach

Die Münchner Tafel feierte im vergangenen Jahr ihr 25-jähriges Bestehen.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
  • Die Münchner Tafel hat ihre hygienischen Vorkehrungen wegen der Ausbreitung des Coronavirus verschärft.
  • Einige der mehr als 650 ehrenamtlichen Helfer gehören zur Risikogruppe der Menschen höheren Alters.
  • Ein Mangel an Lebensmitteln besteht bislang nicht.

Von Sven Loerzer

Um weiterhin regelmäßig mehr als 20 000 Bedürftige mit Lebensmitteln versorgen zu können, hat die Münchner Tafel in Abstimmung mit dem Kreisverwaltungsreferat ihre hygienischen Vorkehrungen wegen der Corona-Pandemie verschärft. "Wir arbeiten mit Einmal-Handschuhen und Abstand", sagt Tafel-Vorsitzende Hannelore Kiethe. Im Hinblick darauf, dass einige der mehr als 650 ehrenamtlichen Helfer zur Risikogruppe der Menschen höheren Alters gehören, haben bereits viele junge Leute der Tafel angeboten, für die Verteilung einzuspringen.

"Wir sind dabei, einige Helfer aus den Risikogruppen freizustellen", jeder könne selbst entscheiden, ob er aussetzen wolle. Für die spontane Unterstützung durch jüngere Leute ist Kiethe sehr dankbar: "Wir wollen mit den Jüngeren ein mobiles Einsatzteam bilden." Auf diese Weise soll die Verteilung möglichst an allen 27 Ausgabestellen aufrecht erhalten werden, auch wenn einige, wo bisher Partner wie die Caritas die Verteilung übernehmen, schließen. "Wir tun unser Bestes", betont Kiethe, "denn unsere Gäste können keine Hamsterkäufe machen, sie brauchen uns."

Während kleinere Tafeln auch im Münchner Umland ihre Ausgabe bereits vorübergehend eingestellt haben, weil sie nicht mehr genügend Waren zum Verteilen bekommen, kann sich die Münchner Tafel auf ihre Partner verlassen: "Wir haben ein großes Netzwerk aufgebaut und deshalb Gott sei Dank nicht unter Mangel an Lebensmitteln zu leiden."

Die Münchner Tafel, die im vergangenen Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern konnte, ist sehr professionell organisiert. Mit insgesamt 18 Fahrzeugen holt sie die gespendeten Waren von ihren Partnern ab, sortiert und verteilt sie, jede Woche sind das etwa 125 Tonnen Nahrungsmittel. "Wir arbeiten auf einem ganz hohen Niveau auch von der Hygiene her", sagt Hannelore Kiethe. "So wie wir das schon von Anfang an besprochen haben mit dem Kreisverwaltungsreferat für unsere Ausgabestellen." Im Hinblick auf die Corona-Pandemie sind die Ausgabestellen, die jeweils in den Stadtvierteln zu festen Terminen aufgebaut werden, verändert worden.

"Die Ware wird jetzt nach hinten gestellt, sodass sie keiner von unseren Gästen berühren kann." Die Tafel-Gäste sind nun durch Biertische, vor denen Bierbänke zum Abstellen von Taschen stehen, von den Helfern getrennt. Sie greifen nach hinten, um die Ware einzupacken, und reichen dann die Tasche über den Tisch an die Gäste der Tafel weiter. "Das klappt sehr gut mit der Ausgabe von hinten nach vorne", sagt Kiethe. "Unsere Helfer arbeiten jetzt mit noch mehr Abstand. Wir haben eine ganz verantwortungsbewusste Truppe, sie ziehen alle mit." Auch die Tafel-Gäste sind, zumindest bislang, nicht ausgeblieben: "Wir ziehen die Schlangen auseinander, damit die Menschen sich gut und sicher fühlen."

Der Tafel komme zugute, dass sie ein großes Netzwerk an Partnern aufgebaut habe. Vieles werde direkt beim Hersteller abgeholt, derzeit bestehe noch kein Mangel. "Unser Lager ist recht gut ausgestattet." Für alle Fälle hat CSU-Stadträtin Alexandra Gaßmann in einem Dringlichkeitsantrag zur Vollversammlung am Mittwoch gefordert, der Tafel mit einem außerordentlichen Zuschuss zu helfen, Lebensmittel zuzukaufen, wenn die Sachspenden nicht reichen.

© SZ vom 17.03.2020/amm
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