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Neues Behandlungszentrum:Ein Krankenhaus im Krankenhaus

Coronavirus - Besuch Intensivstation

Politikervisite: Ministerpräsident Markus Söder (CSU, links) und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD, rechts) unterhalten sich im Krankenhaus München Schwabing in einem Zimmer der Intensivstation.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Die städtische München Klinik hat in Schwabing eine Abteilung geschaffen, die komplett für die Versorgung von Covid-19-Patienten zur Verfügung steht. Ein Rundgang.

Experten sind sich nicht in allem einig, was Corona betrifft, in einem aber schon: Wir werden noch lange mit dem Virus leben müssen - zumindest, bis ein Impfstoff gefunden ist. Für Krankenhäuser bedeutet das, dass sie nach der vorerst abgewendeten Katastrophe nicht einfach zum Normalbetrieb zurückkehren können. Sie müssen sich behutsam an eine neue Normalität annähern, das Thema Corona immer mitdenken und langfristig neue Strukturen aufbauen. Die städtische München Klinik hat deshalb in Schwabing nun ein Haus geschaffen, das künftig komplett für die Versorgung von Covid-19-Patienten zur Verfügung steht.

In Schwabing wurden Ende Januar die allerersten Patienten aus dem sogenannten Webasto-Cluster versorgt; das Krankenhaus hat somit von allen Kliniken in Deutschland die längste Erfahrung im Umgang mit Corona. An den vier großen Standorten der München Klinik sind insgesamt bisher mehr als 800 Covid-Erkrankte behandelt worden. Früh begannen die Häuser, Patientenströme konsequent zu trennen, um Ansteckungen zu verhindern. Diese Trennung wird nun durch das umgebaute Haus 3 am Standort Schwabing, der in Pavillon-Bauweise aus vielen Einzelbauten besteht, weiter verstärkt.

Das Haus funktioniert wie ein eigenes Krankenhaus im Krankenhaus. In dem Gebäude ist eine neue Covid-Intensivstation mit 18 Betten entstanden. Zudem gibt es dort nun eine Abklärungsstation, auf der Intensivpatienten unterkommen können, bei denen noch unklar ist, ob sie infiziert sind. "Hier wird sozusagen die Weiche gestellt", sagt Niklas Schneider, der als Oberarzt für die neue Station verantwortlich ist. Wenn das Testergebnis da ist, entscheidet sich, ob der Patient auf der Covid-Station bleibt oder auf eine andere Station verlegt wird. Darüber hinaus gibt es in dem Gebäude nun auch 85 Betten für Covid-Patienten, die keine Intensivbehandlung benötigen. Bei einem Rundgang haben sich am Donnerstag Ministerpräsident Markus Söder und Oberbürgermeister Dieter Reiter das ausgeklügelte System erklären lassen - von Klinik-Geschäftsführer Axel Fischer, Oberarzt Niklas Schneider und der pflegerischen Stationsleiterin Esther Kaaden.

Ganz einfach ist es nicht, in dem Tross den Mindestabstand einzuhalten. Besser klappt das nach dem Rundgang draußen vor der Klinik, wo ein nun maskenloser Söder vor Fernsehkameras das Konzept als Vorsorgemaße begrüßt - auch wenn viele Covid-Betten derzeit nicht belegt sind. Es sei ein atmendes System. "Eine solche Station ist auch für eine zukünftige Pandemie, egal welcher Art, eine gute Vorsorge." Es sei für ihn "ein Gebot der Klugheit und Vorsicht", in Bayern den bisherigen zurückhaltenden Weg bei den Erleichterungen fortzusetzen und zugleich auf eine mögliche neue Welle vorbereitet zu sein.

Das Klinikpersonal, das Söders Auftritt mit Smartphones in den Händen mitverfolgt, dürfte vor allem aufhorchen, als der Ministerpräsident verkündet, als Konsequenz aus der Corona-Krise müsse mehr Geld fürs Gesundheitssystem ausgegeben werden. Es müsse untersucht werden, wo auch bei der Verteilung der Mittel etwas verbessert werden könne. "Die Bezahlung der Pflegekräfte ist sicher das eine, was dringend angegangen werden muss." Ebenso stelle sich die Frage, welche Betten wie finanziert werden sollten, und wie die Finanzierungsverteilung auf Bundesebene sei. "Wir müssen generell bereit sein, mehr Geld auszugeben für Gesundheit", betont Söder. Vor allem die öffentlichen Häuser müssten deutlich gestärkt werden.

Deutschland habe die Krise auch aufgrund seines guten Gesundheitssystems gut gemeistert. "Und diesen Vorsprung darf man nicht verspielen, den muss man eher ausbauen." Dieter Reiter pflichtet ihm bei. Söder habe mit seiner medizinischen Einschätzung "leider recht", so der Oberbürgermeister - "und mit allem anderen auch". Man werde aus der Krise mitnehmen, dass Menschen in Gesundheitsberufen "systemrelevante Personengruppen" sind. Das dürfe sich nicht nur "in Sonntagsreden manifestieren", sondern müsse auch "in Euro und Cent umgesetzt werden".

© SZ vom 15.05.2020/syn
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