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Corona-Krise:Wie sich die Schulen für den Herbst rüsten

Recht still ist es in diesen Tagen an der Wilhelm-Busch-Realschule in Perlach, wie ihr Leiter Konrad Brunner erzählt. Er ist derzeit vor allem mit Verwaltungsarbeiten beschäftigt.

(Foto: Robert Haas)

Die letzte Woche vor den Ferien beginnt - und sie ist ganz anders als sonst. Die Rektoren arbeiten derweil schon an den Plänen für das neue Schuljahr, dem sie auch mit Sorge entgegensehen.

Von Ekaterina Kel

Die letzte Schulwoche vor den Ferien bietet häufig so etwas wie den Vorgeschmack auf die kommende Entspannung. Man geht mit der ganzen Klasse Eis essen oder auf einen Wanderausflug. Die Klausuren sind geschrieben, die Noten verteilt, der Stoff fürs Schuljahr ist längst durch. Doch dieses Jahr ist alles anders. Die Coronavirus-Pandemie hat die Schule vielerorts auf das Pflichtprogramm reduziert. Für ein lockeres Beisammensein ist da kein Raum.

So auch an der Wilhelm-Busch-Realschule in Perlach. "Ausflug, Wandertag, Bundesjugendspiele, alles ausgefallen", sagt Schulleiter Konrad Brunner. "Wir haben gar kein Schulleben mehr." Still sei es zurzeit in den Gängen, er könne sich nur der Verwaltung widmen, die Kinder und Jugendlichen kämen zu geteilten Lerneinheiten ins Haus. Eine Woche die erste Gruppe, die zweite Woche dann die zweite, den Rest absolvierten sie digital mithilfe von Online-Plattformen. Alles Zusätzliche an Engagement, Aktivitäten und Festivitäten fällt aus, wird vertagt oder aufs digitale Minimum reduziert. "Ich hoffe, dass im nächsten Jahr wieder ein bisschen mehr Leben in die Schule zurückkehrt", sagt Brunner.

Das bayerische Kultusministerium hat zum Start der letzten Schulwoche eine Bekanntmachung verschickt, in der es einen Regelbetrieb mit Hygienevorschriften fürs kommende Schuljahr skizziert. Zugleich hat die Rektoren die Aufforderung erreicht, auch andere Szenarien zu entwerfen, falls das Infektionsgeschehen den Regelbetrieb nicht zulasse. "Wir müssen uns auch Alternativkonzepte überlegen, ein abgestuftes System, für den Fall, dass es wieder schlimmer wird", bekräftigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Sonntag in einem ZDF-Interview. "Ich bin noch nicht so überzeugt, dass es einen ganz normalen Regelunterricht geben wird."

Entsprechend werden nun auch an der Grundschule in der Maria-Ward-Straße am Nymphenburger Schloss Pläne für den Herbst entworfen, wie Schulleiterin Marlies Lindauer erzählt. Für den Fall, dass ein regulärer Betrieb nicht möglich ist, hat man dort in den vergangenen Monaten genug Erfahrung gesammelt, wie Schülerströme entzerrt und gestaffelt werden können. Um Kontakte der Kleingruppen untereinander zu vermeiden, können die 205 Kinder hier je nach Klassenstufe im Zehn-Minuten-Takt durch zwei verschiedene Eingänge in die Schule kommen. Und den Pausenhof könne man in vier gleichwertige Felder einteilen, erzählt Lindauer.

Gehen die Infektionszahlen nach den Ferien wieder hoch?

Mit Blick auf den Herbst sagt sie aber auch: "Es ist dringend nötig, dass die Kinder wieder in den Regelbetrieb zurückkehren können." Man merke, dass die Eltern die Situation nicht mehr lange durchhalten könnten. Andererseits mache sie sich Sorgen, sagt Lindauer, besonders wenn sie die Berichte über Urlauber-Partys auf Mallorca sehe. Im März sei die Corona-Welle ja auch direkt nach den Faschingsferien losgegangen. Trotzdem: "Ein bisschen Optimismus muss man auch haben."

So verfolgen die Schulleiter die Zahlen, beschwichtigen Eltern, spielen verschiedene Szenarien durch, warten auf die nächste Bekanntmachung des Kultusministeriums. Gewissheit, wann alles wieder so sein kann wie früher, hat man auch an den Schulen nicht.

