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Corona-Beschränkungen:Der Freistaat wird unsportlich

"Spiel, Satz und aus" und Kommentar "Sportverbot ist überzogen", beides vom 14./15. November:

Überreagiert aufs VGH-Urteil

Der Artikel von Linus Freymark beschreibt die traurige Situation des Indoor-Sports in Coronazeiten sehr anschaulich. Noch eindrucksvoller ist das dazu abgedruckte Foto von Alexandra Schellnegger: Wer nach Betrachten der Riesentennishalle mit zwei einsamen, tennisgerecht weit voneinander entfernten Tennisspielern überhaupt noch auf die Idee kommen kann, ein Einzel in der Tennishalle könne irgendeine Covid-19-Gefährdung herbeiführen, muss sich fragen lassen, welches (Zusammen-)Leben überhaupt noch erlaubt sein darf. Ein Sport, der jede Abstandsregel im Übermaß einhält, müsste eigentlich ausdrücklich empfohlen und nicht verboten werden, wenn man es ernst meint mit der Fitness und der Stärkung von Abwehrkräften (auch) gegen Corona.

Ich habe Verständnis dafür, dass die Bayerische Staatsregierung sich über den Verwaltungsgerichtshof (VGH) und dessen Entscheidung in Sachen Fitnessstudios geärgert hat. Sie schüttet aber das Kind mit dem Bade aus, wenn sie nun sogar die Ausübung einer Sportart wie Einzeltennis verbietet, die mit dem Betrieb von Fitnessstudios nicht im Geringsten etwas zu tun hat. In den Studios bewegt sich auf der Fläche eines Tennisplatzes ein Vielfaches an Akteuren. Um noch juristisch zu werden: Das Gleichheitsprinzip verlangt nie eine schematische Erstreckung von Belastungen auf alle, ohne die Verhältnismäßigkeit zu prüfen. So hat es auch der VGH sicher nicht gemeint.

Dr. Hans-Joachim Frieling, München

Fit bleiben geht immer

Der Kommentar zur Schließung von Fitnessclubs geht bereits in der Überschrift von falschen Rahmenbedingungen aus. Es gibt kein Sportverbot. Is so.

Jede und jeder darf Sport treiben, so viel sie/er möchte und kann. Es geht bei den coronabedingten Einschränkungen lediglich um Fitnessclubs und vereinsorganisierten Freizeitsport.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden, auch ich verstehe nicht jede Maßnahme, die von unserer politischen Führung derzeit verhängt wird. Auch ich bin der Meinung, dass weder Restaurants mit ausgearbeitetem Hygienekonzept noch ebenso ausgestattete Fitnessbetriebe zwingend zumachen hätten müssen.

Wichtig ist der Verweis des Verfassers, wie wichtig körperliche Gesundheit ist, auch hier stimme ich ihm selbstverständlich zu. Dass jedoch auch hier wieder im Unterton das zu Tode gerittene Wort "Systemrelevanz" mitschwingt, das derzeit jeder Kleinkünstler (zu denen ich übrigens auch gehöre) für sich beansprucht, finde ich albern.

Nein, das Wohlergehen der Volksgesundheit ist weder von Bodyclubs noch von der Muckiklitsche abhängig! Man kann zu Hause Liegestütze und Sit-ups machen, sich beim Yoga dehnen, in die Arbeit radeln und täglich noch zehn Kilometer zum Laufen gehen. Man kann sich Hantelsets nach Hause bestellen und Klimmzüge an der eigenen Zimmertür machen. Man kann, statt den Biermann kommen zu lassen, selber Getränkekisten schleppen, den Aufzug vermeiden, und stattdessen die Treppe nehmen.

Nein, kein Fitnessclub in diesem unserem Land rettet die Volksgesundheit. Man muss nur fit bleiben wollen. Dann klappt das auch bei einem Lockdown, wie wir ihn im Frühjahr hatten.

Gregor Meyer-Bender, Gilching

© SZ vom 18.11.2020
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