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Corona im Blick:Zu zweit allein

SZ-Fotografin Catherina Hess zeigt, was ihr in dieser außergewöhnlichen Zeit besonders auffällt

In Deutschland gibt es 2,58 Millionen Alleinerziehende. Auch ich gehöre seit zwei Jahren dazu. Wie mein Sohn Léon und ich durch diese besondere Zeit kommen mit Unterricht zu Hause und einem "systemrelevanten Beruf", der nicht im Home-Office stattfinden kann, habe ich in einer losen Bilderfolge dokumentiert. Ich bin mir bewusst, dass wir eigentlich zu den Privilegierten unserer Gesellschaft gehören. Wir wohnen mit genügend Platz und sogar einem Garten. Ich habe eine Arbeit, die mir viel Freude macht, und ein Kind, das sich auch alleine mit seinen Arbeitsblättern beschäftigen kann. Trotzdem waren die vergangenen Wochen unfassbar anstrengend und nicht immer spannungsfrei. Ich kann mir kaum vorstellen, wie Mütter oder Väter ihr Pensum zu Hause mit mehreren Kindern schaffen.

Unser Corona-Alltag ist geprägt von dem Satz meines Sohnes: "Mama, ich brauche Aufmerksamkeit." Keine Ahnung, wo er den aufgeschnappt hat. Aber ich sehe in seine Augen und mir ist klar, dass er noch nie so sehr auf sich gestellt war, wie jetzt. Morgens, wenn ich das Haus verlasse und abends, wenn ich zur Tür reinkomme, habe ich das Gefühl, niemandem wirklich gerecht zu werden: ihm nicht und mir selbst auch nicht. Dennoch haben wir auch viel Spaß und einzigartige gemeinsame Momente, die uns sicher in Erinnerung bleiben werden.

© SZ vom 02.06.2020
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