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Kreativ in der Krise:Gourmetrestaurants aus München bieten Videokochkurse an

Italia in Casa

Eine Kombination aus Videokochkurs und kontaktloser Weinprobe, das ist das neue Konzept der italienischen Gourmetrestaurants.

(Foto: Susanne Wess/oh)

Vier Gastronomen zeigen per Stream, wie man zuhause gut italienisches Essen kochen kann - und nebenher gibt's eine kontaktlose Weinprobe.

Von Franz Kotteder

Antonino Denami ist ein Pionier. Der Chefkoch des Restaurants Vecchia Lanterna, eines trotz des eher simplen Namens ("Altes Laternderl") durchaus gehobenen italienischen Ristorante im Lehel, war einer der ersten Münchner Gastronomen, die nach der Zwangsschließung etwas Neues ausprobiert haben. Zusammen mit den Kollegen vom Martinelli in Bogenhausen, vom Acetaia in Neuhausen und dem Katzlmacher in der Altstadt kam er auf die Idee: Wir helfen jetzt den Leuten beim Kochen daheim und füllen sie dabei noch schön mit Wein ab.

Eine Kombination aus Videokochkurs und kontaktloser Weinprobe, sozusagen. "Italia in casa" nennen die vier Gourmetrestaurants ihr Konzept. Es funktioniert ganz einfach: Man bucht so einen Kurs über die Webseite www.italiaincasa.de, bekommt den Wein und einige Grundzutaten gut verpackt und mit kontaktloser Übergabe in die Wohnung geliefert, und schaltet sich dann am jeweiligen Tag zur richtigen Uhrzeit zur Videokonferenz dazu. Parallel dazu kocht man in der eigenen Küche selber mit, kann an den Koch auf der anderen Seite des Bildschirms auch Fragen stellen und sich Tipps geben lassen. Nach erfolgreicher Küchenarbeit - oder auch währenddessen - kann man die mitgelieferten Weine (in der Regel ein weißer und ein roter) schon mal verkosten. Der Sommelier Jörg Bornmann, der ebenfalls in der Restaurantküche steht, gibt dann dazu die nötigen oder erwünschten Erläuterungen.

Beim Probetermin für die Presse steht eine recht einfache Spezialität aus Kalabrien auf der Karte: Fileja mit Nduja. Fileja, das ist eine Nudelsorte aus Kalabrien, und Nduja eine spezielle, sehr streichfähige Paprikarohwurst aus der gleichen Region, vergleichbar in etwa der mallorquinischen Sobrasada. Überhaupt haben sich Antonino Denami und die Crew der Vecchia Lanterna Mühe gegeben, sehr authentische Zutaten zu verwenden. So findet man in der gelieferten Tüte auch eine rote Tropea-Zwiebel oder einen Viertelliter Olivenöl aus Kalabrien (bei anderen Kursen von Italia in casa sollte man die Zutaten am besten frisch im Supermarkt besorgen).

Der Testlauf gestaltet sich durchaus lustig, vor allem, wenn man den Wein schon beim Kochen aufmacht. Das Rezept ist zwar simpel und auch von weniger versierten Köchen gut zu bewältigen. Denami, ein Profi halt, ist aber recht fix und muss noch seinen Rhythmus finden, damit die anderen Teilnehmer der Videokonferenz auch mitkommen. Auch die eine oder andere Nahaufnahme wäre schön gewesen.

Italia in Casa

Parallel zur Videokonferenz kocht man in der eigenen Küche selber mit, kann an den Koch auf der anderen Seite des Bildschirms auch Fragen stellen und sich Tipps geben lassen.

(Foto: Susanne Wess/oh)

So aber hat man zeitweise Schwierigkeiten, zwischen dem eigenen Schneidebrett und dem Bildschirm hin- und herzuschauen. Das erinnert dann ein wenig an eine Sternstunde des Medienjournalismus, als nämlich in Großbritannien Pay-TV mit verschlüsselten Pornokanälen eingeführt wurde, in denen man zwar den Ton hören, aber nichts sehen konnte. Britische Zeitungen machten sich einen Spaß daraus, anhand der Tonspur zu erraten, was auf dem Bildschirm zu sehen sein könnte. Mit äußerst komischen Ergebnissen! Ein bisschen so kam man sich zwischenzeitlich auch bei "Italia in casa" vor.

Aber nur kurz. Das Gericht gelang bestens, der Schwierigkeitsgrad war ja auch nicht allzu hoch. Denami gelobt, es künftig etwas behutsamer angehen zu lassen, und zur Not kann man sich ja alles noch einmal in der Aufzeichnung ansehen - wenn alle Teilnehmer auch zugestimmt haben, dass aufgezeichnet werden darf, klar. Der weiße 2017er Mantonico von Statti erwies sich als schöner Trinkwein. Sein rotes Pendant, der Cauro, ebenfalls von Statti und vom Jahrgang 2017, der zwölf Monate in Barriquefässern lagern durfte, passt auch zu festlicheren Mahlzeiten.

Weil der Wein dabei ist, kosten die Videokochkurse in der Regel zwischen 120 und 180 Euro. Von Donnerstag bis Sonntag gibt es diese Woche wieder tägliche Kochkurse, nacheinander mit der Vecchia Lanterna, dem Acetaia, dem Martinelli und dem Katzlmacher. Künftig will man auch virtuelle Weinproben mit wechselnden Sommeliers anbieten.

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© SZ vom 15.04.2020/kafe

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