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Plakat-Designer:"Was ist schon ein Wiesnplakat?"

Das Wiesnplakat 2020 und sein Schöpfer: Ulrich Peter, 52, arbeitet als freiberuflicher Grafiker in seiner Geburtsstadt Kaufbeuren.

(Foto: privat)

Ulrich Peter designte das Oktoberfest-Poster, das nun in die Geschichte eingehen dürfte. Zwar ist er enttäuscht, doch ihm schadet die Wiesn-Absage nicht.

Interview von Sebastian Krass

SZ: Herr Peter, Ende Januar sind Sie gekürt worden zum Gewinner des diesjährigen Wiesnplakat-Wettbewerbs. Was bedeutet die Absage des Oktoberfests nun für Sie?

Ulrich Peter: Auf einer persönlichen Ebene ist es schade und eine große Enttäuschung. Man hat viel Arbeit reingesteckt, das Ziel erreicht, und nun kommt es nicht zum Zug. Aber wenn man den Rahmen größer spannt, ist es ein kleines Mosaiksteinchen am Rande. Bayernweit, deutschlandweit oder international sind die Probleme ganz andere, sodass ich denke: Was ist schon ein Wiesnplakat?

Vielleicht gehen Sie in die Geschichte ein als die Person, die das Plakat zur ausgefallenen Wiesn gemacht hat.

Den Gedanken hatte ich auch schon. Es ist auf jeden Fall ein besonderes Plakat, und tatsächlich gingen bei mir am Dienstag kurz nach der Pressekonferenz von Söder und Reiter mit der Absage vermehrt Anfragen ein, ob man das Plakat oder die Sammlerkrüge bei mir kaufen könnte. Ich hätte schon 50 Plakate verkaufen können.

Was antworten Sie, es wurden ja immerhin 10 000 Plakate gedruckt?

Dass ich dazu gar nicht berechtigt bin. Ich habe zwar Belegexemplare des Plakats bekommen, gedruckt in zwei Formaten. Aber das ist nur für mein Archiv oder vielleicht zum Verschenken an Freunde. Der Verkauf ist mir nicht gestattet, da die Nutzungsrechte bei der Stadt München liegen. Ich leite die Interessenten dann weiter an das Referat für Arbeit und Wirtschaft. Mit denen habe ich am Dienstag kurz telefoniert. Dort gibt es auch die Nachfragen.

Wie geht es denn weiter mit Ihrem Plakat, wird es nächstes Jahr wiederverwendet?

Ich habe die letzten Tage und Wochen, als sich die Absage des Oktoberfests abgezeichnet hat, auch drüber nachgedacht. Eine Option wäre, es nächstes Jahr zu recyceln mit neuem Datum. Dafür würde auch sprechen, dass das Feedback zu meinem Plakat sehr positiv war. Das würde aber bedeuten, dass man im Herbst keinen neuen Wettbewerb auslobt und dadurch weniger PR für die Wiesn im Januar hat. Doch das ist alles meine Spekulation, ich habe dazu noch keine Informationen.

Entgeht Ihnen Geld durch die Absage?

Nein, am Verkauf bin ich nicht prozentual beteiligt, das ist in der Ausschreibung zum Wettbewerb geregelt. Es gibt ein Preisgeld.

2500 Euro für den Gewinner.

Richtig, und dazu gibt es einen noch größeren Betrag, mit dem man die Nutzungsrechte an die Stadt verkauft. Das ist alles abgewickelt. Ich habe keinen Schaden durch die Absage der Wiesn.

Abgesehen vom Geld, hat Ihnen der Wettbewerb sonst noch etwas gebracht?

Es hat auf jeden Fall meinem Geschäft und meiner Arbeit gut getan. Ich kann das nicht in Zahlen beziffern. Aber es ist erstaunlich, welche Kreise das zieht und welche Aufmerksamkeit das Thema hat. Noch am Tag der Bekanntgabe des Gewinners haben mich viele kontaktiert und gratuliert. Auch mit Kunden, die man länger nicht gehört hat, bin ich wieder ins Gespräch gekommen. Für mich ist es eine tolle Sache, den Preis gewonnen zu haben.

Wie kamen Sie auf den Entwurf?

Ich hatte ja vorher schon zweimal teilgenommen bei dem Wettbewerb, jeweils mit moderneren Motiven. Beim ersten Mal habe ich das Publikumsvoting überstanden und bin in die Top 30 gekommen, in der Fachjury ging es dann nicht weiter. Beim zweiten Mal war ich noch mutiger und moderner und habe es nicht in die Top 30 geschafft. Beim dritten Mal habe ich mir gedacht: Geh' ich eben auf traditionell. Dazu kommt, dass um alles, was handgezeichnet ist, gerade ein unglaublicher Hype ist. Das sieht man auch im Einzelhandel: das Image Natur und Tradition in Kombination mit dem Thema plastikfrei ist wahnsinnig präsent. Ganz oft sieht man auch Kreidetafeln, auf denen mit verschiedenen Schriften gearbeitet wird.

Und wie kamen Sie dann zum Motiv?

Ich dachte mir: Was eignet sich besser als zentrales Element als die Breze? Bierkrug wollte ich nicht machen, das ist mir zu alkohollastig.

Haben Sie das auf Papier gezeichnet? Und wie lang haben Sie daran gearbeitet?

Nein, mit Grafikprogramm und Stift auf dem Tablet. Insgesamt waren es vier Tage.

Wie ist Ihre persönliche Beziehung zum Oktoberfest?

Ich habe noch mal meine Mutter gefragt: Der letzte Besuch mit der Familie war 1980, in dem Jahr des Anschlags. Danach noch mal als Jugendlicher. Seitdem war es eine längere Pause, in diesem Jahr ist es ein guter Anlass, mal wieder hinzugehen, dachte ich. Das ist jetzt durchkreuzt, hoffentlich klappt es nächstes Jahr dann.

Wenn es für nächstes Jahr doch wieder einen Wettbewerb gibt, machen Sie mit?

Es kommt ein bisschen darauf an, ob mein Plakat jetzt nur in die Sammlung des Stadtmuseums wandert und sonst öffentlich nicht zu sehen ist, dann würde ich mir noch mal etwas überlegen für nächstes Jahr. Und es kommt auf meine sonstigen Aufträge an, man muss es sich leisten können, die Arbeit vorzuschießen, ohne zu wissen, ob dabei was herauskommt. Aber letztlich würde es mich schon reizen, mal mit einem Wiesnplakat aufzuwarten, das tatsächlich auf dem Oktoberfest zu sehen ist.

© SZ vom 23.04.2020/vewo

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