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Gesundheit in München:Der letzte Coronavirus-Patient darf nach Hause

Coronavirus - Erster Fall in Deutschland

Für das Klinikum München-Schwabing ist nun eine Ausnahmesituation vorbei.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
  • Nun ist auch der letzte der insgesamt 14 Coronavirus-Patienten in Bayern wieder zu Hause, er wurde aus dem Klinikum München-Schwabing entlassen.
  • Am Donnerstagabend wurde jedoch ein weiterer Fall aus Mittelfranken bekannt.
  • Die bayerischen Behörden rüsten sich für den Fall, dass infolge des Ausbruchs in Italien weitere Infektionen bekannt werden.
  • Gut 230 Menschen wurden in Bayern zu Hause unter Quarantäne gestellt, weil sie Kontakt zu einem der Erkrankten hatten. Fast alle dürfen inzwischen wieder unter Menschen.

Nach gut vier Wochen ist Bayern offiziell wieder Coronavirus-frei geworden - zumindest für ein paar Stunden. Der letzte Patient sei aus dem Krankenhaus entlassen worden, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstagnachmittag mit. Nähere Angaben zur Person machte es nicht. Er war im Klinikum München-Schwabing behandelt worden, nachdem er sich mit dem neuartigen Erreger Sars-CoV-2 angesteckt hatten.

Am späten Donnerstagabend wurde dann aber gemeldet, dass sich ein Mann aus Bayern mit dem Virus infiziert hat. Er stammt aus Mittelfranken, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mit. Insgesamt sind in Bayern damit 15 Coronavirus-Fälle bekannt geworden, der erste davon vor viereinhalb Wochen.

Die Behörden rüsten sich angesichts des Ausbruchs in Italien für weitere Infektionen, das bundesweit zuständige Robert-Koch-Institut hat Teile des Landes inzwischen zum Risikogebiet erklärt. Am Freitag trifft sich ein Teil des bayerischen Kabinetts zu einer Sondersitzung. In den Faschingsferien seien viele Menschen in Italien und kämen per Flugzeug, Bus oder mit dem Auto zurück, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) bereits am Dienstag. Reisende wolle man besser über die Lungenkrankheit Covid-19 aufklären, beispielsweise solle vermehrt in Zügen informiert werden. Es sei ganz wichtig, "dass wir diejenigen, die betroffen sein könnten, erreichen".

Alle bisherigen Infektionen in Bayern gingen auf Kontakte in der Firma Webasto bei München zurück. Neun der ursprünglich 14 Patienten waren Mitarbeiter, bei den weiteren handelte es sich um Angehörige, unter ihnen waren auch mindestens zwei Kinder. Nachdem der erste Fall am 27. Januar bekannt geworden war, hatten die Behörden und der Automobilzulieferer weitreichende Konsequenzen gezogen: Die Firma schloss ihre Zentrale in Stockdorf südwestlich von München für zwei Wochen komplett. Unter Federführung des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ermittelten die örtlichen Gesundheitsämter mögliche Kontaktpersonen von Infizierten.

Wer mit ihnen engeren Kontakt hatte, wurde für zwei Wochen zu Hause unter Quarantäne gestellt. Das traf laut LGL insgesamt mehr als 230 Menschen in Bayern, bei ihnen sei - mit Ausnahme "einiger weniger" Personen - diese sogenannte häusliche Isolierung inzwischen aufgehoben. Sie alle wurden auch mindestens zweimal auf den Erreger getestet. Damit wich das LGL anfangs von den Empfehlungen des bundeseigenen Robert-Koch-Instituts ab: Das sah zu dieser Zeit Testungen nur für Personen aus dieser Gruppe vor, die auch Krankheitssymptome wie Husten oder Fieber zeigten. Diese Einschränkung wurde in Bayern nicht gemacht, um die Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 einzudämmen.

Mit dem neuen Infektionsfall aus Mittelfranken steigt die Zahl der Infektionen in Bayern insgesamt auf 15. 14 davon gehen auf den Ausbruch bei Webasto zurück - wie auch ein weiterer Patient aus Bayern, der in den Statistiken allerdings als spanischer Fall geführt wird: Im Urlaub auf La Gomera wurde vor vier Wochen ein Mann aus dem Landkreis Landsberg positiv auf das Virus getestet und dann auch auf der spanischen Insel behandelt, er hatte zuvor ebenfalls Kontakt zu einem infizierten Webasto-Mitarbeiter. Laut LGL ist er seit einiger Zeit wieder gesund zurück in Bayern.

Für das Klinikum München-Schwabing ist die Ausnahmesituation vorerst vorbei. Es war zum Zentrum der Coronavirus-Medizin in Bayern geworden, in der dortigen Klinik für Infektiologie wurden neun der 14 Patienten behandelt. Gleichwohl betonte das städtische Krankenhaus in den vergangenen Wochen immer wieder, dass der Betrieb auf den anderen Stationen ohne Einschränkungen weitergelaufen sei und es wegen der Zimmer-Isolierung der Coronavirus-Patienten nie eine Ansteckungsgefahr für andere Patienten oder Besucher gegeben habe.

© SZ.de/amm/mmo
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