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Contra:Raus aus Prinzip

Die Stadt München beteiligt sich daran, die Laufzeit des Reaktors Isar 2 zu verlängern. Das ist pragmatisch, aber falsch. Denn dafür ist die Atomkraft einfach viel zu gefährlich.

Prinzipienreiter gehen auf die Nerven, zumal in der Politik. Politiker müssen pragmatisch sein und Kompromisse finden. Wer unbeweglich auf ethischen Prinzipien beharrt, ist in der Politik fehl am Platz. In ganz seltenen Fällen aber braucht es so einen doch. Zum Beispiel in der nun im Stadtrat diskutierten Frage, ob sich die Stadtwerke an der (völlig legalen) Verlängerung der Laufzeit des Atomkraftwerks Isar 2 bei Landshut beteiligen sollen oder nicht. Das Ja der Stadträte ist pragmatisch und finanziell sinnvoll. Und trotzdem falsch.

Es geht hier ja nicht um irgendeinen Meiler, der den Menschen Strom liefert und seinen Besitzern, also den Stadtwerken, einen hübschen Gewinn, worüber man ein paar klitzekleine Nachteile vergessen könnte. Es geht hier nicht - wie bei der Abschaltung des Steinkohleblocks im Heizkraftwerk Nord - um eine Abwägung, ob man eine mittelmäßig saubere Stromquelle versiegen lassen soll, ohne zu wissen, woher der Strom dann kommt. Es geht um ein Atomkraftwerk.

Die Kernenergie braucht es nicht mehr für die Versorgungssicherheit, auch nicht für günstige Strompreise. Ein solcher Meiler produziert jeden Tag mehr Müll, von dem man weder weiß, wie man ihn lagern soll, noch, welche Gefahren von ihm in Tausenden Jahren ausgehen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Reaktor explodiert, ist zwar minimal, die Folgen aber wären fatal - zumal wenn er wie hier am Rande eines Großraums steht, in dem drei Millionen Menschen leben. Aus all diesen guten Gründen wurde einst beschlossen, aus der Atomkraft auszusteigen. Und all diese Gründe gelten noch immer und wiegen schwer. Daher sollte sich die Stadt München nicht daran beteiligen, den Meiler länger am Netz zu lassen. Auch wenn es sie ein paar Millionen Euro kostet: Das ist eine Frage des Prinzips.