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Polizei:Wie sich die Polizei in der Corona-Krise aufstellt

Der Streifendienst ist so organisiert, dass sich eine ganze Dienststelle eigentlich nicht gegenseitig infizieren kann

Der Streifendienst ist so organisiert, dass sich eine ganze Dienststelle eigentlich nicht gegenseitig infizieren kann.

(Foto: Robert Haas)
  • Die Münchner Polizei nimmt personelle Maßnahmen vor, um ihre Mitarbeiter im Innen- und Außendienst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen.
  • Neben Änderungen im Schichtbetrieb können auch Bürger einiges dazu beitragen, Ansteckungen zu vermeiden.
  • Strafanzeigen sollen vermehrt online gestellt werden.
  • In einigen deutschen Städten versuchen Trickbetrüger, die Coronakrise auszunutzen.

Wer auf einer Münchner Polizeiinspektion eine Anzeige erstatten möchte, der muss neuerdings ein paar Fragen mehr beantworten als üblich. Die Eingangstüren sind verriegelt, man muss erst klingeln. Das war früher schon so. Aber bevor der Summer ertönt, fragt jetzt eine Stimme aus der Gegensprechanlage: Haben Sie irgendwelche Erkältungssymptome? Waren Sie in den vergangenen Wochen in einem Corona-Risikogebiet? Polizeibeamte sollen die Sicherheit in der Stadt gewährleisten; mehr als früher müssen sie aber auch an ihre eigene Sicherheit denken.

Ein Beispiel aus der vergangenen Woche zeigt exemplarisch, wie ein einziger Infektionsfall alles durcheinanderbringen und einer ganzen Behörde Probleme bereiten kann: Nachdem ein Beamter der Inspektion 25 in Trudering-Riem positiv getestet wurde, rekonstruierten die Kollegen, dass der Mann mit mehr als zwei Dutzend Kolleginnen und Kollegen in unterschiedlichen Dienststellen in direktem Kontakt gestanden hat. Die müssen nun alle als sogenannte "Kontaktperson 1" so lange zuhause bleiben, bis ausgeschlossen wurde, dass sie sich auch infiziert haben.

Mit ihren sechseinhalb Tausend Mitarbeitern hat die Münchner Polizei die Kapazitäten, um so einen Ausfall zu verkraften. Aber was, wenn es mit weiterer Verbreitung des Virus bald viele solche Fälle gibt? Derzeit handle es sich bei den meisten Kollegen, die wegen Selbstquarantäne aus dem Dienstplan fallen, noch um Reiserückkehrer, die an Orten Urlaub gemacht hätten, die später vom Robert Koch-Institut als Risikogebiete eingestuft wurden, erklärt Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins.

Das dürfte sich aber bald ändern: "Wir werden zunehmend im öffentlichen Raum mit Personen zu tun haben, die selbst Infiziert sind oder zu Infizierten Kontakt hatten", ist sich Martins sicher. Damit ein Verdachtsfall nicht gleich eine ganze Dienstgruppe lahm legen kann, habe das Präsidium die Abläufe in allen Bereichen umgestellt. Die Leitstelle, in der Notrufe angenommen und Einsätze disponiert werden, arbeitet seit vergangener Woche in zwei getrennten Teams in unterschiedlichen Räumen. Begegnungen zwischen den Mitarbeitern unterschiedlicher Teams sollen vermieden werden. Übergaben zwischen den Schichten werden per Telefon oder schriftlich durchgeführt.

Der Streifendienst ist ohnehin im Vier-Schichten-System organisiert. Das hat zur Folge, dass sich jeweils zwei Schichten nie persönlich begegnen, schon allein dadurch ist die Gefahr geringer, dass eine ganze Dienststelle sich gegenseitig infiziert.

Vermehrt wählen derzeit Bürger den Notruf, weil sie Fragen zu Corona haben und nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen. Polizei und Feuerwehr bitten dringend darum, sich stattdessen an das Bürgertelefon zu wenden, das die Stadt für diese Fragen eingerichtet hat. Es ist unter der Nummer 233-44740 zu erreichen. Die 112 und die 110 müssten für Notfälle freibleiben.

Auch Bürger können ihren Teil zur Entlastung beitragen

Um die Dienststellen zu entlasten und persönliche Kontakte wo es geht zu vermeiden, bittet die Polizei außerdem darum, alle Strafanzeigen online zu stellen, bei denen das möglich ist. Unter der Adresse www.polizei.bayern.de können unter anderem Fahrraddiebstahl, der Diebstahl von Teilen aus einem Kraftfahrzeug, Sachbeschädigungen an einem Kfz und Betrug bei Online-Auktionen angezeigt werden. Wer in einem Notfall die 110 wählt, wird gebeten, die Leitstelle darüber zu informieren, falls er selbst an Covid-19 erkrankt ist oder Kontakt zu einem Infizierten hatte. Dann kann die Streife sich rechtzeitig darauf einstellen, wenn sie an den Einsatzort kommt. Die Polizei bittet um Verständnis, dass es bei der Bearbeitung von Anzeigen aus Gründen des Infektionsschutzes zu Verzögerungen kommen kann.

Dass viele Menschen nun zuhause bleiben, um die Verbreitung des Virus zu bremsen, schlägt sich bisher noch nicht in den Einsatzzahlen der Polizei nieder. Derzeit seien es im Schnitt etwa 900 Einsätze in 24 Stunden, teilt das Präsidium mit - eine übliche Zahl für diese Jahreszeit.

In anderen deutschen Städten wurden derweil Fälle bekannt, in denen Betrüger die Corona-Angst ausnutzen, um an das Geld ihrer Opfer zu kommen. So wurde unter anderem der sogenannte "Enkeltrick" modifiziert: Ein Anrufer stellt sich Senioren als deren Enkel vor; er sei am Virus erkrankt, liege in der Klinik und brauche dringend Geld. In München seien solche Fälle bisher nicht bekannt geworden, heißt es aus dem Präsidium. Interpol warnte am Dienstag vor sogenannten Fake Shops, Verkaufsportalen im Internet, die Hygieneartikel und Atemmasken billig anbieten, aber dann nicht liefern und sich mit dem Geld aus dem Staub machen.

Auch die Münchner Feuerwehr bittet darum, gleich am Telefon mitzuteilen, wenn ein Corona-Verdacht besteht. Der Rettungsdienst hat ohnehin immer Atemschutz im Gepäck; so weiß er aber, dass er ihn gleich aufsetzen muss. Es habe bereits solche Fälle mit Corona-Verdacht bei Patienten gegeben, berichtet ein Sprecher der Berufsfeuerwehr.

Aber ähnlich wie bei der Polizei sind es noch die Urlauber aus den Krisengebieten, die gerade im Dienstplan fehlen. Und die Fernpendler: Viele Rettungskräfte der Berufsfeuerwehr fahren 70 Kilometer und mehr zur Arbeit. Das Arbeitszeitmodell mit 24-Stunden-Schichten und mehreren freien Tagen am Stück macht es möglich. Dazu kommen die hohen Mieten in München. Allerdings hat sich jetzt herausgestellt, dass das auch Risiken mit sich bringt: Mehrere Feuerwehrleute, die ihren Wohnsitz in Tirol haben, können nun vorerst gar nicht mehr zur Arbeit kommen.

© SZ vom 18.03.2020/wean
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