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Schulen in München:Überraschend geordnet

Für die Zweitklässler liegt Unterrichtsmaterial zum Abholen bereit.

(Foto: Catherina Hess)

Bei der Rückkehr der Viertklässler in die Schulen zeigt sich, wie ernst die Kinder die strengen Hygieneregeln wegen der Corona-Pandemie nehmen. Eines aber hat sich grundlegend geändert: die Stimmung im Unterricht

Die Disziplin der Kinder sei kein Problem, jedenfalls bisher, sagt Ilona Peters, die Leiterin der Grundschule an der Manzostraße in Untermenzing. In ihrer Schule gibt es wegen des Coronavirus jetzt viele neue Regeln zu befolgen: Die Kinder müssen Abstand halten, Toiletten dürfen sie nur einzeln betreten, in Gängen und Zimmern kleben Markierungen auf dem Boden, und wer sich durchs Schulhaus bewegt, muss eine Schutzmaske tragen. Das ist viel verlangt für Zehnjährige, doch die Kinder würden sich daran halten, sagt Peters, "sie sind sehr diszipliniert", sie hätte das selbst nicht so erwartet. Die Stimmung freilich sei anders als vorher. Kinder seien eigentlich lebendig und spontan, wild und laut, sagt die Schulleiterin. Jetzt wirkten sie eingeschüchtert. "Sie sind sehr still."

Seit Montag herrscht wieder Unterrichtsbetrieb in Bayerns Grundschulen, zumindest eingeschränkt: Nach acht Wochen Pause mit mal mehr, mal weniger Lernen daheim, mit Tages- und Wochenplänen, Arbeitsaufträgen per E-Mail oder per Post sowie hin und wieder mit Videokonferenzen mit den Lehrern gehen die Viertklässler nun wieder zur Schule. Damit sich das Coronavirus trotzdem nicht rasant ausbreitet, wurden Tische auseinandergerückt und Klassen in Gruppen aufgeteilt, die zeitversetzt unterrichtet werden - an der Manzoschule etwa beginnt für einen Teil der Kinder die Schule um 8 Uhr, für den anderen erst um 11 Uhr. Dazwischen gehen die Frühschicht-Kinder nach Hause, und es wird geputzt. Und die vierten Klassen sind nur der Anfang. Ab Montag sollen auch die Erstklässler wieder zur Schule gehen. Die übrigen folgen wohl nach Pfingsten.

Seit Montag dürfen die Viertklässler hier wieder lernen.

(Foto: Catherina Hess)

Für die Manzoschule bedeutet das, dass sie Mitte Juni wieder alle 550 Schüler unterrichten müsste. Gleichzeitig wird das nicht gehen; die Schule klagte bereits vor den Abstandsregeln über zu wenig Platz. Schon ab Montag müssen sich deshalb die Erstklässler tageweise abwechseln. Wie genau, würden sie noch gemeinsam mit den Eltern entscheiden, sagt Peters. Bei der Frage, ob auch die Erstklässler die Abstandsregeln einhalten, bleibe eine Restunsicherheit, man könne ja nicht alle Eventualitäten mitdenken. Sie habe aber ein gutes Gefühl. "Wir tun unser Bestes."

Elke Kandlbinder muss hier besonders gut aufpassen; sie leitet die Grundschule an der Nadistraße im Olympiadorf; im selben Gebäude befindet sich ein Sonderpädagogisches Förderzentrum mit Schülern, die Risikogruppen angehören. Die Grundschüler sind von dessen Schülern strikt getrennt, sie sind auf jeweils eigenen Stockwerken untergebracht. Auch in ihrer Schule gehe es sehr diszipliniert zu, sagt Kandlbinder - und auch für sie fühle sich der neue Alltag komisch an. "Ich erkenne meine Schüler auf dem Gang schon noch", trotz der Masken, sagt sie; ihre Schule ist klein, zählt insgesamt 173 Kinder. Doch sie habe schon mehrmals gehört, wie sich Schüler auf dem Gang gegenseitig fragen, wer sie eigentlich seien.

Die Kinder würden sich freuen, wieder dazusein, "die gehen wirklich gern in die Schule", sagt Kandlbinder. Auch wenn das Lernen daheim gut funktioniere. Den kleineren Kindern hätten die Lehrer zum Teil Pakete mit Unterrichtsmaterial nach Hause gebracht; die höheren Klassen würden digitaler arbeiten, etwa mit Videokonferenzen und Online-Pinnwänden. Doch das sei alles eine Notlösung. Der direkte Kontakt sei wichtig, nicht nur für die Schüler. "Es fehlen ja nicht nur den Kindern die Lehrer, sondern auch den Lehrern die Kinder."

Die Viertklässler werden an der Nadischule in zwei Schichten unterrichtet. Mit den ersten Klassen wolle man es ebenso halten, sagt Kandlbinder. Nach Pfingsten werde man wohl tageweise Schichtbetrieb einführen. Ähnlich plant auch die Grundschule am Pfanzeltplatz in Perlach mit ihren 390 Kindern. Die vierten Klassen seien derzeit in verschiedenen Häusern untergebracht, um sich nicht zu begegnen, sagt Schulleiterin Veronika Schäffer. Das werde mit den ersten Klassen auch noch gehen. Für die Zeit nach Pfingsten hoffe sie auf Vorgaben aus dem Kultusministerium.

In der Grundschule an der Manzostraße gelten klare Vorgaben.

(Foto: Catherina Hess)

Dessen Informationspolitik steht derzeit in der Kritik. Die Bildungsgewerkschaft GEW forderte zuletzt Absprachen mit den Schulen ein, statt diese nur über die Presse zu informieren. "Wir sehen uns Pressekonferenzen an und schreiben mit", ärgert sich auch ein Schulleiter, der nicht namentlich genannt werden will. Erst Tage später kämen dann konkretere Informationen. Für den Schulstart am Montag etwa seien die letzten Vorgaben am Donnerstag gekommen. Nicht alle Eltern seien digital gut zu erreichen. Lehrer hätten deshalb den Informationsbrief der Schule persönlich zu den Eltern nach Hause gebracht.

Wie es mit den Erstklässlern klappt, werde sich zeigen, sagt Veronika Schäffer von der Grundschule am Pfanzeltplatz. Doch sie warnt: In der Notbetreuung sei es bei den Kleinsten schwierig mit dem Abstandhalten. Als Regel gelte etwa: Man müsse die Arme ausstrecken können, ohne sich zu berühren. Doch wenn zum Beispiel ein Radiergummi vom Tisch falle, hebe das Kind den natürlich auf und achte dabei nicht auf Abstand. Und außerhalb der Schule sei vieles anders. "Drinnen sind alle diszipliniert", sagt Schäffer. Sie habe aber auch schon Schüler gesehen, die nach der Schule am Hachinger Bach zusammensaßen und ein Eis aßen, nah beieinander.

© SZ vom 14.05.2020
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