Condrobs-Gründer Alexander Eberth Aus Überzeugung gut

Alexander Eberth hat vor 40 Jahren in München die Drogenberatung Condrobs gegründet. Er hat Mehmet verteidigt - einst "Staatsfeind Nummer eins" in Bayern - und einen Mann, dem vorgeworfen wird, ein Vergewaltiger zu sein. Jetzt hat der Anwalt das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Von Philipp Crone

Alexander Eberth übergibt seinem Mandanten den Geldbeutel, ohne zu lachen. Der Mann hat sein Portemonnaie in der Schwabinger Kanzlei vergessen. Oft lachen die Beteiligten ja in so einer Situation, zumindest lächeln sie, denn es ist schon etwas peinlich, den Geldbeutel liegen zu lassen. Doch in Eberths Gesicht, das von einem weißen Vollbart und weißem Haar umrandet ist und in dem normalerweise immer ein leichtes Lächeln liegt, regt sich nichts. Er kennt diese Momente nur zu gut.

Der Mann nimmt das Portemonnaie an sich und geht. "Die Leute sind oft durch den Wind, wenn sie hier rausgehen, vor allem, wenn sie nicht das hören, was sie hören wollen", sagt Eberth. Und das passiert oft, wenn man das Büro eines Strafverteidigers verlässt.

Rechtsanwalt Eberth sagt nicht, was jemand hören will, er sagt und tut, wovon er überzeugt ist. Das sagt er zumindest. Und offenbar ist das sehr häufig das Richtige. Der 68-Jährige hat vor einigen Wochen das Bundesverdienstkreuz bekommen, für sein Engagement in der Drogenberatung Condrobs. Der Präventions- und Suchthilfeverein kümmert sich mit 450 Mitarbeitern in 30 Einrichtungen jährlich um 7000 Menschen. Eberth hat Condrobs vor 40 Jahren gegründet. Seit damals bewegt er sich zwischen zwei Welten, die einander fremd waren, und es noch immer sind.

In der einen Welt, im Justizwesen, geht es um exakte Formulierungen, und auch um Distanz. "Im Gegensatz zur sehr genauen Juristensprache ist die der Sozialarbeiter ganz locker." In deren Welt braucht man Empathie und Nähe. "Man muss den Abhängigen Verständnis entgegenbringen, bis zu einer gewissen Grenze", sagt Eberth mit weich geformten Konsonanten. Die Leute müssen einem vertrauen, da hilft es, wenn der Jurist auch die lockere, gar nicht exakte Sprache der Straße beherrscht. So war es zum Beispiel in dem Fall vor einiger Zeit, als ein Klient anrief und Eberth drohte, er werde sich umbringen. Die Pistole hatte er schon. "Aber ich wusste, er wollte mich." Eberth fuhr hin, sie redeten lange, die Pistole wurde weggelegt. Eberth hatte die Botschaft verstanden.

Überzeugungen, Prinzipien, sie treiben den Mann an

Warum geht er so ein Risiko ein? Warum setzt sich Eberth derart für Drogenabhängige ein? Warum hat er vor Jahren den türkischen Jugendlichen Muhlis A., bekannt als Mehmet, verteidigt? Warum verteidigte er im Januar einen Mann, dem vorgeworfen wurde, eine Frau vergewaltigt zu haben? "Ich kannte den Mann seit 15 Jahren und war von seiner Version der Geschichte überzeugt", sagt Eberth.

In dessen Version war es einvernehmlicher Sex. Auch seine Motivation, Mehmet zu verteidigen, endet mit dem gleichen Satz: Er war davon überzeugt. Davon, dass dem Jugendlichen nicht Recht getan werde, wenn er abgeschoben würde. Überzeugungen, Prinzipien, sie treiben den Mann an, dessen Gang ein wenig an Angela Merkel erinnert, mit seinen leicht watscheligen Bewegungen. Allerdings ziert Eberths Gesicht im Gegensatz zu dem der Kanzlerin eben meist ein Lächeln. Außer, er spricht über die Justiz in Bayern und ihren Umgang mit Drogenabhängigen.

"Man geht strafrechtlich zu hart gegen Drogenabhängige vor." Eberth zittert mit dem Kopf beim Sprechen, wenn ihm etwas besonders wichtig ist. Seine Überzeugung ist eine andere als die in den Ministerien. "Ausgrenzen hilft nicht." Deshalb kämpft er bei der Suche nach Objekten für Condrobs-Einrichtungen darum, dass die "nicht auf der grünen Wiese" stehen, sondern in das Stadtleben integriert werden. Das führt meist zu Protesten und Ängsten bei den Anwohnern. "Man muss akzeptieren, dass die Leute Ängste haben. Aber ich kenne keinen Fall, bei dem in der Nachbarschaft jemand beeinträchtigt worden wäre."