Nach der vierten Klasse steht der Übertritt an - leichter ist das gerade nicht

Einige Dinge stehen in jedem Fall fest. Dass nach der vierten Klasse der Wechsel an eine weiterführende Schule ansteht, daran ändert auch Corona nichts. Gut, dass die Übertrittszeugnisse und die Empfehlungen bereits in den Osterferien geschrieben wurden, da fehlte es den Lehrern nur an einigen wenigen Noten, wie Lindauer erzählt. Den meisten relevanten Stoff hätten die Kinder noch vor der Schließung durchgemacht; währenddessen wurden keine Noten mehr vergeben. Wer wollte, konnte danach seine Noten mit einer Nachprüfung verbessern. Erzielte er oder sie da ein schlechteres Ergebnis, wurde das nicht gezählt. "Es wurden einige Vorkehrungen getroffen, damit die Kinder nicht die Leidtragenden sind", sagt Lindauer.

Eltern, die ihr Kind entgegen der Empfehlung der Grundschule auf die Realschule oder das Gymnasium schicken möchten, können dies auch in diesem Jahr tun. Das Prinzip des Probeunterrichts, das es auch schon vor der Pandemie gab, könne nun ebenfalls greifen, sagt Lindauer. Klappt es dann, könne der Schüler dort bleiben. Und von der Möglichkeit, den Kindern das Vorrücken in die nächste Klasse auf Probe zu gewähren, sei "recht großzügig" Gebrauch gemacht worden, sagt Konrad Brunner von der Wilhelm-Busch-Realschule. Etwa sieben Prozent der insgesamt 900 Schüler rücken bei ihm in diesem Herbst auf Probe vor. Wenn er das mit dem vergangenen Jahr, vor Corona, vergleiche, sei das Verhältnis in etwa gleich geblieben, sagt Brunner, wenn auch bei manchen Schülern mit insgesamt mehr Fünfen im Zeugnis.

In dieser Zeit seien soziale Unterschiede noch deutlicher hervorgetreten. Kinder aus einkommensschwachen Familien seien beim selbstständigen Lernen weniger unterstützt worden, sagt Brunner. "Die Heterogenität ist viel größer geworden." So kritisierte auch die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (ABL) vergangene Woche, der Zugang zu Lerninhalten sei "ungleich verteilt" gewesen. Im kommenden Schuljahr müsse dafür gesorgt werden, "dass alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen an den Bildungsangeboten teilnehmen können", so die ABL.

Wie geht man also mit dem Stoff um, der zuletzt nur unzureichend vermittelt werden konnte oder gänzlich versäumt wurde? Natürlich sei der Unterricht auf Distanz nicht eins zu eins vergleichbar mit Präsenzunterricht, sagt Brunner. Die Eltern seien deshalb besonders besorgt, ob ihr Kind aufholen könne. Aber dann verweist er auf seine derzeitigen zehnten Klassen, die ganz normal ihren Abschluss gemacht hätten und deren Noten "so wie immer" ausgefallen seien. Es habe keine Ausreißer nach oben oder nach unten gegeben; der Notenschlüssel musste nicht geändert werden, sagt Brunner. "Das war unsere große Befürchtung."

Dort, wo noch Wissenslücken aufklaffen, soll außerdem gezielter Förderunterricht im kommenden Schuljahr helfen, das habe das Kultusministerium verordnet. Außerdem sollen die Lehrer festhalten, welchen Stoff sie nicht mehr geschafft haben und eine Übergabe mit dem neuen Lehrer fürs nächste Schuljahr vereinbaren, der das Wichtigste nachholen kann. Brunner liegt viel daran, dass die Kinder und Jugendlichen möglichst normal durch ihre Schulzeit kommen können, wie er sagt. Auch in den Zeugnissen der Neuntklässler, die sich damit bewerben wollen, werden keine coronaspezifischen Vermerke auftauchen. "Damit der Jahrgang nicht stigmatisiert wird."

Zur Normalität an der Maria-Ward-Grundschule gehört eigentlich ein gebührender Abschied der Viertklässler. Schließlich entlasse man sie in einen neuen Lebensabschnitt, sagt Rektorin Lindauer. Immerhin: Alle Kinder der Abschlussstufe können sich für 15 Minuten auf dem Pausenhof treffen. Eine andere gute Nachricht: Es wird Luftballons geben. Lindauer sagt: "Es ist auf jeden Fall besser, als wir gedacht haben."

© SZ vom 20.07.2020/infu

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