Münchner Momente:Liebesgrüße vom Labrador

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Die Beziehungen zwischen Mensch und Hund sind in der Corona-Pandemie inniger geworden. Wer so viel Zeit miteinander verbringt, wundert sich über nichts mehr. Bis es plötzlich hupt.

Glosse von Berthold Neff

Es steht außer Frage, dass sich Mensch und Hund in den zwei Jahren der Pandemie nähergekommen sind. Zwar dienten einige Vierbeiner oft nur dazu, Frauchen oder Herrchen während des Lockdowns einen plausiblen Grund zu liefern, trotzdem auf die Straße zu dürfen. Die meisten der Zweier-Beziehungen zwischen Mensch und Tier gründen jedoch auf echter Zuneigung, wenn es nicht gar Liebe ist.

Man hat sich gut kennengelernt in dieser Zeit. Besonders schlaue Hunde, die aus den Augenwinkeln beobachteten, wie oft Herrchen den Weg vom Computer im Home-Office hin zum Kühlschrank suchte, konstatierten schnell, dass dies mit einer deutlichen Gewichtszunahme einherging. Und wenn der Hundeblick dann vorwurfsvoll über die Wampe strich, gelobte man, das nächste Gassi-Gehen in viel höherem Tempo zu bewältigen.

Es soll mittlerweile Hunde geben, die schon an der Art, wie die Türglocke betätigt wird, eindeutig erkennen, ob der Paketbote von Amazon, DHL oder Hermes kommt, wie dieser sich fühlt und ob er sich auf lautes Bellen freut. Man darf annehmen, dass Hunde, sofern sie sich als Beifahrer betätigen, auch mit den Feinheiten der Straßenverkehrsordnung vertraut sind. Oft sieht man das schon daran, dass sie beim Gassi-Gang vor dem Überqueren von Straßen mit Zwei-Richtungsverkehr erst nach links und dann nach rechts äugen, was im Übrigen schon einige Menschenleben gerettet hat.

Einige Hunde können inzwischen auch rechnen, zum Beispiel in Leckerlis und in verjagten Katzen, nur mit dem Lesen hapert es noch ein bisschen. Man muss allerdings zugeben, dass die Lektüre der Straßenverkehrsordnung (StVO) nur mäßig spannend ist. Zum Glück ist dort festgelegt, in welchen Situationen ein Fahrzeugführer die Hupe betätigen darf: Wenn der Vordermann nicht schon nach einer Zehntelsekunde merkt, dass die Ampel auf Grün gesprungen ist. Oder wenn er sich stur an Tempo 30 hält. Oder wenn die eigene Mannschaft mal einen großen Titel holt.

Hunde halten von solchen Vorschriften nichts, wie unlängst in Großhadern am Stiftsbogen zu beobachten war. Ein Hupsignal von mindestens einer Minute schreckte die Umgebung auf, um nach einer Pause von wenigen Sekunden noch länger zu ertönen. Ein Blick auf die Straße zeigte, dass kaum Verkehr herrschte, es gab auch kein gewonnenes Fußballspiel oder eine Hochzeit zu feiern. Es war ein Labrador in einem Fiat 500, der sich an § 16 Abs. 1 StVO hielt, wonach nach Herzenslust hupen darf, "wer sich oder Andere gefährdet sieht". Der Hund sah sich gefährdet, weil sein Frauchen ihn alleine gelassen hatte. Als sie dann endlich aus dem Wohnblock eilte, nahm er die Pfoten von der Hupe und rutschte auf seinen Beifahrersitz. Er hatte Glück, dass keine Polizei in der Nähe war. Die hätte ihn sonst mit fünf oder gar zehn Euro zur Kasse gebeten. Das zahlt auch ein reinrassiger Hund nicht aus der Portokasse.

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