Computertechnik Wie die Stadt ihre desaströse IT umbauen soll

Es blinkt und summt: Der Kaltgang im städtischen Rechenzentrum.

(Foto: Florian Peljak)
  • Immer wieder gibt es Probleme mit Computern in der Stadtverwaltung: Die IT ist hoffnungslos veraltet.
  • Ein Beratungsunternehmen empfiehlt nun, die Technik und nahezu alle Mitarbeiter in einem neu zu schaffenden IT-Referat zu bündeln.
  • OB Reiter gefällt der Vorschlag, die Grünen haben Einwände.
Von Heiner Effern

Die kriselnde städtische IT steht vor einem neuen, fundamentalen Umbau. Das Beratungsunternehmen Accenture empfiehlt, die Technik und nahezu alle Mitarbeiter in einem neu zu schaffenden IT-Referat zu bündeln. Dessen Leiter soll auf Augenhöhe mit den anderen Referenten agieren können, um nötige Veränderungen voranzutreiben. Dafür soll er auch über "einen relevanten Anteil" des IT-Budgets verfügen. Zu diesem Ergebnis kommt Accenture im zweiten Zwischenbericht des Gutachtens über die Lage der städtischen IT.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hegt für diesen Vorschlag "eine gewisse Sympathie. Das ist kein Geheimnis." Der Stellenwert der IT habe sich in den vergangenen 20 Jahren drastisch erhöht, sagt Reiter. Auch in Unternehmen würde die IT in einer Abteilung gebündelt. Diese brauche einen klaren Verantwortlichen mit der nötigen Hausmacht, sagt Reiter.

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Computerpannen wie im KVR, die zu langen Warteschlangen führten, seien "vermeidbare Missstände". Der Stadtrat werde den Vorschlag intensiv diskutieren. "Ich will keinen Schnellschuss, sondern eine stabile Struktur für die nächsten 15 bis 20 Jahre." Dabei hat die Stadt erst 2015 eine fünf Jahre dauernde Umbauphase der IT abgeschlossen.

Drei "Häuser" teilen sich derzeit die Aufgaben: Die "Strac" ist zuständig für die strategische Ausrichtung, die "Dikas" betreuen Hard- und Software in den Referaten und der neu geschaffene Eigenbetrieb IT@M fungiert als Dienstleister. In einem ersten Schritt untersuchte Accenture, ob diese Struktur die lahmenden Systeme der Stadt effektiv voranbringt. Das Ergebnis ist verheerend. Der Zustand der IT sei miserabel und die Zusammenarbeit der drei Häuser nicht viel besser, so das Fazit. Jeder zweite Mitarbeiter der Stadt ist mit seiner Technik am Arbeitsplatz unzufrieden.

Das könnte laut Accenture am besten ein eigenes IT-Referat lösen. In dieser Behörde würden die drei bestehenden IT-Häuser zusammengeführt. Auch die Computer-Experten aus den Referaten würden also eingegliedert, den Service übernähmen sogenannte Kundencenter des neuen IT-Zentrums. Der nötige Wandel werde "durch die Übertragung von Verantwortung, Kompetenzen und Budgets an das IT-Referat eingeleitet", heißt es in dem Bericht. Umsetzen ließe sich diese neue Struktur "nach jetzigem Kenntnisstand innerhalb von drei Jahren".

Alles in einem Haus bündeln

Accenture hat mehrere Szenarien durchgespielt. Der Bewertung legen die Berater sechs Prüfungsfragen zugrunde: Wie lässt sich am besten die Kernkompetenz intern erhalten, der Stellenwert und die Durchsetzungskraft der IT erhöhen, alles unter eine Verantwortung bringen, die Grenze bei Organisation und Systemen abbauen, der Service für die Mitarbeiter verbessern sowie die Basisleistung optimieren?

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Komplett durchgefallen ist die Idee, das bestehende System nur punktuell nachzubessern. "Es werden einzelne Symptome behandelt, anstatt die wesentlichen Ursachen der Probleme zu lösen", heißt es. Besser kommt die Option weg, ein neues IT-Referat aus IT@M und Strac zu bilden, die IT-Einheiten der Referate und Eigenbetriebe aber dort zu belassen. Nachteilig wird allerdings die dann weiter vorhandene Doppelstruktur und das Konfliktpotenzial zwischen zentraler IT und den Fachreferaten gesehen. Deshalb schlägt Accenture vor, alle Bereiche im neuen Referat anzusiedeln. Dieser Vorschlag werde nun wie die anderen Szenarien mit den Betroffenen diskutiert und könne sich deshalb nochmals verändern, heißt es in dem Bericht.

Die Grünen haben Sorge vor einem Rückschritt

Für die favorisierte Lösung müsste die Stadt die 2012 neu geschaffene IT@M wieder auflösen. Auf Antrag der Grünen untersuchten die Berater auch die Optionen, den Eigenbetrieb in eine selbständige Servicegesellschaft umzuwandeln oder in eine andere städtische Gesellschaft zu integrieren. Beides lehnen sie jedoch ab. Solche Konstruktionen würden das "hohe Risiko" bergen, dass sich über einen längeren Zeitraum nichts bessert. Sie erfüllten keines der ersten vier angewandten Kriterien und würden die Kosten in die Höhe treiben, argumentieren die Accenture-Mitarbeiter.

Grünen-Fraktionssprecher Florian Roth überzeugen diese Begründungen nicht. Er befürchtet, dass die Rückholung des relativ selbständig arbeitenden Eigenbetriebs IT@M in die Verwaltung "einen Rückschritt" bedeuten könnte. Die Mitarbeiter seien dann wieder an engere und strengere Regularien gebunden. Die dringend nötigen flexiblen und unbürokratischen Reaktionen auf Probleme könnten so erschwert werden. Zudem sei es schwierig, mit Gehältern des öffentlichen Dienstes kompetente Mitarbeiter zu gewinnen. "Der Markt ist da ohnehin leergefegt." Im Übrigen befürwortet Roth aber die Idee, die städtische IT grundlegend neu zu organisieren und zu zentralisieren. "Wir brauchen hier den großen Aufschlag."