Coronavirus in MünchenWarum die Polizei am überfüllten Isarufer kaum noch einschreitet

Ob Abstandsgebot und Kontaktbeschränkungen am sonnigen Samstag eingehalten wurden, ist für die Beamten schwer zu ermitteln. Ihre Rolle hat sich geändert: vom Kontrollieren hin zum Appellieren.

Von Heiner Effern und Julian Hans

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Mit den weiteren Lockerungen der Infektionsschutzmaßnahmen zu Beginn dieser Woche ändert sich auch die Rolle der Polizei im Freistaat: vom Überwachen und Kontrollieren zum Ermahnen und Appellieren. Mit mehr als 500 Beamten waren die Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei am sonnigen Samstag präsent, vor allem auf der Reichenbachbrücke und am Isarufer. Ihre Handhabe gegen Personen, die sich nicht an die Gebote halten, ist allerdings begrenzt.

Zwar gelten Abstandsgebot und Kontaktbeschränkungen nach wie vor, Bußgelder können aber nur noch verhängt werden, wenn zum Beispiel im öffentlichen Raum gegrillt wird oder Partys veranstaltet werden. Ob bei einer größeren Gruppe die Personen aus zwei Hausständen kommen oder aus mehr, ist für die Beamten am vollen Isarufer nur mit großem Aufwand festzustellen. Daher bleibt es meist bei Ermahnungen.

Nur ganz Uneinsichtige bekommen eine Anzeige. Die Zahl der Anzeigen bewegt sich - abhängig vom Wetter - zwischen 20 und 100. Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle lobte am Montag die Münchnerinnen und Münchner, die sich "lange Zeit wirklich gut an die Infektionsschutzvorgaben des Freistaats gehalten" hätten. Er appellierte, die auf diesem Weg erreichten niedrigen Kennzahlen bei den Neuinfektionen nicht leichtsinnig aufs Spiel zu setzen. "Gerade im Gedränge der Großstadt ist Disziplin im Kampf gegen Corona ganz besonders wichtig", erklärte Böhle. Dass die Einsatzkräfte bei der Durchsetzung der Maßnahmen "nicht mit voller Härte gegen Sonnenbadende am Isarufer vorgehen", sei "nachvollziehbar und nicht zu kritisieren". Vielmehr sei das Verantwortungsgefühl der Bürger das beste Mittel gegen die Corona-Pandemie.

© SZ vom 16.06.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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