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Corona-Krise in München:Viele Eltern müssen trotz Kita-Schließung zahlen

Krippe in München: Lösung im Kita-Streik in Sicht

Viele Kinder müssen wegen der Corona-Krise zuhause bleiben. Die Kita-Gebühren soll indessen der Staat übernehmen - doch privaten Trägern reicht das nicht aus.

(Foto: Sebastian Kahnert/dpa)

Eltern, deren Kinder wegen des Coronavirus nicht in die Kita gehen können, sollen finanziell entlastet werden - das kündigte Ministerpräsident Söder an. Doch die Erstattungen des Freistaats reichen privaten Trägern nicht aus.

Anfangs habe sie sich noch gefreut, trotz aller Zweifel, sagt Astrid Sieber. Anfangs, das war am 20. April. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte an dem Tag an, der Freistaat wolle Eltern helfen, deren Kinder wegen des Coronavirus nicht in ihre Kitas gehen können, die aber weiter Besuchsgebühren zahlen müssen. "Wir übernehmen das", sagte Söder im Landtag. Und Astrid Sieber dachte, auch ihr würde jetzt geholfen. Doch sie hat sich geirrt.

Sieber hat einen zweijährigen Sohn, der eine private Krippe in München besucht, oder besser: besucht hat. Jetzt sitzt er daheim, trotzdem zahlen die Eltern 550 Euro im Monat an die Krippe. Und dabei bleibt es wohl. Denn der Freistaat hat zwar angekündigt, mit rund 170 Millionen Euro Eltern von April bis Juni von den Kita-Gebühren zu befreien. Die Träger erhielten pauschal Geld, erklärte Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) im April. Wie ihr Ministerium bestätigt, gibt es für ein Krippenkind neben der bisherigen Förderung zusätzliche 200 Euro im Monat, für ein Kindergartenkind 50, für ein Hortkind 100. Im Gegenzug dürfen die Kitas keine Elternbeiträge mehr erheben. Doch das können sich viele private und freie Träger in München nicht leisten, die Pauschalen decken die Kosten nicht. Doch wenn die Träger das Geld nicht annehmen können, kommt es auch nicht bei den Eltern an.

Sieber sagt, sie hätte ihr Kind lieber in einer städtischen Kita. Noch immer suche sie nebenher einen Platz dort, darum will sie nicht, dass ihr richtiger Name in der Zeitung steht. Und sie ärgert sich: Sie müssten für die private Kita ohnehin mehr zahlen als andere. Zuletzt seien schon andere Entlastungen an ihnen vorbeigegangen. Und jetzt schon wieder. "Wir zahlen, damit uns der Platz erhalten bleibt", sagt Sieber. "Wenn wir in einer Notlage wären, würden wir die Überweisungen einfach einstellen."

Sieber ist nicht die einzige, der es so ergeht - und die so denkt. Das berichtet Natalie Bendit. Sie betreibt eine Krippe mit 24 Plätzen im Dreimühlenviertel. Das Verhältnis zu den Eltern sei sehr vertrauensvoll. Aber weil sie weiterhin Gebühren erheben müsse, seien ihr bereits Eltern abgesprungen. Andere hätten zwar formal nicht gekündigt, weil sie den Platz behalten wollten. Sie zahlten aber einfach nicht mehr. Bendit musste einen Anwalt einschalten.

Bendit sagt, sie finanziere ihre Krippe quer, mit einem Café, Kindergeburtstagen oder auch Baby-Kursen. Dadurch sei ihr Satz mit 738 Euro im Monat für eine private Kita in München günstig. Doch von den Pauschalen des Freistaats ist das weit weg. "Kein privater Träger kann damit seine Kosten decken", sagt Bendit. Sie auch nicht. Die Miete sei hoch. Und den Mitarbeiterinnen, die in Kurzarbeit sind, stocke sie das Gehalt auf 100 Prozent auf, damit sie nicht abwandern.

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Die Pauschalen orientierten sich an Erfahrungswerten "für moderate und angemessene Elternbeiträge", erklärt dagegen das Familienministerium. Der "weit überwiegende Anteil der Betriebskosten" werde in der Regel bereits mit der gesetzlichen Förderung abgedeckt. Würde man Eltern jeweils die tatsächlich von ihnen bezahlten Beiträge erstatten, bedeutete das einen erheblichen Verwaltungsaufwand. Zudem werde das Konzept von der freien Wohlfahrtspflege mitgetragen - und es sei auch im Interesse der Träger, heißt es vom Ministerium. Denn diese dürften kraft Gesetz gar keine Beiträge erheben, wenn sie keine Leistung erbringen. Es sei denn, das sei vertraglich anders geregelt.

Sein Verband sei dankbar, bestätigt Benjamin Tajedini, der Vorsitzende des Dachverbands Bayerischer Träger für Kindertageseinrichtungen. Die Zeiten seien schwierig; die Lage sei in den verschiedenen Gemeinden in Bayern sehr unterschiedlich. Er bedaure nur, dass die Kommunen zur Hilfe des Freistaats nichts dazulegen.

Das Problem mit den Pauschalen sei vor allem das Entweder-oder, sagt Bettina Schröer-Voit vom gemeinnützigen St.-Josefs-Heim. Die Träger seien jetzt in einer Zwangslage. Das St.-Josefs-Heim betreibt in Haidhausen ein inklusives Haus für Kinder mit 163 Plätzen. Die Eltern zahlen bis zu 626 Euro im Monat, der Satz gilt für mehr als neun Stunden täglich in der Krippe. Von Anfang an seien viele Kinder in der Notbetreuung gewesen, betont Schröer-Voit. Sie würde nun gar nicht erwarten, dass der Staat alle Beiträge übernehme, auch die der teuren Kitas. Aber sie wünscht sich Handlungsspielraum. "Viele Eltern wären glücklich, wenn sie wenigstens um die Pauschalen des Freistaats entlastet würden."

Ob sie sich leisten können, das Geld des Freistaats anzunehmen, wüssten sie noch nicht, sagt Schröer-Voit. Sie müssten dann Kredite aufnehmen. Als Wohlfahrtsträger wüssten sie schon, wie das ist. Aber nicht in dieser Dimension.

© SZ vom 12.05.2020/kafe

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