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Corona-Krise in München:Das kleine Bisschen mehr auf der Waage

Wiedereröffnung der Freischankflächen in München nach Lockerungen in der Coronakrise, 2020

Die Terrassen auf den Gehwegen sind wieder geöffnet - das Leben kehrt so langsam wieder auf die Straßen zurück.

(Foto: Stephan Rumpf)

Laut einer statistisch nicht ganz relevanten Erhebung ist der Münchner schwerer als vor seinem Hausarrest. Gut, dass das Leben endlich auf die Straßen zurückkehrt.

Ohne sein Lieblingslokal wochenlang auf die eigenen Töpfe zurückgeworfen, ließ sich beim Münchner ein erstaunliches Phänomen beobachten: Die Nummer auf der Waage stieg proportional zur Dauer der Ausgangsbeschränkung. Ist selbst Kochen etwa gar nicht so gesund, wie gerne behauptet wird? Oder hat der Münchner mit seiner Hefe Butterkuchen statt Brot gebacken? Die leise Gewichtszunahme ist ein umso erstaunlicheres Phänomen, blickt man an einem schönen Tag auf die Wege entlang der Isar, wo sich Heerscharen an Mountainbikern und Joggern ein Rennen liefern. Damit müsste der ganze Nachschlag doch abtrainiert sein? Aber nein. Laut einer nicht ganz statistisch relevanten Erhebung ist der Münchner schwerer als vor seinem Hausarrest. Und wie so oft gibt es dafür nicht die eine unumstößliche Erklärung, vielmehr spielt ein Mix aus mehreren Faktoren eine Rolle.

Nummer eins: Der schon erwähnte Nachschlag. Während im Restaurant (meist) eine angemessene Portion für eine Person serviert wird, verleitet der heimische Topf auf dem Tisch dazu, sich ordentlich nachzunehmen. Ist doch besser gelungen als erwartet, das Mahl! Und vielleicht noch ein kleines bisschen mehr, und - Huch! -, schon lohnt es nicht mehr, etwas für das Mittagessen am nächsten Tag aufzuheben.

Nummer zwei: Mangels anderer Beschäftigungen wie Freunde treffen oder ein Konzert besuchen, wurde Essen zum absoluten Highlight des Tages. Und das will ausgedehnt zelebriert werden.

Nummer drei: gesellschaftlicher Status. Schließlich liebt einen der Kreis der Familie so, wie man ist, und mit jedem dazugewonnenen Gramm gibt es mehr Körper zu lieben. Zumindest redet man sich das so ein. Körper stählen, wozu? Wenn statt Sehen-und-Gesehen-werden im Tambosi doch sowieso Home-Office in der Jogginghose mit anschließendem Netflix-Marathon auf dem Programm steht?

Wie gut, dass das Leben auf die Straße zurückkehrt, und mit ihm belebte Terrassen auf den Gehwegen - voller Menschen, die ihre Hefepfündchen unter einem weiten Hemd kaschieren und den Gastronom ihres Vertrauens vor lauter Wiedersehensfreude am liebsten in die Arme schließen würden. Sollte die vermisste Pasta so gut schmecken, dass eine zweite bestellt werden muss: Keine Sorge, die Rennstrecke entlang der Isar hat sich mit Lockerung der Ausgangsbeschränkung nicht in Luft aufgelöst.

© SZ vom 23.05.2020/syn

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