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Impf-Betriebsausflug nach München:Kontrollen haben versagt - schon wieder

Coronavirus - Start regulärer Impfungen durch Betriebsärzte - BMW

Impfung auf dem (Silber-)Tablett? In diesem Fall geht es mit rechten Dingen zu, Betriebsärzte dürfen nun gegen Covid-19 impfen. Bei einem Betriebsausflug eines Luxusresorts von Italien nach München, Piks inklusive, sieht das anders aus.

(Foto: dpa)

Per Tagestrip zur Spritze: Dass Impftourismus so leicht möglich ist, untergräbt die Glaubwürdigkeit der bayerischen Corona-Strategie.

Kommentar von Francesca Polistina

Der Grat zwischen Pragmatismus und Bürokratie ist oft ein schmaler. Mit jedem Formular, das ausgefüllt werden muss, geht kostbare Zeit verloren; macht man die Kontrollstrukturen aber schlanker, können gefährliche Lücken entstehen. So lief es bei den Corona-Teststellen: Einige konnten ungestört deutlich mehr Tests vermelden, als sie tatsächlich durchgeführt hatten.

Oder bei der Maskenaffäre, als Abgeordnete von CSU und CDU beim schnellen Geschäft mit Corona-Schutzmasken unverschämte Provisionen einstrichen. Oder auch jetzt, bei diesem Fall von Impftourismus, der in München spielt.

Mehr als hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines italienischen Luxusresorts haben sich Ende Mai hier impfen lassen, weil dies in den Betrieben in ihrer Heimat zu dem Zeitpunkt noch nicht möglich war. Dafür haben sie einen Vertrag unterschrieben und einen Pauschalpreis bezahlt. Geimpft wurden sie von deutschen Ärzten in einem Hotel, obwohl sie mutmaßlich keinen Anspruch darauf gehabt hätten.

Die genauen Umstände des Falles sind noch unklar, man weiß zum Beispiel noch nicht, woher die Impfdosen kamen. Klar ist aber: Solche Geschehnisse untergraben die Glaubwürdigkeit der bayerischen Corona-Strategie. Sie sind ein Zeichen dafür, dass die Kontrollmechanismen womöglich nicht funktioniert haben.

Beispiel Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB), der alle niedergelassenen Ärzte angehören: Ob eine Arztpraxis bei ihrer Bezugsapotheke Impfstoffe bestellt, erfährt die KVB erst mal nicht, sie übt keine Kontrollfunktion aus.

Und selbst wenn sie es wollte, wäre es fraglich, ob sie die Kapazitäten hätte, um die ganze Impfkampagne, die sich vermehrt in den Praxen abspielt, wirklich zu prüfen. Die Politik übersieht dies offenbar. Corona ist ein Sonderfall, der eine schnelle Reaktion erfordert.

Aber wie bei den Teststellen gilt auch beim Impfen: Effizientere Kontrollen sind nötig. Ein Flieger voller Impftouristen, die in München landen und am Nachmittag samt Impfpass zurückfliegen - angesichts des Mangels an Vakzin ist das nicht vertretbar.

© SZ vom 10.06.2021/van
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