bedeckt München 30°

Nach Corona-Shutdown:Neustart für Münchens Galerien

Collage: Julia Kienscherf; Fotos: Galerien für zeitgenössische Kunst in München und Bayern

Nach wochenlangem Shutdown und Online-Präsenz freuen sich die Galeristen auf ihre Sammler - und die sich auf kulturellen Austausch. Forderungen an die Politik bleiben bestehen.

Man sollte meinen, dass Max Goelitz derzeit schlecht drauf ist. Der Junggalerist hatte gerade die Münchner Dependance von Häusler Contemporary in einer Seitenstraße der Maximilianstraße übernommen, als der vom Corona-Virus bedingte Shutdown kam. Doch Goelitz hat augenblicklich blendende Laune. Denn kaum durfte er Anfang der Woche seine Galerie wieder aufsperren, hatte er Besucher "am laufenden Band", wie er sagt. Die Neugier darauf, was Goelitz, der früher Galeriedirektor bei Häuslers war, nun in Eigenregie macht, dürfte dabei eine große Rolle spielen.

Ganz so euphorisch sind zwar nicht alle Galeristen in Bayern. Aber alle freuen sich, dass nach dem Stillstand nun wieder etwas vorangeht. So erzählt Deborah Schamoni, dass sofort zahlreiche Reaktionen kamen, als der Newsletter raus war mit der Ankündigung, dass wieder geöffnet ist. "Ich habe das Gefühl, dass die Leute sich richtig freuen, wieder in Galerien gehen zu können", so Schamoni. Und Mathias Jahn von Jahn & Jahn ergänzt: "Die Leute freuen sich auf den kulturellen Austausch und die sozialen Kontakte."

(Foto: GALERIE VON & VON Nürnberg)

Der Ausfall im April inmitten der Hochsaison war für alle Galerien eine harte Prüfung. Viele haben die Zeit genutzt, um aufzuarbeiten, was sonst oft liegen bleibt. Fast alle haben sich online neu aufgestellt und vorhandene Präsenzen verstärkt. Viele haben neben den eigenen Internetseiten vermehrt Verkaufsplattformen wie Artsy oder Artnet bespielt und regelmäßig Storys auf Kanälen wie Facebook und Instagram gepostet. Außerdem wurde die Petition "7 % 4 ART" an Staatsministerin Monika Grütters und Bundesfinanzminister Olaf Scholz auf den Weg gebracht, in der gefordert wird, die Mehrwertsteuer für Kunst generell auf sieben Prozent zu reduzieren. Der Umsatz in den vergangenen sechs Wochen ging bei den meisten "gegen Null", wie Markus Braun-Falco von der Galerieinitiative in München weiß. Und viele haben Soforthilfen beantragt, bestätigt sein Vorstandskollege Andreas Binder.

Für Mathias Kampl kam mit Corona die Zeit, "über das Modell Galerie grundsätzlich" nachzudenken. Mit dem Ergebnis: Kampls werden ihre Galerieräume in diesem Jahr aufgeben. Barbara Gross hatte sich das lange geplante Ende ihrer Galeristenlaufbahn nach mehr als 35 Jahren gewiss anders vorgestellt. Immerhin kann sie ihre Abschiedsausstellung nun doch noch über die Bühne gehen lassen, nachdem es zeitweilig so aussah, als ob sie sich im Corona-Shutdown verabschieden müsste.

© SZ vom 30.04.2020
Streaming vs. Konferenz: Krisensicheres Internet für daheim

Coronavirus in München
:Freizeit, Kultur und Aktivitäten ohne Ansteckungsgefahr

Drinbleiben ist angesagt. Langweilen muss man sich aber nicht: Tipps zum Hören, Sehen, Selbermachen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite